Insolvenz bei Kohl Brot: kein Sozialplan, weil kein Betriebsrat gewählt

Insolvenz bei Baumholder Großbäckerei Kohl-Brot : Gewerkschaft: Weil Betriebsrat fehlt, gibt es keinen Sozialplan

An die 100 Mitarbeiter des zahlungsunfähigen Bäckereiunternehmens Kohl-Brot verlieren ihren Job, ohne mit Abfindungen, Transfergesellschaft oder ähnlichen Abfederungen rechnen zu können. Der Grund: Die Belegschaft hat nie eine Interessenvertretung gewählt.

Das Ende des Traditionsunternehmens Kohl-Brot aus Baumholder, das auch mit zahlreichen Filialen im Saarland vertreten war, trifft viele Mitarbeiter mit voller Breitseite. Davon geht Mark Baumeister aus. Denn nach Angaben des Geschäftsführers bei der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) in Saarbrücken werde es keinen Sozialplan geben, um soziale Härten durch den Jobverlust abzufedern. An solchen Verhandlungen ist in der Regel ein Betriebsrat des betroffenen Unternehmens beteiligt. Allerdings habe es bei der insolventen Großbäckerei Kohl-Brot keine gewählte Mitarbeitervertretung gegeben, die üblicherweise solche Verhandlungen aufnimmt. Obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Darum werde es auch keine Transfergesellschaft oder Abfindungen geben. Sie konnten nach Baumeisters Auskunft wegen des fehlenden Betriebsratsgermiums nicht ausgehandelt werden. Erschwerend komme hinzu, dass nur wenige Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert seien.

Für den saarländischen NGG-Chef bedeutet dies: „Wir werden vermehrt die Beschäftigten in großen Betrieben informieren und

NGG-Saar-Chef Mark Baumeister. Foto: BeckerBredel/BeckerBredel Fotografen

die Wahl von Betriebsräten forcieren. Ein Fall Kohl- Brot darf sich nicht wiederholen.“ Insbesondere wegen der im Umbruch befindlichen Bäckerbranche seien Mitbestimmungsgremien wichtig, um Beschäftigte zu schützen, schreibt der Gewerkschafter in einer Mitteilung.

Die Bäckereikette Kohl-Brot wird nach Abschluss des Insolvenz-Verfahrens komplett vom Markt verschwinden. Andere Marktriesen kündigten die Übernahme einzelner Filialen an. Zehn Standorte im Saarland sind von Schließung betroffen.

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