Glaubensfrage: Radweg oder Eisenbahn?

Sollen in Zukunft auf der Bahnstrecke Büchenbeuren–Türkismühle wieder Züge rattern oder Radfahrer darüber düsen? Darüber wird nicht nur in Nohfelden diskutiert, sondern auch im benachbarten Rheinland-Pfalz.

Während immer wieder über die Reaktivierung der Hunsrückbahn zur Erschließung des Nationalparks diskutiert wird, überraschte der Rhein-Hunsrück-Kreis jetzt damit, aus der Bahn einen Fahrradweg machen zu wollen. Der Kreistag hat Landrat Marlon Bröhr beauftragt, darüber mit Vertretern der Nachbarkreise zu sprechen. Die Idee: Die Bahnlinie Büchenbeuren-Türkismühle soll in einen Radweg umgebaut werden. Doch die Begeisterung in den Anrainergemeinden und den Ministerien in Rheinland-Pfalz hält sich in Grenzen.

Der Birkenfelder Patrick Pandel vom Verein Pro Hunsrück- und Hochwaldbahn setzt sich dafür ein, dass auf der Trasse wieder Züge fahren - auch um den neuen Nationalpark umweltverträglich zu erschließen. Eine Bestandssicherung würde dem Verein Zeit verschaffen, das Projekt auf der 73 Kilometer langen Strecke in Angriff zu nehmen. Der Verein Historische-Eisenbahn-Hunsrück verhandelt bereits mit der Bahn wegen einer Pacht der Strecke zwischen Morbach und Thalfang. Vorsitzender Felix Jacob weist auf die Kosten für einen Umbau der Strecke in einen Radweg hin: "Dafür kann man die Bahnstrecke viele Jahre erhalten." Und: Kommt der Radweg, ist die Bahnlinie endgültig Vergangenheit. Der Umbau der 50 Kilometer langen Bahnstrecke Hermeskeil - Ruwer in den Ruwer-Hochwald-Radweg, der 2009 eröffnet wurde, hatte 10,5 Millionen Euro gekostet und vier Jahre gedauert.

Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich hat sich seit 2010 nicht mehr mit der Bahnlinie befasst, sagt deren Pressesprecher Manuel Follmann. Damals seien Bemühungen zum Kauf der Strecke an der Ablehnung des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums und der Kreditverweigerung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion gescheitert.

Klares Nein vom Bürgermeister

Eine glatte Absage an den Umbau der Bahnlinie in einen Radweg erteilt Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil. Man sei daran interessiert, die Eisenbahnstrecke Türkismühle -Hermeskeil zu erhalten, um wegen des Lokmuseums Hermeskeil und der sonstigen nutzbaren Eisenbahneinrichtungen eine Anbindung an das Schienennetz zu erhalten. "Die Einrichtung weiterer Radwege sehen wir kritisch wegen der Unterhaltungsaufwendungen, die in der Regel von den anliegenden Gemeinden getragen werden müssen", sagt der Bürgermeister. Angesichts leerer Kassen und zurückgehender Einwohnerzahlen solle darauf geachtet werden, den nachfolgenden Generationen keine weiteren Belastungen aufzubürden.

Auch Marc Hüllenkremer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang, befürwortet den Erhalt der Bahnlinie: "Nach wie vor wäre es begrüßenswert, wenn der Schienenverkehr wieder aufgenommen werden würde. Nicht nur zur Förderung des Tourismus wäre dies dienlich. Insbesondere auch im Hinblick auf das mit dem Nationalpark erklärte Ziel der Entwicklung zur Null-Emissions-Region wäre eine Verlagerung des Güter- wie auch des Personenverkehrs von der Straße auf die Schiene bei der Umsetzung der Emissionsreduzierung hilfreich", ist Hüllenkremer überzeugt. "Ist die Bahntrasse einmal zu einem Radweg umgebaut, lässt sich dies nicht mehr rückgängig machen. Die Reaktivierung der Hunsrückbahn als wichtige und zukunftsweisende Option wäre damit für alle Zeit ausgeschlossen. Ich sehe hier vor allem das Land in der Pflicht."

Auch Andreas Hackethal, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Morbach, warnt vor den Kosten eines Radwegs: "Wir müssen uns bewusst sein, dass eine Infrastruktur wie eine Eisenbahn für immer verschwunden ist, wenn diese einmal demontiert wurde. Eine Erschließung als Radweg wird Millionenkosten mit sich bringen und jede Menge Unterhaltungsaufwand verschlingen."

Das rheinland-pfälzische Innenministerium plant ohnehin für die stillgelegte Hunsrückquerbahn von Langenlonsheim zum Hahn eine Sicherung als Bahnlinie. Dazu stimmt es sich mit der DB Netz und dem saarländischen Verkehrsministerium ab.

Konzept für Nationalpark

Dabei sei eine Trassensicherung der rheinland-pfälzischen Streckenteile nur dann sinnvoll, wenn auch der saarländische Teil weiterhin im Bestand bleibt und nicht für andere Zwecke genutzt wird, sagt Pressesprecherin Monika Schmidt.

Parallel läuft im Auftrag des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums eine gutachterliche Untersuchung für ein Mobilitätskonzept für die touristische Erschließung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald. Dabei wird die Strecke Büchenbeuren - Hermeskeil - Landesgrenze - Türkismühle betrachtet.

Heike Spannagel, Pressesprecherin des Mainzer Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten, weist darauf hin, dass laut Koalitionsvertrag alle Optionen zur Reaktivierung von Schienenstrecken in Rheinland-Pfalz erhalten bleiben sollen. Der Grundsatz "Trassensicherung vor Entwidmung" gelte auch für die in der Nationalparkregion gelegenen Abschnitte der Hunsrückbahn. Spannagel sagt: "Aus Sicht des Umweltministeriums wäre der Erhalt der Hunsrückbahn im Abschnitt Büchenbeuren bis Türkismühle für die Nationalparkregion wünschenswert - als touristische Attraktion, aber auch zur Anbindung der Region. Voraussetzung hierfür ist die Reaktivierung der Abschnitte Langenlonsheim - Büchenbeuren und/oder des saarländischen Streckenabschnittes."