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Generalmajor Zorn fordert: Bundeswehr muss sich ihrer neuen Rolle stellen

Zweibrücken. Die Bundeswehr befindet sich im Umbruch. Sie soll ein Arbeitgeber von vielen sein. Doch die veraltete Ausstattung passt nicht zur neuen Rolle. Das kritisiert Generalmajor Eberhard Zorn in einem Pressegespräch. Gerrit Dauelsberg

Generalmajor Eberhard Zorn scheut das offene Wort nicht. Wenn es darum geht, Probleme und Herausforderungen der Bundeswehr zu benennen, bringt er die Dinge auf den Punkt: "Mein Diensthandy kann noch nicht mal Fotos machen", nennt er ein Beispiel für den Modernisierungsstau bei der Truppe. Eine veraltete Ausstattung passe einfach nicht zur neuen Rolle als ein Arbeitgeber von vielen, die die Bundeswehr seit der Abschaffung der Wehrpflicht innehat. "Wir sind in einer Konkurrenzsituation, der wir uns stellen müssen."

Diese neue Rolle war einer der Schwerpunkte bei einem Pressegespräch mit dem Kommandeur der Division Schnelle Kräfte mit Sitz in Stadtallendorf in Hessen. Zu ihr gehört auch die Saarlandbrigade, die Zorn - ein gebürtiger Saarbrücker - von 2010 bis 2012 führte.

Zorn skizzierte den Umbruch, den die Truppe derzeit durchläuft. Der gehe einher mit einem notwendigen Mentalitätswandel - vor allem auch bei den Ausbildern. "In Zeiten der Wehrpflicht gab es die Auffassung: ‚Die Rekruten kommen ja sowieso'". Das sei heute anders. "In der Grundausbildung wenden sich die Vorgesetzten den Leuten mehr zu." Hintergrund ist auch die neue Probezeit von sechs Monaten, während der die Rekruten von ihrer Verpflichtung zurücktreten können. Diese Möglichkeit nutzen im Moment etwa 25 Prozent.

Dennoch: Die Bundeswehr sei ein attraktiver Arbeitgeber, betont Zorn. Als wichtigen Faktor nennt er vor allem die vielfältigen Qualifizierungsmöglichkeiten. "Ich wäre damals auch nicht zur Bundeswehr gegangen, hätte ich dort nicht studieren können." Doch davon, etwas schönzureden, ist Zorn weit entfernt. "Ich kriege jeden Morgen Pickel, wie wenige Hubschrauber tatsächlich fliegen." Immerhin zeigt er sich zuversichtlich, dass das "Problem der Ersatzteilversorgung" mittelfristig gelöst werde. Problematisch seien oft auch die Verträge, die das Verteidigungsministerium in der Vergangenheit mit Rüstungsfirmen abgeschlossen hat. Ein Grund für begangene Schnitzer: "Wir haben keine Vertragsrechtler im Ministerium", sagte Zorn, der von 2012 bis 2014 Büroleiter des Generalinspekteurs der Bundeswehr war. Nicht zuletzt bringt er zur Sprache, dass dringend in die Kasernen investiert werden müsse: Das unterstreicht auch Constantin Spallek, Oberstleutnant und Kommandeur des Fallschirmjägerbataillons 263 in Zweibrücken : In der Niederauerbach-Kaserne gebe es in den kommenden fünf Jahren einen Investitionsbedarf in zweistelliger Millionenhöhe. In den nächsten 20 Jahren liege er sogar im dreistelligen Millionenbereich.

All diese Herausforderungen setzt Zorn auch in Zusammenhang mit einer "insgesamt instabilen Weltsicherheitslage". Als Beispiele fallen die Begriffe Ukraine und Terrormiliz IS. "Wir haben uns lange als Insel der Sicherheit gefühlt." Jetzt wachse das Bedrohungsempfinden allmählich wieder.

Wie sieht die Bundeswehr vor diesem Hintergrund in zehn Jahren aus? Zorn glaubt an eine engere Zusammenarbeit mit den Armeen verbündeter Staaten. Und: "Wir brauchen mehr Durchhaltevermögen." Vor allem die langfristige Schaffung von Stabilität in Krisenregionen sei der Schlüssel zur Konfliktbewältigung.