Bistum Trier beginnt mit Strukturreform: Demnächst 35 Großpfarreien.

Kostenpflichtiger Inhalt: Bistumsreform : Für viele kleine Pfarreien tickt jetzt die Uhr

Mit dem Erlass der Dekrete für die neuen XXL-Pfarreien im Bistum Trier macht Bischof Stephan Ackermann einen weiteren Schritt hin zu seiner Strukturreform. Das finden längst nicht alle Gläubigen gut.

Die Bildung der ersten 15 Großpfarreien im Bistum Trier ist nahezu perfekt: Bischof Stephan Ackermann hat am Mittwoch die Dekrete zur Errichtung der neuen Pfarreien erlassen. Damit werden die bisherigen Kirchengemeinden im Bereich der künftigen XXL-Pfarreien zum 1. Januar aufgehoben.

Den Anfang machen ab Januar die saarländischen Pfarreien Saarbrücken, St. Wendel, Tholey, Völklingen und Wadern. Außerdem dabei sind Andernach, Betzdorf, Bad Kreuznach, Idar-Oberstein, Koblenz, Maifeld-Untermosel, Mayen, Neuwied, Sinzig und Wittlich. Die übrigen 20 Großpfarreien sollen zum 1. Januar 2021 folgen. Wenn die Strukturreform abgeschlossen ist, wird es nur noch 35 so genannte „Pfarreien der Zukunft“ geben – statt der derzeit noch 887 Kirchengemeinden. In den auch im Internet abrufbaren, vier Seiten und zwölf Artikel umfassenden Dekreten ist unter anderem festgelegt, wie die neue Kirchengemeinde heißt, wo ihre Außengrenzen verlaufen oder was mit den Kirchenbüchern und Akten der Alt-Pfarreien geschieht.

Dem Erlass der Dekrete war eine Art Anhörung vorausgegangen. Die Priester und Gremien der betroffenen Pfarreien konnten sich zur geplanten Auflösung ihrer Kirchengemeinden und zu anderen Inhalten der Strukturreform äußern. Das Ergebnis habe ein differenziertes Bild von Zustimmung und Ablehnung ergeben, kommentierte Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg die Rückläufe.

Nach der unserer Zeitung vorliegenden Auswertung der Umfrage zu der Strukturreform sprachen sich 44 Prozent der Befragten gegen die Auflösung der Pfarreien aus. 29 Prozent stimmten zu, 23 Prozent war es egal. Im Bereich der neuen Wittlicher Großpfarrei hielten sich Ablehnung und Zustimmung in etwa die Waage. Andernorts, etwa in Neuwied, zeigten 60 Prozent der Befragten mit dem Daumen nach unten.

Für die Verantwortlichen im Generalvikariat dürften die Ergebnisse der Anhörung kaum überraschend gewesen sein. Schon bei der ersten Anhörung im Sommer waren die Reformpläne des Bistums auf reichlich Skepsis gestoßen. Über ein Drittel der Rückmeldungen (37 Prozent) waren seinerzeit negativ; 32 Prozent äußerten sich eher positiv. Auf überdurchschnittlich große Abneigung stießen die Umstrukturierungspläne ausgerechnet bei den Priestern.

„Wir gehen den vorgeschlagenen Weg der Synodenumsetzung konsequent weiter“, lautete am Mittwoch die Parole aus dem Bistum. Die Anhörungsergebnisse sind für Bischof Stephan Ackermann ohnehin nicht bindend. Sie sollten nur Hinweise drauf geben, wo eventuell Änderungen notwendig seien, sagt eine Sprecherin.

„Die Befragung ist für Bischof Stefan Ackermann und Generalvikar

Plettenberg katastrophal ausgefallen. Überall herrscht Proteststimmung. Das ist eine Ohrfeige für den Bischof und seinen Generalvikar. Sie sind zu feige, eine falsche Entscheidung zurückzunehmen.Stattdessen wird der Irrsinn der Selbstabschaffung durchgezogen“, kommentierte der Illinger Bürgermeister Armin König das Vorgehen.

Gegen die nun erlassenen Dekrete kann innerhalb von zehn Tagen Beschwerde beim Bischof eingelegt werden. Die reformkritische Bewegung „Kirchengemeinde vor Ort“ hat die Gläubigen aus den betroffenen Pfarreien aufgefordert, dies auch zu tun. „Jeder von der Neuordnung betroffene Christ kann sich beschweren“, sagt Sprecher Harald Cronauer unter Verweis auf ein Musterschreiben, das die Initiative auf ihrer Homepage veröffentlichen wolle. Bistumssprecherin Judith Rupp sagt, dass auch die Beschwerden für den Bischof nicht bindend seien: „Er ist der Gesetzgeber.“

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