Hochmoselbrücke im Kreis Bernkastel-Wittlich wird eröffnet

Hochmoselbrücke im Kreis Bernkastel-Wittlich : Die größte Brücke weit und breit

Die Hochmoselbrücke im Kreis Bernkastel-Wittlich ist fertig. Unter ihr hätte sogar der Kölner Dom Platz.

Es sind die letzten weißen Markierungen, die noch auf der Fahrbahn in luftiger Höhe angebracht werden. Noch ein paar Mal hin und her, dann war es das: Die gigantische Hochmoselbrücke ist nach rund acht Jahren Bauzeit fertig. 1,7 Kilometer lang und bis zu 160 Meter hoch spannt sich das Mega-Bauwerk zwischen Ürzig und Rachtig (Kreis Bernkastel-Wittlich) über das Moseltal. Mit dem letzten aufgespritzten Weiß geht das aktuell größte Brückenbauprojekt in Europa zu Ende.

Nur noch eine Woche, dann werden die Autos über die Mega-Brücke rollen. Die Verkehrsfreigabe ist nach einer „Jungfernfahrt“ eines Konvois mit Politikern für den Nachmittag des 21. Novembers geplant. Dann steht das, was bei den langjährigen Planungen des Neu- und Ausbaus der B 50 immer das Ziel war: Eine direkte Straßenverbindung zwischen den Benelux-Staaten und dem Rhein-Main-Gebiet. Die Kosten des gesamten Projektes belaufen sich auf mindestens 483 Millionen Euro, auf die Brücke entfallen rund 175 Millionen Euro.

Bevor es losgeht, stehen noch ein paar Restarbeiten unter der Brücke an. „Das ist wie wenn man ein Haus gebaut hat. Dann muss man auch noch im Keller aufräumen“, sagt der Bauaufseher beim Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM), Christoph Schinhofen. Nur kleine Arbeiten, wenn man zurückblickt. An der Brücke wurde seit 2011 gebaut, seit Sommer 2014 entstand in insgesamt 13 „Verschüben“ von großen Stahlträgern über die zehn Pfeiler der Überbau.

Im August vergangenen Jahres gelang dann der Brückenschlag – von der Seite des Hunsrücks zur Eifelseite. Im Überbau der Brücke stecken 32 500 Tonnen Stahl, in den Unterbauten mit Pfeilern knapp 40 000 Kubikmeter Beton. „Natürlich ist auch ein bisschen Wehmut mit dabei“, sagt Schinhofen zum Ende. „Es war immer spannend.“

An diesem Samstag wird erstmal gefeiert: Mit dem LBM laden die umliegenden Gemeinden zu einem Bürgerfest ein. Dann soll in 160 Metern Höhe bei Kartoffelsuppe und einem Gläschen Wein auf das Ende der Bauarbeiten angestoßen werden. Nicht allen jedoch wird zum Feiern zumute sein: Denn die gigantische Brücke war seit ihrer Planung umstritten. Kritiker bemängelten, dass das Mega-Bauwerk das idyllische Landschaftsbild des Moseltals zerstöre. „Die Brücke baut das Tal nicht zu“, sagt Schinhofen. Sie sei extra „so transparent wie möglich“ gebaut worden: mit großen Abständen zwischen schlanken Pfeilern und einem schlanken Überbau. Die Brücke, die man im Moseltal aus vielen Kilometern Entfernung sieht, wird bundesweit die Nummer zwei sein. Nur noch die Kochertalbrücke (185 Meter) in Baden-Württemberg sei höher.

Sorgen gebe es aber nach wie vor um die Standfestigkeit der Brücke auf der Eifeler Seite, sagt Ortsbürgermeisterin von Zeltingen-Rachtig, Bianca Waters (parteilos). Vor Jahren hatte man in 22 Metern Tiefe Erdverformungen von rund 0,6 Millimetern pro Jahr festgestellt. Um Bedenken auszuräumen, wurden dort sechs unterirdische Betonsäulen gebaut – als zusätzlichen Schutz für den Fall, dass es irgendwann einmal erneut zu Bewegungen am Hang kommt.

Insgesamt freuten sich die Moselaner nun aber auf den Startschuss, sagt Waters. „Dann kommt endlich der Schwerlastverkehr raus aus dem Moseltal.“ Und: Man braucht bei Tempo 100 nur noch eine Minute, um von der einen Seite zur anderen zu kommen.

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