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200 Jahre Karl Marx
Der Marx-Doppelgänger

Marx-Darsteller Thielen.
Marx-Darsteller Thielen. FOTO: dpa / Harald Tittel
Trier. Besonders im Jubiläumsjahr ist Michael Thielen als Darsteller von Karl Marx gefragt.

Er zieht die Blicke auf sich. Wenn Michael Thielen durch Trier läuft, bleiben immer wieder Leute stehen. Sie fixieren den Mann mit dem langen weißen Haar und dem weißen Bart. „Ist das nicht ... Karl Marx?“, hört man sie sagen. Nein, ist es nicht. Aber: Er sieht ihm überaus ähnlich. „Ich mag es, wenn man mich mit Karl Marx verwechselt“, sagt Thielen. Der 66-Jährige ist seit längerem als Darsteller des 1818 in Trier geborenen Marx unterwegs, auch offiziell. 2018 aber wird er besonders häufig im Einsatz sein – zum 200. Geburtstag des Philosophen, der einer der geistigen Väter des Kommunismus war. „Ich war eigentlich schon immer Marxist“, sagt der pensionierte Deutsch- und Englischlehrer. Zumindest seit der Uni-Zeit. Vieles von Marx sei noch „hochaktuell“, meint Thielen: Die Arbeiter in den Ländern der Erde seien immer noch zersplittert und würden von multinationalen Konzernen ausgebeutet. „Ich befürchte, Marx wäre heute sprachlos“, sagt er. Weil ein Zusammenschluss der Arbeiter immer noch nicht gelungen sei.


Die äußerliche Nähe zu Marx wurde vor ein paar Jahren deutlich. „Als fauler Pauker habe ich mir Haare und Bart wachsen lassen.“ Da sagte ein Freund zu ihm: „Sag mal, weißt du, wem du immer ähnlicher wirst?“ Thielen war das klar – und er entschied sich, was daraus zu machen: Führungen durch Trier. Diese sind jetzt Geschichte, aber Thielen spielt weiter. Er war schon als Touri-Attraktion auf der Internationalen Tourismusbörse oder für die Macher der Karl-Marx-Ausstellung im Einsatz, die vom 5. Mai 2018 an, dem 200. Geburtstag des Denkers, in Trier zu sehen sein wird. „Wir finden es sehr charmant, dass Herr Thielen dem alten Karl Marx so ähnlich sieht“, sagt Ann-Kathrin Reichenbach, Sprecherin der Ausstellung „Karl Marx 1818-1883 Leben. Werk. Zeit.“

Thielen will vor allem eines: „Wenn ich einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, dass der Geburtsort von Marx bekannter wird und viele Leute hierher kommen, dann bin ich froh.“ Und wenn er eines Tages mal keine Lust mehr auf die Rolle hat? „Dann schneide ich einfach Haare und Bart ab“, meint er lachend.