Framersheimer schaffen den Wiederaufbau

Vor einem Jahr wurden die Bewohner von Framersheim bei Alzey von einem zerstörerischen Fallwind heimgesucht. Sie schafften den Wiederaufbau – und haben einen Tipp.

Die zerstörerische Fallböe zog als weiße Wand auf das Örtchen Framersheim zu. Der Wind blies mit bis zu 200 Kilometer pro Stunde, und war so laut wie eine Flugzeugturbine. Am 7. Juli um 18.17 Uhr erreicht die Böe den Weinort im rheinhessischen Hügelland, bläst das Dach von der Sport- und Kulturhalle, schleudert Bäume auf den Spielplatz und reißt eine massive Scheune um.

Ein Jahr später sitzt Ortsbürgermeister Ulrich Armbrüster in seiner holzvertäfelten Amtsstube und erzählt von einem Jahr voller Aufräumarbeiten, gegenseitiger Hilfe und Spenden. "Da haben Nachbarn, die vielleicht schon jahrelang nicht mehr miteinander gesprochen haben, zusammen angepackt." 270 000 Euro wurden gesammelt und an diejenigen gegeben, die nicht oder nur unzureichend versichert waren.

Die Bilanz des Sturmabends: Schäden in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro. Mehr als ein Drittel der 650 Haushalte im Ort waren betroffen. "Ein immenser Schaden. Aber wir hatten unwahrscheinlich viel Glück: Außer ein paar Schnittwunden ist niemandem etwas passiert", sagt Armbrüster.

Auch Helmut Loleit und seine Familie kamen nur knapp mit dem Leben davon. 160 Tonnen wog die Wand der benachbarten, 24 Meter hohen Scheune, die auf sein Haus fiel. "Danach musste ich unzählige Lkw-Ladungen Bauschutt von meinem Grundstück transportieren lassen", sagt er. Fünf Tonnen schlugen allein ins Wohnzimmer ein, während er, seine Frau und sein Sohn im hinteren Teil des Hauses waren. Im Januar konnte Loleit mit dem Wiederaufbau beginnen, vor einigen Wochen zog er zurück in sein Haus. Er hat die gleiche Küche gekauft, aus zweiter Hand diesmal, weil es das Modell nicht mehr im Laden gab. Der Ofen ist noch der alte, aber die Steinplatte darunter überstand die Einschläge nicht. Auch die Terrasse war nur noch Sperrholz.

"Ein zerstörtes Haus wieder aufzubauen, ist schwerer als ein Haus neu zu bauen", sagt Loleit. Auch sei er unterversichert gewesen und habe deswegen fast 30 Prozent der 277 000 Euro Schadenssumme nicht erhalten. Zunächst das Gefühl, obdachlos zu sein, dann der Kampf mit der Versicherung ums Geld und schließlich auch noch die Verzögerung des Bauantrags - eine "Odyssee", sagt er. Klar ist schon jetzt: Gelder aus Landestöpfen sind schwierig zu bekommen. Denn die Vorschriften sehen vor, dass bei Unwettern, die nur lokal auftreten, das Land nicht zahlt. Nur wenn ein extremes Wetterereignis mehrere Landkreise betrifft, springe das Land ein, erklärt ein Sprecher des Innenministeriums. In Framersheim bekomme nur der Tennisclub einen Zuschuss von 80 000 Euro für den Wiederaufbau des Clubs.

Bürgermeister Armbrüster rät deswegen allen, eine Elementarschadensversicherung abzuschließen. "Wer sich heute nicht versichert, nachdem er so einen Schaden hautnah gesehen hat, ist eigentlich selbst schuld", meint er.

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 Schwer beschädigt wurden eine Scheune und das Wohnhaus von Helmut Loleit durch eine Fallböe. Foto: Schmidt/dpa
Schwer beschädigt wurden eine Scheune und das Wohnhaus von Helmut Loleit durch eine Fallböe. Foto: Schmidt/dpa Foto: Schmidt/dpa

Hintergrund Kein Tornado, sondern eine Fallböe zerstörte Framersheim . Diese verlaufe geradlinig und nicht drehend, erklärt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. "Diese Böen entstehen am vorderen Rand von Gewittern, wo sie aus großer Höhe herabfallen und auf den Boden prallen", sagte er. Wenn Täler oder große Häuser den Wind kanalisierten, verstärke sich der Fallwind noch. dpa