Der große Regen in Birkenfeld

Birkenfeld. Sämtliche Blätter der Horst-Janssen-Ausstellung im Maler-Zang-Haus werden vom Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig zur Verfügung gestellt, auf dem Janssen sein "Mausoleum aus Papier" errichtete

Birkenfeld. Sämtliche Blätter der Horst-Janssen-Ausstellung im Maler-Zang-Haus werden vom Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig zur Verfügung gestellt, auf dem Janssen sein "Mausoleum aus Papier" errichtete. Freundschaftlich mit dessen ehemaligem Direktor Heinz Spielmann verbunden, sagte er diesem regelmäßige Schenkungen zu, die heute einen an Zahl und Rang ungewöhnlichen Querschnitt durch das Janssen-Werk belegen.Die Birkenfelder Ausstellung schöpft aus diesem reichen Bestand und verweist mit dem Titel "Der große Regen", in Anlehnung an einen frühen Holzschnitt (Plakatmotiv, Original in der Ausstellung), auf die ungeheure Fülle und Komplexität des Oevres, das in Holzschnitten, Radierungen, Lithografien, Zeichnungen, aber auch Texten auf uns gekommen ist.

Beim Rundgang durch die Birkenfelder Ausstellung gewinnt man im Erdgeschoss einen ersten Eindruck der verschiedenen von Janssen eingesetzten grafischen Techniken und seiner Stilphasen: "Großer Regen I" steht exemplarisch für seine frühen großflächigen Holzschnitte; es folgen surrealistische Radierungen und Zeichnungen. Seine Themen, die er in Zyklen entwickelt, sind das Organische und dessen Werden und Verfall bis hin zum Tod. Zentral ist für Janssen das Selbstporträt. Mit "Hannos Tod", einer Folge aus 23 Blättern, die er als sein "Gesellenstück" bezeichnet, schildert er im Selbstporträt das Dahinsiechen des an Typhus erkrankten Hanno Buddenbrook. Im Obergeschoss spiegeln ausgewählte Zyklen scheinbar gegensätzliche Thematiken. Reale und fantastische Landschaften, tote und lebendige Figuren gruppieren sich um das "Meisterstück", wie Janssen seine Radiersuite "Nigromontanus", eine Hommage an Ernst Jünger, nennt.

In beispielloser Art und Weise hat Janssen das eigentlich vorbereitende Medium der Zeichnung, "das genaueste Tagebuch der Verfasssung des Menschen Horst Janssen", zu einer Eigenständigkeit und seiner Meisterschaft geführt. Nach dem Wiederanschluss Deutschlands an die internationale Kunstszene und einer jahrelangen Vorherrschaft informeller und gegenstandsloser Kunst ging Ende der 1950er Jahr von Hamburg die "Neue Figuration" aus, deren bahnbrechender Wegbereiter Horst Janssen war. red

Zur Person

1929 in Hamburg geboren, in Oldenburg bei den Großeltern aufgewachsen. Schüler in der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt Haselünne. 1944 Adoption durch die Schwester der Mutter. 1946 Aufnahme in die Landeskunstschule, bis 1951 Meisterschüler bei Alfred Mahlau. red

Auf einen Blick

Öffnungszeiten der Ausstellung: Montag bis Freitag, jeweils in der Zeit von 10 bis 13 Uhr, und von 14 bis 16 Uhr. Samstags bleibt die Ausstellung geschlossen, an Sonntagen wird in der Zeit von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist an allen Tagen frei.