„Das größte Problem ist die Armut“

Etwa 150 deutsche Soldaten sind zurzeit in dem afrikanischen Staat Mali in einem Auslandseinsatz. Sie bilden dort malische Soldaten aus. Einer von ihnen ist Oberstleutnant Matthias Boehnke aus Nohfelden. Er ist seit Anfang November vor Ort. Im Interview mit SZ-Redakteur Volker Fuchs berichtet Boehnke von seiner Arbeit in Mali.

Herr Boehnke, seit wann sind deutsche Soldaten in Mali eingesetzt?

Matthias Boehnke: Deutsche Soldaten sind seit Anfang 2013 zur Unterstützung der Europäischen Trainings-Mission in Mali (EUTM Mali). Der Bundestagsbeschluss sieht vor, dass bis zu 250 Soldaten nach Mali geschickt werden können.

Was ist deren Aufgabe?

Boehnke: Wir bilden hier in Koulikoro malische Gefechtsverbände gemeinsam mit anderen Nationen aus. Deutschland schult derzeit Logistiker, Infanteristen und Pioniere. Darüber hinaus wird die sanitätsdienstliche Versorgung aller Angehörigen der Mission durch ein deutsches Rettungszentrum der Bundeswehr sichergestellt.

Wo kommt das aktuelle Kontingent her?

Boehnke: Anhand dieser Spannbreite sehen Sie schon, da ist nicht nur ein Verband aus Deutschland beteiligt. Der Leitverband, also der, der die Führung derzeit innehat, ist das Artilleriebataillon 295 aus Immendingen . Deren Kommandeur ist auch momentan hier der Kommandeur des nun sechsten deutschen Einsatzkontingentes. Der Rest, alles Spezialisten, kommt aus der ganzen Republik.

Wo ist das deutsche Kontingent stationiert?

Boehnke: Neben einigen Deutschen im Hauptquartier der Mission in der malischen Hauptstadt Bamako ist der überwiegende Teil der Kräfte in Koulikoro etwa 70 Kilometer nordöstlich von dort stationiert. Mali befindet sich seit 2012 in einer schweren Krise. Das Land wurde nach einem Militärputsch und dem anschließenden Verlust von staatlicher Gewalt im Norden des Landes faktisch in zwei Teile geteilt. Im Norden des Landes war von verschiedenen Rebellengruppen bereits ein eigener Staat ausgerufen worden, der international jedoch keine Anerkennung fand. Und nachdem die Franzosen diese Kräfte bekämpften, entschied die Europäische Mission, gemeinsam den Malis zu helfen, sich selber verteidigen zu können.

Was ist Ihre Aufgabe vor Ort?

Boehnke: In Deutschland arbeite ich als Abteilungsleiter der Informations- und Medienzentrale der Bundeswehr in St. Augustin bei Bonn. Die wird aber aufgelöst. Seit Anfang November bin ich Pressesprecher der deutschen Soldaten in Mali. Das heißt, ich berate den Kommandeur des deutschen Einsatzkontingentes und informiere die deutschen Soldaten in Mali über die Vorkommnisse und Themen in der deutschen Presse, bin aber auch Ansprechpartner für deutsche Journalisten, die über Mali und unseren Einsatz berichten möchten. Ich führe zahlreiche Gespräche, schreibe Berichte, besuche und dokumentiere die Ausbildung der malischen Soldaten und bin verantwortlich für die Planung und Organisation aller Besuche bei uns. Zum Beispiel von Bundestagsabgeordneten oder hohen Militärs und anderen.

Mit welchen Widrigkeiten haben Sie zu tun?

Boehnke: Das Wetter. Tagsüber haben wir immer 37 bis 38 Grad im Schatten, nachts sind es etwa 21 Grad. Malaria , Gelbfieber und alle möglichen tropischen Krankheiten sind theoretisch möglich. Auch gibt es giftige Tiere wie Spinnen oder Skorpione. Und seit einiger Zeit gibt es auch Fälle von Ebola in Mali.

Wie beurteilen Sie die militärische Lage im Land?

Boehnke: Die ist zweigeteilt. Der Süden ist stabil und eher ruhig, im Norden droht größere Gefahr durch Rebellen und islamistische Gruppen. Das ist aber nicht unser Mandatsgebiet.

Wie geht es den Menschen, was läuft gut, was fehlt?

Boehnke: Die Malier sind sehr freundlich und offen. Größtes Problem ist die Armut in diesem Dritte-Welt-Land. Uns geht es den Umständen entsprechend gut. Es gibt Einschränkungen im Bewegungsradius. Gut ist der Zusammenhalt, die Kameradschaft und die Freude an der Aufgabe sowie die direkte Rückmeldung von denen, die wir hier ausbilden. Schwierig ist natürlich die Trennung von den Familien, bei mir von meiner Lebensgefährtin und dem Sohn.

Wie groß ist die Ebola-Gefahr?

Boehnke: Noch nicht so groß. Aber die Fälle kommen näher. Wir sind froh, dass wir hier eine deutsche Sanitätsversorgung haben. Die ist für alle Soldaten der EU-Mission zuständig. Das wird sehr hoch anerkannt. Wir haben Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und messen zum Beispiel bei jedem, der die Kaserne betreten will, die Temperatur. Eine erhöhte Temperatur kann ein Anzeichen für eine Ebola Erkrankung, aber auch für Malaria sein.

Wie kommt die Bekämpfung von Ebola voran?

Boehnke: Das ist die Aufgabe der malischen Regierung in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Wie halten Sie Kontakt mit der Heimat?

Boehnke: Über Whats App und Skype. Das Mobilfunknetz in Mali ist hervorragend, fast besser als in manchen deutschen Landstrichen. Hier, wo kaum Infrastruktur gegeben ist, hängt viel vom Mobiltelefon ab. So kann ich auch das eine oder andere Foto schicken. Zum Beispiel von Tieren, die ich hier sehe. Das freut den jungen Mann zu Hause sehr.

 Oberstleutnant Matthias Boehnke aus Nohfelden ist immer auf der Suche nach dem guten Bild. Foto: Bundeswehr/Boehnke
Oberstleutnant Matthias Boehnke aus Nohfelden ist immer auf der Suche nach dem guten Bild. Foto: Bundeswehr/Boehnke Foto: Bundeswehr/Boehnke
 Malische Pioniere empfangen Material aus Deutschland, um ihre Ausbildung gestalten zu können.
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 Auch Minensuche gehört zur Ausbildung in Mali.
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 Nicht nur das Militär ist anders in dem afrikanischen Staat, auch der Transportverkehr folgt anderen Regeln. Fotos: Bundeswehr/Bannert (3)
Nicht nur das Militär ist anders in dem afrikanischen Staat, auch der Transportverkehr folgt anderen Regeln. Fotos: Bundeswehr/Bannert (3)

Zum Thema:

Zur PersonOberstleutnant Matthias Boehnke ist 46 Jahre alt. Er stammt aus Nohfelden, ist dort aufgewachsen und hat in Birkenfeld sein Abitur gemacht. Boehnke ist noch Abteilungsleiter der Informations- und Medienzentrale der Bundeswehr in St. Augustin bei Bonn. Er hat schon mehrere Auslandseinsätze absolviert, unter anderem im Kosovo und in Afghanistan. vf