Gekippter Laster blockiert die A 62

Freisen. Die A 62 zwischen Freisen und Birkenfeld - seit Monaten schon ein Nadelöhr. Denn hier ist wegen einer Baustelle nur eine Fahrbahn pro Richtung frei. Und ausgerechnet an dieser engen Stelle ereignete sich gestern Vormittag in Richtung Trier auch noch ein folgenschwerer Unfall. Ein Kleintransporter kam auf den Schnee bedeckten Seitenstreifen, rutschte ab

Freisen. Die A 62 zwischen Freisen und Birkenfeld - seit Monaten schon ein Nadelöhr. Denn hier ist wegen einer Baustelle nur eine Fahrbahn pro Richtung frei. Und ausgerechnet an dieser engen Stelle ereignete sich gestern Vormittag in Richtung Trier auch noch ein folgenschwerer Unfall. Ein Kleintransporter kam auf den Schnee bedeckten Seitenstreifen, rutschte ab.Orhan Yilmaz war der Unglücksrabe am Steuer. Er versuchte noch, seinen 7,5-Tonner zurück auf den Asphalt zu lenken. Doch der 24-Jährige scheiterte. Der Wagen, der im Auftrag der Post Pakete transportiert hat, geriet in Schieflage. Der Ludwigshafener später recht zerknirscht: "Als ich aussteigen wollte, kippte der Lkw dann um." Der junge Mann kletterte unverletzt aus dem Kleinlaster, der ab acht Uhr die Fahrbahn komplett blockierte.

Binnen kürzester Zeit bildete sich dahinter ein etwa dreieinhalb Kilometer langer Stau. Lkw-Fahrer, Berufspendler, Schüler, Urlauber steckten fest.

Unter ihnen auch Britta Korb aus Hütschenhausen/Landkreis Kaiserslautern. Die 31 Jahre alte Frau war auf dem Weg nach Reinsfeld ins dortige Altersheim. Dort arbeitet sie im Qualitätsmanagement. Doch gestern wurde nichts daraus. Ungefähr 200 Meter vor ihr war der Laster gestürzt. An ein Vorwärtskommen war nicht mehr zu denken. "Das ist nicht das erste Mal, das ich hier stehe", schimpfte sie. Bereits im Oktober habe sie vier Stunden auf freie Fahrt warten müssen, weil auch damals ein verunglückter Laster die Autobahn blockiert habe. "Müssen die unbedingt auch im Winter die Baustelle hier einrichten?", fragte sie.

Einige Lkw und Autos dahinter standen vier junge Leute um ihren Wagen herum in der Kälte. Die angehenden Physiotherapeuten waren als Fahrgemeinschaft ebenfalls am frühen Morgen im Raum Kaiserslautern gestartet, wollten zu ihrem Ausbildungsplatz nach Birkenfeld, berichtete Patrick Meyer (19) gegen 12.30 Uhr. Doch für ihn sowie Benedikt Schmidt (20), Maren Moldenhauer (19) und Vanessa Kaufmann (21) wurde an diesem Tag nichts mehr daraus. Sie hofften aber noch, dass sich der Stau bei Zeiten auflöst, um wenigstens "noch den Unterricht am Nachmittag in Landstuhl zu erreichen", erklärte Benedikt.

Noch ein Stück dahinter saßen Carine Herber und Silvanne Kemp in ihrem Auto. Die Schwestern aus Luxemburg waren auf der Rückreise von Bayern, wo sie zwei Hunde abgeholt hatten. Herber: "Wir haben in Ramstein übernachtet, weil wir nicht weiterkamen." Dann seien sie früh losgefahren, um bei Zeiten wieder zu Hause anzukommen. Doch daraus wurde nach dem Unfall nichts. Die beiden Frauen sowie ihre Hunde saßen nun fest.

Während sie und die übrigen Gestrandeten mit warmen Getränken und Brötchen von Helfern des Deutschen Roten Kreuzes sowie der Feuerwehr versorgt wurden, mussten die Tiere darben. "Hundefutter? Tut uns leid. Das haben wir nicht dabei", musste ein Helfer die Luxemburgerinnen enttäuschen.

Wie die Polizei in St. Wendel mitteilte, war die A 62 in Richtung Trier erst wieder um 13.25 Uhr frei. Probleme habe es mit einigen Autos in der Warteschlange gegeben: Sie seien nicht angesprungen, benötigten Starthilfe. Von 11.20 Uhr bis 13.55 Uhr war auch die Spur nach Kaiserslautern dicht. Dort wurde der Kran aufgestellt, der den gestürzten Lkw aufrichtete. Dieser musste dann abgeschleppt werden.

Damit war jedoch für den verunglückten Fahrer Yilmaz der Arbeitstag längst noch nicht beendet, der bereits um 5.10 Uhr in Speyer begonnen hatte. "Ich muss nachher noch in Kaiserslautern Pakete ausliefern." Er rechnete kurz vor Freigabe der Autobahn damit, dass er nicht vor 19 Uhr wieder zu Hause in Ludwigshafen ankommt.

Auf einen Blick

 Jürgen Herzog, Hans Werner Ernst und Christa Keller (von links) versorgen gestrandete Autofahrer mit Brötchen und warmen Getränken. Fotos: B & K
Jürgen Herzog, Hans Werner Ernst und Christa Keller (von links) versorgen gestrandete Autofahrer mit Brötchen und warmen Getränken. Fotos: B & K

Während des Rettungseinsatzes waren gestern 25 Feuerwehrleute aus Freisen sowie 15 Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus Freisen und Nohfelden vor Ort. Vier Frauen bereiteten im Freisener Feuerwehrhaus Heißgetränke für die gestrandeten Auto- und Brummifahrer zu. Brötchen stiftete Bäcker Werner Becker, ebenfalls aus Freisen, berichtete ein Feuerwehrsprecher. Acht Polizisten aus Türkismühle sowie vier Kollegen aus St. Wendel sicherten die Unglücksstelle ab, sagte ein Beamter. hgn