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Hochmoselübergang: Kosten steigen auf halbe Milliarde Euro

Hochmoselübergang : Kosten steigen auf halbe Milliarde Euro

Der umstrittene Hochmoselübergang wird teurer als geplant. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen.

Der Hochmoselübergang ist ein Projekt der Superlative. 25 Kilometer Straße, zig Brücken, die größte davon 160 Meter hoch, seit Jahrzehnten umstritten und viel, viel teurer als geplant. Mit jedem Brückenpfeiler, der aus dem Moseltal in schwindelerregende Höhen emporwächst, mit jedem 40 Meter langen Riesendübel, der den rutschgefährdeten Moselhang sichert, mit jedem Mal, dass zig Tonnen Stahl über die Mosel hinausgeschoben werden, steigen offenbar die Kosten.

Wie der „Trierische Volksfreund“ auf Nachfrage erfuhr, liegen sie für das Gesamtprojekt inklusive der 25 Kilometer Bundesstraße nun bei fast einer halben Milliarde Euro: Aktuellen Schätzungen zufolge wird das Projekt mindestens 483 Millionen Euro gekostet haben, ehe Ende 2018 die ersten Autos über die neue B 50 rollen. Zuletzt war von 456 Millionen Euro die Rede. Im Sommer 2002, bevor die Arbeiten bei Altrich starteten, bezifferte das Land die Gesamtkosten noch mit 260 Millionen Euro.

Nach Auskunft des Landesbetriebs Mobilität (LBM) hat die erneute Kostensteigerung von 27 Millionen Euro verschiedene Ursachen: Für die Sicherung des langsam abwärts kriechenden Eifelhangs wurde ein Auftrag in Höhe von neun Millionen Euro vergeben. Ein außergewöhnlicher Rastplatz mit Brücken-Erlebnisweg an der Hangkante kostet vier Millionen Euro zusätzlich. Für externe Ingenieursleistungen (Prüfingenieure, geotechnische Baubegleitung) fielen zwei Millionen an. Dass in den Brückenpfeilern und im Überbau aus statischen Gründen mehr Stahl verbaut wird, schlägt mit fünf Millionen Euro zu Buche. Zudem seien die Baupreise erneut um 2,5 Prozent gestiegen. Letztlich wisse man aber erst, wie teuer das Projekt wirklich wird, wenn alle Arbeiten abgerechnet seien, teilt der LBM mit.

Die Bauarbeiten schreiten weithin sichtbar voran: Alle zehn Pfeiler sind fertig. Anfang November wird erneut ein Stück des Stahlüberbaus hinausgeschoben. Nur noch rund 500 Meter fehlen, bis das Brückenwiderlager auf der Eifelseite erreicht ist. Unterdessen werden auf der Hunsrückseite in einem Fort weitere Stahlelemente montiert.

Auch die Arbeiten an den sechs Dübelschächten kommen laut LBM gut voran. Die 40 Meter tiefen Riesendübel hatten die Bauherren beauftragt, um den Eifelhang zu sichern, nachdem dieser immer wieder in die Schlagzeilen geraten war. Der ehemalige Leiter des Landesamts für Geologie hatte die Standfestigkeit des kriechenden Baugrunds angezweifelt (ehe er seinen Job einbüßte). Der Aachener Ingenieurgeologe Rafig Azzam warf den Brückenbauern gar vor, gegen Vorschriften zu verstoßen. Er nannte den Bau unverantwortlich. Jahrelang hatte der LBM solche Bedenken abgetan: Die Standsicherheit sei gewährleistet, Kostensteigerungen nicht abzusehen.

Nun wird der Hang doch gesichert. Was noch aussteht: An ihrem Kopf werden die Dübel mit Betonbalken verbunden und mit je 60 rund 50 Meter langen Stahlseilen im Berg verankert. Damit das Ganze gut aussieht, sollen Weinbergsmauersteine die Betonteile verblenden. Azzam bezweifelte, dass das alles für neun Millionen Euro möglich ist. Wer recht hat, zeigt sich wohl erst, wenn alles fertig ist.