Chef der Priester-Gemeinschaft: „Ich habe keinen Kadavergehorsam geschworen“

Interview Pastor Leick aus Wadgassen : Chef der Priester-Gemeinschaft: „Ich habe keinen Kadavergehorsam geschworen“

Die Priestergemeinschaft Unio Apostolica hat in Rom Beschwerde gegen das Synodengesetz eingelegt. Deutschland-Chef der weltweit aktiven Gemeinschaft ist Pastor Peter Leick aus dem Saarland.

Neben der Initiative Kirchengemeinde vor Ort hat auch die Priestergemeinschaft Unio Apostolica in Rom Beschwerde gegen das Synodengesetz eingelegt. Deutschland-Chef der weltweit aktiven Gemeinschaft ist Pastor Peter Leick aus Wadgassen. Mit dem 54-jährigen Priester sprach Redakteur Rolf Seydewitz

Warum hat Ihre Priestervereinigung gegen das Gesetz geklagt?

Pfarrer Peter Leick Aus theologischen Gründen. Aus unserer Sicht ist durch die Umstrukturierung das Weiheamt betroffen. Das ist für die Priester und die Kirche an sich sehr gefährlich. Das Weiheamt wird ausgehöhlt, weil der Priester am dreifachen Leitungsamt Jesu Christi hat: dem Dienst der Verkündigung, dem Dienst der Heiligung und dem Dienst der Leitung.

Was erhoffen Sie sich nun?

Leick Rom überprüft jetzt das Gesetz und schaut, ob es mit der Theologie und dem Kirchenrecht in Einklang steht. Es geht dabei nicht um die Synode, sondern um die geplanten neuen Pfarrstrukturen.

Könnte es nicht sein, dass damit mehr ins Wanken gerät?

Leick Die Strukturreform wird von den Menschen, mit denen ich zu tun habe, nicht verstanden. Sie fühlen sich verlassen. Die Gläubigen erleben eine Entfremdung vor Ort durch ihre Seelsorger.

Haben Sie Ihrem Bischof nicht Gehorsam geschworen?

Leick Wir haben mehrere Briefe an den Bischof geschickt und ihm unsere Sorgen und Sicht der Dinge auch persönlich geschildert. Unserem Brief nach Rom hatten wir ein Begleitschreiben beigelegt, dass uns der Schritt nicht leichtfällt – auch wegen des Gehorsams. Als Pfarrer muss ich natürlich dem Bischof folgen, aber Kadavergehorsam wird mir nicht abverlangt. In meinem Pfarramtseid habe ich auch versprochen, das Kirchenvermögen treu zu verwalten. Und jetzt zwingt mich der Bischof, das von den Gläubigen erarbeitete Kirchenvermögen abzugeben. Da begehe ich jetzt, wenn Sie so wollen, einen Eidesbruch. Da muss ich als Pfarrer entscheiden, was ich tue. Das ist ein Gewissenskonflikt. Im Moment steht mir die Pfarrei näher als die Leitung des Bistums Trier. Aber ich bete natürlich in jeder Heiligen Messe für unseren Bischof.

Für diejenigen, die Ihre Priestergemeinschaft nicht kennen: Wer ist die Unio Apostolica?

Leick Unsere Priestergemeinschaft geht auf den ehemaligen Dekan von Bingen,  Bartholomäus Holzhauser, zurück. Unsere Gemeinschaft ist weltweit aktiv und versucht, den priesterlichen Dienst zu stärken. Die Priester und Diakone sollen in unserer komplexen Welt nicht den Mut verlieren. Sie sollen merken, dass sie keine Einzelkämpfer sind, sondern von einer Gebetsgemeinschaft getragen werden. Im Bistum Trier haben wir rund 50 Mitglieder, bundesweit sind es um die 500. Unio Apostolica ist die älteste Priestergemeinschaft der Welt.