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Heiko Hübscher pflegt im Rosengarten Zweibrücken 1600 Rosensorten

Gartenserie : 45 000 Zicken auf einem Grün

Charakterköpfe mit Blüten und Dornen: Heiko Hübscher pflegt im Rosengarten Zweibrücken 1600 Rosensorten.

„Rosen sind keine Königinnen, das sind Zicken.“ Und zwar 45 000 an der Zahl, um die sich Heiko Hübscher als gärtnerischer Leiter des Zweibrücker Rosengartens mit seinem Team kümmert. Um den Hochzeitspavillon, in Beeten, neben Stauden, Wildgehölzen und Bäumen sind 1600 Rosensorten zu sehen. „Rosen fördern Pilze und Bakterien im Boden, um zu verhindern, dass ein Keimling neben ihnen Fuß fasst“, erklärt Hübscher ihr „Zickentum“. Aber Erneuerung gehört zum Konzept. Pro Jahr legen die Mitarbeiter 200 Quadratmeter Rosenfläche neu an – und tauschen die Erde aus. Nur so gelingt eine Nachfolge.

„Unser Schwerpunkt liegt auf den Neuheiten und den Rosen mit züchterischer Bedeutung, von Rosen von vor 1900 zeigen wir nur ein beispielhaftes Sortiment.“ Das Zeigen neuer und besserer Züchtungen war die Idee des Vereins Pfälzischer Rosenfreunde gewesen, der sich 1912 gegründet und unter dessen Applaus Prinzessin Hildegard von Bayern den Garten zwei Jahre später eröffnet hat. Während des Ersten Weltkriegs war der Garten Erholungsort für Soldaten, im Zweiten Weltkrieg litt er unter Bombardierung; nach der Wiedereröffnung 1948 erfuhr er durch Oskar Scheerer eine Umgestaltung, später die Verkleinerung. Heute misst er mehr als 45 000 Quadratmeter und lockt jährlich 120 000 Besucher. In das Rosensortiment investiert man pro Jahr 30 000 Euro – neue Sorten, Erdaustausch, Rankhilfen, Dünger und Personalkosten eingerechnet. Unter den Neuheiten ist auch die „Morning Sun“, welche die Besucher 2019 zur „Rose des Jahres“ gewählt haben. Die Sorte steht für die neue Mode: Beliebte Farben sind orange, orangerot, orangegeflammt oder rotweißgestreift. Bis die Neuheiten auf den Markt kommen, haben sie laut Hübscher bereits zehn Jahre lang Tests durchlaufen, weil die Zucht so kompliziert ist. Dennoch kann es auch Überraschungen geben: Eine der Edelrosen wird hier 2,2 Meter hoch, obwohl es nur ein Meter sein sollte. „Ganz oben sitzt dann eine Blüte, aber sie ist gesund und duftet.“ Keine Zickerei, sondern eine Reaktion auf ein anderes Klima als am Standort ihres Züchters.

Ob gestreift oder zu hoch: Um Sternrußtau, falschen und echten Mehltau sowie Rosenrost fernzuhalten, setzen die Gärtner auf Vitamin- und Eiweißmixe aus Gerste und organischen Dünger wie Traubenkernschrot. Gespritzt wird nicht, denn der Garten funktioniert seit 2011 im Biobetrieb.

Rosengarten Zweibrücken: April, Oktober 9-18 Uhr; Mai, September bis 19 Uhr; Juni-August bis 20 Uhr; montags ab 11 Uhr. Jahreskarte (26 Euro): ganzjährig bis 22 Uhr.