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Gemeindechefs in Rheinland-Pfalz dringend gesucht

Herzblut für Demokratie : Gemeindechefs in Rheinland-Pfalz händeringend gesucht

 Die Kommunalwahl in Rheinland-Pfalz ist jetzt mehr als ein Dreivierteljahr her. Und trotzdem haben rund 25 Ortsgemeinden im Land noch keinen Bürgermeister.

Auch nach früheren Kommunalwahlen seien nicht immer direkt alle Posten besetzt gewesen, sagt ein Sprecher des Landeswahlleiters beim Statistischen Landesamt in Bad Ems. „Neu ist aber durchaus, dass es – neun Monate nach dem Wahltermin – noch immer so viele Ortsgemeinden sind.“ Bei vorherigen Wahlen seien es dann irgendwann „deutlich unter zehn“ Ortsgemeinden ohne Bürgermeister gewesen.

Im rund 500-Einwohner-Ort Berndorf (Kreis Vulkaneifel) gibt es auch keinen Bürgermeister. „Wir haben die Arbeit auf vier Schultern verteilt“, sagt der erste Beigeordnete Paul Becker. „Wir sind ganz zufrieden, jeder hat einen Bereich, den er betreut.“ Auf jeden Fall sei dies für sie derzeit der beste Weg – auch um einer „Zwangsverwaltung“ zu entgehen. Dabei schaltet sich die Kommunalaufsicht ein, in der Regel die Kreisverwaltung. Sie bestellt einen Beauftragten, der die Geschäfte übernimmt – das ist meist der Verbandsbürgermeister oder einer seiner Mitarbeiter. Das wollten die Berndorfer nicht. „Dann ist im Ort keiner mehr für irgendwas zuständig“, sagt Becker.

Nach Ansicht von Gordon Schnieder, Vorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU Rheinland-Pfalz, ist die Zahl von rund zwei Dutzend unbesetzten Posten bei insgesamt 2400 Gemeinden im Land „nicht bedenklich hoch“. Es zeige aber einen Trend: „Wir finden immer weniger Leute, die in die Verantwortung gehen.“

In Emmerzhausen im Kreis Altenkirchen hat es geklappt. Da hat Hans-Joachim Fries sich zum Ortsbürgermeister wählen lassen. „Alle sind froh, dass es so gekommen ist“, sagte der 68-Jährige. Er habe keine kommunalpolitische Erfahrung. Keiner in dem 650-Einwohner-Ort hätte die Zwangsverwaltung gewollt, die sonst gedroht habe. „Bei einer verwaltungsmäßigen Betreuung ist kein Herzblut mehr dabei“, sagt Fries. „Für einen Rentner wie mich ist das eine riesige Herausforderung. Aber ich liebe mein Dorf.“