Handyempfang in Rheinland-Pfalz ist nicht stabil, Regierung will Ausbau

Nicht erreichbar : Noch viele Funklöcher in Rheinland-Pfalz

Handys sind längst Alltag, aber stabile Telefonverbindungen fehlen vielerorts im Nachbarbundesland.

Gemünd fühlt sich abgeschnitten von der Außenwelt. Die kleine Gemeinde liegt in einem absoluten Funkloch: „Wir haben keine Chance ins deutsche Mobilfunknetz zu kommen. Man hat uns vergessen“, sagt Ortsbürgermeisterin Stephanie Weiler über den 40-Einwohner-Ort in der Eifel direkt an der Grenze zu Luxemburg. Ein „ganz großes Problem“ gebe es bei Notfällen: „Wenn wir einen Notruf absetzen, landen wir in Luxemburg auf der Leitstelle.“ Bis von dort der Notfall nach Trier weitergeleitet worden sei, gingen „wertvolle Minuten“ verloren, sagt Weiler, die selbst im Rettungsdienst arbeitet.

„Einmal hatten wir eine Reanimation bei uns auf dem Campingplatz: Da sind sieben Minuten verstrichen, bis der Einsatz losging: Der Mann ist gestorben“, erzählt sie. Zwar gebe es in Gemünd an vielen Stellen luxemburgischen Handyempfang. „Mein Fokus liegt aber auf den Notfällen“, sagt sie und fordert: In den Orten der Grenzregion „muss dringend was passieren“. Es müssten mehr Masten aufgestellt werden, um einen der drei Mobilfunkanbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica erreichen zu können.

Handyempfang: Fehlanzeige! Funklöcher gibt es in Rheinland-Pfalz noch viele. Vor allem betroffen sind ländliche Regionen, wie ein von der Landesregierung im Oktober 2019 vorgelegter Statusbericht zur Mobilfunkversorgung bestätigt. „Die vielen Hügel und Wälder in Rheinland-Pfalz sorgen für Herausforderungen“, hieß es darin. Für Medienstaatssekretärin Heike Raab (SPD) ist klar: Die Mobilfunknetzbetreiber müssen nachlegen.

Nach Berichten der Bundesnetzagentur versorge Vodafone in Rheinland-Pfalz 97 Prozent der Haushalte, bleibe aber vor allem bei den Bundesautobahnen und den Schienenwegen im Rückstand. Die Deutsche Telekom hänge ihrer Ausbauverpflichtung von 97 Prozent bis Ende 2019 mit Verweis auf grenznahe Regionen hinterher: Sie erreiche 96,48 Prozent. „Dieser Rückstand muss schnellstens aufgeholt werden“, sagt Raab. Der Versorgungsstand der Telefonica sei dramatischer und müsse „praktisch überall mit Schallgeschwindigkeit ausgebaut werden“.

Raab fordert weiterhin klare Zielsetzungen, doppelte Ausbaugeschwindigkeiten und „harte Sanktionen“ bei Nichterfüllung der Pflichten durch die Mobilfunkbetreiber. Seitens der Länder seien große Anstrengungen unternommen worden um Ausbauhindernisse abzuwenden und Genehmigungshindernisse zu beseitigen. So habe Rheinland-Pfalz zu Beginn des Jahres eine Clearingstelle eingerichtet.

Nach einem Statusbericht zur Netzabdeckung ist auf 91,1 Prozent der Gemeindeflächen in Rheinland-Pfalz Mobilfunk der 4. Generation verfügbar, also mit dem LTE-Standard. Einer Studie des Mess- und Beratungsunternehmens Umlaut zufolge haben Smartphone-Nutzer derzeit lediglich in fünf deutschen Städten eine vollständige Mobilfunkversorgung mit dem schnellen Standard 4G, darunter in den pfälzischen Orten Frankenthal und Ludwigshafen. Hier seien alle Haushalte und die komplette Fläche von der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica gleichermaßen vollversorgt. Die weiteren drei Städte: Dortmund, Offenbach am Main und Erlangen.

Für Kommunikation ist aber nicht nur das Telefon wichtig, sondern auch das Internet – gerade für Unternehmen. „Für die Wirtschaft in der Pfalz gehört die Verfügbarkeit von schnellem, bezahlbaren Internet über stabile Leitungen seit Jahren zu den wichtigsten Standortfaktoren“, sagt Nicole Rabold von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz. Aus Sicht der Unternehmen kann nur eine Glasfaseranbindung bis ins Gebäude dauerhaft den Anforderungen genügen, den der digitale Wandel der Wirtschaft mit sich bringt. „Hier liegt der Versorgungsanteil aktuell immer noch im nur einstelligen Bereich“, betont die Leiterin des Bereichs Infrastruktur und Digitale Wirtschaft in Ludwigshafen. Zwar sei der Ausbau in den vergangenen Jahren vorangeschritten. „Sowohl die Aktivitäten der Landesregierung in den geförderten Ausbaugebieten als auch der eigenwirtschaftliche Ausbau durch private Netzbetreiber haben zu einer Verbesserung der Versorgung geführt“, erinnert Rabold.

Allerdings sei im gleichen Zeitraum auch der Bedarf an Bandbreite gestiegen. „Dass in der Vergangenheit nicht konsequent genug auf Glasfaserausbau bis ins Gebäude gesetzt wurde, macht sich nun schmerzhaft bemerkbar.“ Mit Blick nach vorn sagt die Expertin: „Das Land hat aktuell einen Entwurf einer Gigabitstrategie erstellt. Dieser Entwurf liegt uns noch nicht zur Prüfung vor. Wir können daher leider noch keine Aussagen über künftige Entwicklungen treffen.“

Es sei aber nötig, gewerbliche Nutzungen in und außerhalb von Gewerbegebieten künftig konsequent vorrangig mit Glasfaseranbindung auszubauen. „Die Wirtschaft hat aktuell und auch künftig den größten Bedarf an leistungsfähigen Anbindungen“, betont Rabold von der IHK.

(dpa)