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Katholische Arbeitnehmer-Bewegung auf Distanz zur CDU-Politik

Katholische Arbeitnehmer-Bewegung auf Distanz zur CDU-Politik

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Trier altert nach eigenen Angaben stark. Dennoch gibt sie sich kämpferisch und will die Ursachen von Missständen im Kapitalismus offenlegen.

Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB)? Das klingt nach den Anfängen des unter Völkerbundsverwaltung stehenden Saargebiets vor knapp 100 Jahren, als vor allem katholische Bergleute und Stahlarbeiter in den Gewerkschaften das Sagen hatten und in manchem Arbeitskampf die christlichen Werte betonten. Heute im Jahr 2016 ist es still geworden um die katholischen Arbeitervertreter. Was mutmaßlich auch daran liegt, dass Strukturen und Mitglieder in die Jahre gekommen sind, wie die KAB-Sekretärin im Bistum Trier , Ruth Mareien de Bueno, jetzt nach einer Tagung der KAB-Vertreter einräumte. Doch den Sparmaßnahmen von Bischof Stephan Ackermann und der Überalterung der Mitgliederschaft will die KAB trotzen. Sie will sich einerseits zu naheliegenden realpolitischen Themen zu Wort melden. Gleichzeitig will der Verband nach den Ursachen von Missständen im Kapitalismus fragen - und auch nach Antworten auf diese Fragen suchen, wie es in einer Mitteilung des Bistums Trier hieß. Der recht kämpferisch formulierte Beschluss der Tagung lautete: "Die KAB zwischen Realpolitik und Systemüberwindung: Von der sozialen über die sozial-ökologische Frage zur Systemfrage". Ruth Mareien de Bueno sagte dazu: "Der demografische Wandel und Sparmaßnahmen des Bistums sind neben dem Alter unserer KAB weitere Gründe für diesen Beschluss."

Die KAB, die im Saarland über ihren früheren Sekretär Egbert Ulrich, der auch CDU-Landtagsabgeordneter war, lange Jahre enge Tuchfühlung zur CDU hielt, lässt jetzt andere Töne anklingen. Mit der Forderung nach einem Stopp der Verhandlungen zwischen EU und USA über das Freihandelsabkommen TTIP ging die KAB-Versammlung klar auf Distanz zur CDU /SPD-Bundesregierung. Es bedürfe einer gerechten Wirtschaftsordnung und keines "Un-Freihandelsabkommens", das soziale und arbeitsrechtliche Standards nicht ausreichend absichere, hieß es.