Das Herzauge des Holzschneiders

Birkenfeld. Die herausragend konzeptionierte Ausstellung leitet den Besucher und überrascht ihn bei seinem Rundgang durch sieben Galerieräume immer wieder aufs Neue. Blickachsen durch offene Türen und Durchgänge ermöglichen spannende Gegenüberstellungen, verbinden Werke über Motive, Farben oder Technik, aber grenzen sie auch voneinander ab

Birkenfeld. Die herausragend konzeptionierte Ausstellung leitet den Besucher und überrascht ihn bei seinem Rundgang durch sieben Galerieräume immer wieder aufs Neue. Blickachsen durch offene Türen und Durchgänge ermöglichen spannende Gegenüberstellungen, verbinden Werke über Motive, Farben oder Technik, aber grenzen sie auch voneinander ab. Menschliche EmpfindungDiese emotionale Erfahrbarkeit der Grieshaber'schen Arbeiten ist den Ausstellungsmachern Wolfgang Glöckner, Johannes Göbel und Denise Essig besonders wichtig. Bereits im Ausstellungstitel "Herzauge", der den Titel eines von Grieshaber 1938 gestalteten Kinderbuchs aufgreift, konzentriert sich die zentrale Idee seiner Kunst: eine menschliche Empfindung zum Ausdruck bringen und ebenso wecken zu wollen. Dass der Betrachter Kunst nicht nur mit dem Verstand begreifen, sondern mit dem Herzen erfahren soll, war Grieshaber ein lebenslanges Anliegen. Die Begründung bringt er auf den Punkt: "Wir sehen nicht, weil wir aus Feigheit erst wissen wollen, ehe wir zu empfinden wagen." Ohne Zweifel sind es seine Holzschnitte, die den hohen Rang Grieshabers in der Welt der Kunst begründen. Er gilt als Erneuerer dieser ursprünglich mittelalterlichen Technik, die er großflächig und farbig zum autonomen Bild, sogar den Druckstock zu monumentalen Bildwänden erhob. Deutlich wird dies in den aquarellierten Linienholzschnitten aus Grieshabers Frühwerk, schwarzen wie farbigen, fast malerischen Flächenholzschnitten und Objektdrucken. Trotz alledemWesentliche Aspekte seines Schaffens beleuchtet die Ausstellung mit politischen Plakaten, dem "Engel der Geschichte" und Arbeiten, die seine Person, sein Lebensmotto "malgré tout" (trotz alledem) und seine Welt spiegeln. Auch in einem Filmbeitrag tritt Grieshaber in Erscheinung. Ein Druckstock sowie einige Entwürfe und Gouachen - sämtlich kostbare Unikate, die zuvor noch nicht öffentlich gezeigt wurden - machen den Besuch dieser Ausstellung zu einem einzigartigen Erlebnis. redÖffnungszeiten des Maler-Zang-Hauses in Birkenfeld: Montag bis Freitag zehn bis 13 und 14 bis16 Uhr, samstags geschlossen, Sonntag 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Auf einen BlickDas Rahmenprogramm zur Ausstellung: Mittwoch, 18. August, um 19 Uhr: "Botschaften. Grieshabers Plakate", bebilderter Vortrag von Wolfgang Glöckner. Sonntag, 12. September, elf Uhr "HAP Grieshaber - und was sehe ich?", Führung für Erwachsene mit Johannes Göbel; zwölf bis 18 Uhr "Herzauge - fühlen, sehen, drucken und malen", praktische Angebote für Kinder und Erwachsene im Hof mit Marina Ljalko und Denise Essig; 15 Uhr "HAP Grieshaber - und was sehe ich?", Führung für Kinder mit Johannes Göbel. Kataloge: HAP Grieshaber zum 100. Geburtstag, Katalog zur Ausstellung im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz vom 4. April bis 27. September 2009, hrsg. von Hans-Jürgen Kotzur, mit einem Textbeitrag von Wolfgang Glöckner, Mainz 2009 (15 Euro). HAP Grieshaber. Der Holzschneider als Maler, Katalog zur Ausstellung in der Galerie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn vom 15. Februar bis 31. März 1989 und in der Städtischen Galerie Böblingen vom 13. Juni bis 13. August 1989, hrsg. von Wolfgang Glöckner und Johannes Göbel, Bonn 1989; zahlreiche Werke finden sich in der aktuellen Ausstellung wieder (18 Euro). Ausstellungsplakate kosten fünf Euro. red

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