Das Evangelium als Bühne des Lebens

Der 33-jährige Priester Matthias Scheer hat in der Pfarreiengemeinschaft Heusweiler als Kooperator die Seelsorge für 11 000 Katholiken übernommen. Am 9. November wird Stefan Trauten als neuer Pfarrer in Heusweiler eingeführt.

Als im Mai Pfarrer Theo Welsch die Heusweiler Kirchengemeinde verließ, fragten sich die rund 11 000 Katholiken , wann sie wohl wieder einen Pfarrer begrüßen könnten. Nun war es soweit. Seit dem 7. September ist Matthias Scheer in der Pfarreiengemeinschaft Heusweiler zuständig für die Seelsorge vor Ort. Der 33-Jährige wurde vom Bistum Trier als Kooperator eingesetzt, der als geweihter Priester alle Sakramente spenden darf. Damit endete für die Pfarreiengemeinschaft Heusweiler mit den Pfarreien Heusweiler , Eiweiler, Holz, Kutzhof und den Filialen Lummerschied und Wahlschied die priesterlose Zeit. Im November wird Pfarrer Stefan Trauten aus der Eifel die Leitung der Pfarreiengemeinschaft übernehmen. Am Sonntag, 9. November, um 15 Uhr wird er in der Pfarrkirche Heusweiler ins Amt eingeführt.

Matthias Scheer wurde 2008 zum Priester geweiht und sammelte erste seelsorgliche Erfahrungen als Diakon in Bad Kreuznach und als Kaplan in Saarlouis-Lisdorf und in Völklingen. Dass er einmal eine priesterliche Laufbahn einschlagen würde, war dem humorvollen gebürtigen Neunkircher nicht in die Wiege gelegt. "Ich wurde von meinen Eltern nicht streng katholisch erzogen", erinnert er sich. "Im Kindergarten habe ich zwar mal einen Apostel gespielt, war später bei den Sternsingern, dann bei den Pfadfindern und den Messdienern. Doch ich hätte auch genauso gut Chirurg werden können."

Mit 16 Jahren kam ihm erstmals die Idee, Priester zu werden, mit 18 Jahren rief er im Priesterseminar in Trier an und erkundigte sich unverbindlich über die Ausbildung zum Priesterberuf. Als er dann während seiner Abiturprüfungen einen Anruf aus dem Priesterseminar in Trier erhielt, dass sein Interesse in ein konkretes Studium münden könnte, entschloss er sich: "Ich werde Priester, auch wenn ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie einen Rosenkranz gebetet hatte. Ich hatte auch kein spezielles Erweckungserlebnis, wie viele vielleicht meinen. Ich habe einfach erkannt, das ist mein Weg. Ich empfinde eine tiefe Freude an meinem Glauben. Das, was ich in der Kirche tun kann, erfüllt mich mit Zufriedenheit."

Während seines Studium im Priesterseminar in Trier und an der Universität in Tübingen setzte er seine Schwerpunkte in der Moraltheologie. "Das ist für mich der Anknüpfungspunkt zwischen realem Leben und kirchlicher Lehre. Hier kann ich Glaube mit dem wirklichen Leben verbinden."

Seine Diplomarbeit schrieb er über "Organtransplantation und das Einverständnis des Spenders". Sein Fazit: "Wir müssen den Willen des Menschen akzeptieren, da Gott ihm den freien Willen geschenkt hat." Das Evangelium versteht Scheer als Bühne des Lebens: "Da begegnet uns Gott." Sein Antrieb als Priester: den Menschen bewusst zu machen, dass Kirche und Glaube immer etwas mit ihnen selbst zu tun haben, dass Gott im Leben eines jeden eine Rolle spielt.

Als Kooperator freut sich Matthias Scheer, dass er ganz nah bei den Menschen sein kann. Sie in der Trauer und Verzweiflung zu begleiten, ihnen zu zeigen, dass er sie annimmt, wie sie sind, dass er ihnen auch in den schönen Momenten des Lebens, wie Geburt, Taufe, Kommunion, Hochzeit beistehen will, all das sieht er als seine Berufung an. Kritikern und Zweiflern will er offen und tolerant entgegentreten.

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HintergrundEin Kooperator ist in der römisch-katholischen Kirche ein geweihter Priester, der einen Pfarrer bei der Seelsorge in einer Pfarrei unterstützt oder dauerhaft einer Quasipfarrei vorsteht, jedoch ohne den Rechtsstatus eines Pfarrers zu besitzen. Ihm obliegen alle seelsorglichen Pflichten und Dienste, er wird aber nicht mit der Verwaltung der Pfarrei beauftragt. Wie der neue leitende Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Heusweiler , Stefan Trauten, die Aufgaben zwischen sich und dem Kooperator verteilen wird, entscheidet sich nach dessen offizieller Einführung im November. mj