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Der Untergang Zweibrückens

Zweibrücken nach den Bombenabwürfen des 14. März 1945, hier das Schloss. Foto: Stadtarchiv
Zweibrücken nach den Bombenabwürfen des 14. März 1945, hier das Schloss. Foto: Stadtarchiv FOTO: Stadtarchiv
Zweibrücken. Zweibrücken hat am 14. März 1945 schmerzlich erfahren, wohin es führen kann, demokratische Werte wie Frieden, Vielfalt und Toleranz mit Füßen zu treten. Mit einem siebenstündigen Programm wird nächste Woche Samstag daran erinnert. Lutz Fröhlich

Am 14. März 2015 jährt sich zum 70. Mal das verheerendste Ereignis in der Geschichte Zweibrückens: Bei einem Bombenangriff der Alliierten wurde die Stadt zu 90 Prozent zerstört. "Zweibrücken hat aufgehört zu existieren", meldete die US-Luftwaffe damals in ihrem Frontbericht nach den Bombenabwürfen der Briten und Kanadier.

Die Stadtverwaltung, die Kirchen und das Bündnis Buntes Zweibrücken rufen deshalb für Samstag, 14. März, 11 bis 18 Uhr, zum "Gedenken an die Zerstörung Zweibrückens" auf. Es handele sich um das erste gemeinsame Gedenken, sagte der städtische Beigeordnete Henno Pirmann (SPD ) gegenüber der Zeitung "Pfälzischer Merkur". Auftakt sei um 11.15 Uhr mit einer Rede von Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD ) auf dem Herzogplatz. Bis 15.30 Uhr folge dort ein vom Bündnis Buntes Zweibrücken organisiertes "Kulturprogramm für Frieden, Vielfalt und Toleranz". Bündnis-Sprecherin Ingrid Satory: "Wir wollen auch darauf hinweisen, warum Zweibrücken zerstört worden ist. Und besonders in diesem Jahr hervorheben, welches Glück es ist, seit 70 Jahren in Frieden zu leben - das ist ein ganz wunderbares Gut, wenn man darauf blickt, was um Deutschland herum passiert." Diese Veranstaltungsform sei auch deshalb gewählt worden, weil es kaum noch Zeitzeugen gebe - auch weil die meisten Zweibrücker zur Zeit der Bombardierung evakuiert waren, es gab deshalb trotz der dramatischen Zerstörung (in der Innenstadt blieb nur das Gasthaus "Zum Hirsch" unbeschädigt) "nur" 211 Tote. Der evangelische Dekan Peter Butz: "Dass zu traditionellen Gedenkveranstaltungen immer weniger Bürger kommen, merken wir auch in der Kirche, etwa beim Volkstrauertag. Wir wollen aber das Gedenken nicht den Rechtsradikalen auf ihre niederträchtige Art überlassen." (siehe nebenstehenden Bericht)

Trotzdem sind auch Stimmen von Zeitzeugen zu hören. Und zwar bei der szenischen Lesung "Heute gilt es uns" von Michael Dillinger und Wolfgang Ohler in der Karlskirche, von 16.30 bis 17.30 Uhr. Die beiden Zweibrücker Schriftsteller lesen nämlich aus Tagebüchern von Zeitzeugen vor. (Vorher gibt es ab 15.30 Uhr in der Karlskirche bereits Kaffee und Kuchen.) Ohler: "Wir lesen authentische Texte, die wir ganz bewusst nicht interpretieren. Auch eine Luftschutzsirene wird eine Rolle spielen und eine Hitler-Radiorede. Wir wollen keine Political Correctness, sondern zeigen, wie die Leute das erlebt haben." Das habe intern zwar zu Diskussionen geführt, aber: "Wir können das so machen, weil es eingebettet ist in das Programm davor und danach." Es gebe auch Stimmen von Zeitzeugen, die die Schuld an den Bombenangriffen bei den Deutschen selbst suchten. Der Gedenk-Tag endet mit einem Ökumenischen Gottesdienst ab 17.30 Uhr in der Karlskirche.