Das letzte Duell vor dem Bürgerentscheid

Respektvoll im Ton, aber hart in der Sache: Die Befürworter und Gegner einer Saarburg-Fusion haben zum letzten Mal vor dem Bürgerentscheid über den Verbleib der Gemeinde Kell gestritten. Die wichtigsten Streitpunkte im Überblick.

Beide wohnen sie in Kell am See, beide machen sie Politik für die CDU ihrer Gemeinde - aber tiefer könnte der politische Graben zwischen ihnen nicht sein an diesem Abend in der Keller Sporthalle. Ortsbürgermeister Markus Lehnen kämpft in dieser Bürgerversammlung für Fusionsverhandlungen mit Saarburg, sein Kontrahent Dittmar Lauer versucht, die 280 Gäste davon zu überzeugen, dass die Verbandsgemeinde Hermeskeil der richtige Partner für die Gemeinde Kell ist.

Beide Lager haben rhetorische Verstärkung mitgebracht: Kells VG-Bürgermeister Martin Alten (CDU) stellt sich hinter den Keller Gemeinderat und streitet für Fusionsverhandlungen seiner ganzen VG mit Saarburg. Ebenso Saarburgs Bürgermeister Jürgen Dixius (ebenfalls CDU). Lauer bekommt Verstärkung von Hermeskeils VG-Bürgermeister Michael Hülpes (CDU) und vom ehemaligen Keller Gemeinderatsmitglied Horst Glessner (CDU). Respektvoll ist der Ton während des zweieinhalbstündigen Duells - inhaltlich setzen die Kontrahenten aber alles daran, die Bürger vor der Abstimmung am 26. März von ihrer Sache zu überzeugen. Ein Überblick über die wichtigsten Streitpunkte:

Zugehörigkeit Am stärksten wirbt die Bürgerinitiative um Dittmar Lauer damit, dass die Bürger der Gemeinde Kell nach Hermeskeil fahren, wenn sie etwa einkaufen wollen oder ins Krankenhaus müssen. Hermeskeils VG-Bürgermeister Michael Hülpes wirbt dafür, dass sich die Keller der VG Hermeskeil anschließen, die nach einer Vergrößerung VG Hochwald heißen soll.

Er sagt: "Es ist widersinnig, wenn die Keller Lebenswege nach Hermeskeil gehen, aber ihre Verwaltung in Saarburg liegt." Saarburgs Bürgermeister Jürgen Dixius widerspricht: "Die täglichen Lebenswege der Bürger müssen sich nicht mit dem Gebiet ihrer Verwaltung überschneiden." Auch wenn sich Kell mit den übrigen Gemeinden an Saarburg anschließt, könnten die Bürger wie gewohnt in Hermeskeil einkaufen. Eine VG-Grenze liege auch jetzt schon zwischen Kell und Hermeskeil.

Finanzen Dixius verspricht: Die VG Saarburg verlangt weniger Geld von den Kellern als die VG Hermeskeil. Gemeint ist die VG-Umlage, also die Anteile, die die Gemeinden an ihre jeweilige VG zahlen müssen. In Saarburg beträgt sie derzeit knapp 36 Prozent, in der heutigen VG Kell rund 42 Prozent und in der VG Hermeskeil ungefähr 41 Prozent. Wechseln die Keller mit den übrigen VG-Gemeinden nach Saarburg, dürfen sie laut Dixius voraussichtlich mehr ihres Geldes behalten. Dixius' Konkurrent Hülpes relativiert: Diese Zahlen könnten sich wieder ändern. Außerdem: "Wenn ihr zu uns nach Hermeskeil kommt, profitiert ihr von der Premiumförderung, die es für Gemeinden des Nationalparks gibt."

Teilung der VG Kells Ortsbürgermeister Markus Lehnen beschwört die Einheit der VG. Er sagt: "Kell ist das Grundzentrum in diesem Gebiet, und deshalb tragen wir eine Mitverantwortung für unsere Nachbargemeinden." Diese Gemeinschaft dürfe man nicht einfach auseinanderreißen, indem sich Kell als einzige Gemeinde einen anderen Partner sucht. Diese Position vertritt auch Werner Angsten, der langjährige Bürgermeister der VG Kell, der sich aus dem Publikum zu Wort meldet.

Dittmar Lauer hält dem entgegen: Eine ebensolche Verbundenheit hätten die Keller auch mit Hermeskeil. Eine wichtige Rolle spielt auch der Tourismus in der Debatte. Lehnen sagt: "Wenn wir nach Saarburg gehen, bleibt unsere Tourist-Info bestehen, das ist mir wichtig." Hülpes entgegnet: "Wenn wir den Tourismus in unserer neuen VG Hochwald bündeln, wird der heute schon wichtige Keller Tourismus weiterhin eine große Rolle spielen." Herbert Behres, Keller Gemeinderatsmitglied und ehemaliger Konrektor der Realschule plus Kell/Zerf, warnt vor einer Spaltung der heutigen VG Kell. Nach einer Teilung würden die Zerfer Schüler nach Saarburg gehen - und die Keller Schule müsste wohl geschlossen werden.

Bürgerwille Interessanterweise werben beide Seite mit den Ergebnissen derselben Untersuchung. Sie greifen sich nur unterschiedliche Teilergebnisse einer Umfrage heraus, in der die Keller VG-Bürger 2012 gefragt wurden, wem sie sich bei einer Auflösung ihrer VG anschließen wollen. Lauer von der Bürgerinitiative sagt: "Kell und die umliegenden Gemeinden Heddert, Mandern, Schillingen und Waldweiler haben sich mehrheitlich für eine Fusion mit Hermeskeil ausgesprochen, das sollte die Politik respektieren."

Bürgermeister Lehnen hält dem entgegen: Da die VG nicht auseinandergerissen werden solle, müsse man das Gesamtergebnis der Umfrage betrachten. Und das spreche eine andere Sprache: 45 Prozent der Bürger der ganzen VG wollen demnach Saarburg - und nur 33 Prozent nach Hermeskeil.

Otto Grundhöfer aus Kell meldet sich aus dem Publikum zu Wort und kritisiert die Strategie mancher Saarburg-Befürworter als "Angstmacherei". Gemeinderatsmitglied Horst Zimmert (FWG) habe etwa im Zusammenhang mit einer möglichen Hermeskeil-Fusion von "unabsehbaren Folgen für Kell" gesprochen. Grundhöfer: "Wie kann man sich so im Ton vergreifen?" Bürgermeister Lehnen entgegnet: In der Debatte dürfe man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Lauer und andere Befürworter einer Hermeskeil-Fusion kritisieren zudem, dass der Gemeinderat nur offiziell dafür werbe, mit Saarburg zu verhandeln und danach frei über eine Fusion zu entscheiden. Tatsächlich stünde die Entscheidung für den Rat aber schon fest. Das könne man daran sehen, dass nur mit einer VG verhandelt wird. Lehnen sagt dazu: "Wenn das Ergebnis der Saarburg-Verhandlungen gut ist, wollen wir fusionieren. Können wir uns nicht einigen, bleibt uns noch eine Hermeskeil-Fusion."

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Das letzte Duell vor dem Bürgerentscheid

Bürgerentscheid am 26. März Die Bürger der Verbandsgemeinde Kell stimmen am Sonntag, 26. März, über die Zusammenlegung von Grundschulen ab. Die Bürger der Ortsgemeinde Kell entscheiden zusätzlich mit drei Kreuzen darüber, (1) ob sie in die VG Hermeskeil wechseln wollen, (2) ob ihre Gemeinde weiter mit Saarburg über eine Fusion verhandeln soll, und (3) welche Antwort stärker zu gewichten ist, falls beide Fragen mehrheitlich mit Ja beantwortet werden.