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Bischof Ackermann nennt Missbrauchsfälle "kirchengeschichtliche Zäsur"

Bischof Stephan Ackermann : Missbrauch ist „kirchengeschichtliche Zäsur“

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sieht die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche als „kirchengeschichtliche Zäsur“.

Die Aufarbeitung „wird weiter schwierig und schmerzlich bleiben und zu Aggressionen oder zu Enttäuschungen führen.“ Der Skandal habe die Kirche massiv erschüttert und verändert; die Aufarbeitung habe Fragen nach Macht, Strukturen und Transparenz aufgeworfen.

Zur Frage nach der Neuregelung von kirchlichen Entschädigungszahlungen für Opfer sexuellen Missbrauchs legte Ackermann noch keinen konkreten Zeitplan vor. Auf der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Fulda werde zunächst über die Weiterentwicklung des Konzepts entschieden, nicht unbedingt über die konkrete Höhe und die Modalitäten der Entschädigungszahlungen.

Ackermann kündigte zudem an, einen mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, erarbeiteten Vorschlag zur Aufarbeitung mit den anderen Bischöfen zu besprechen. Erreicht werden solle eine standardisierte Form der Aufarbeitung für alle Bistümer. Klar sei, dass die Aufarbeitung nach den entwickelten Kriterien „für jedes Bistum ein Prozess wird, der Ressourcen in Beschlag nimmt“, sagte Ackermann weiter.

Der Bischof äußerte sich aus Anlass der vor zehn Jahren losgetretenen Debatte über sexuellen Missbrauch in der Kirche. Das Amt des Sonderbeauftragten wurde im Februar 2010 eingerichtet, nachdem der Jesuit Klaus Mertes Fälle sexuellen Missbrauchs an der Berliner Jesuitenschule Canisius-Kolleg öffentlich machte, die eine bis heute anhaltende Debatte über Missbrauch in der katholischen Kirche auslösten.

Mertes sieht weiter Anhaltspunkte dafür, dass sexueller Missbrauch durch Kleriker vom kirchlichen System begünstigt werde. „Die Täter brechen ja nicht einfach von außen in die Kirche ein, sondern kommen aus dem Innersten der Kirche, tragen in ihr Verantwortung und repräsentieren“, sagte Mertes. Der Missbrauchsskandal sei ein Signal, umzudenken. Einen echten Umschwung in der Kirche hält der Jesuit für möglich: Dann, wenn die Kirche weltweit begreife, „dass es im innersten Kern der Sendung der Kirche schädlich bis zerstörerisch wirkt, wenn sie nicht in der Lage ist, Kinder vor Tätern und Vertuschung zu schützen“.

Es gibt keine andere gesellschaftliche Gruppe, die so strukturiert wie wir dieses Thema über zehn Jahre bearbeitet“, sagte Ackermann. Sein eigener Blick auf die Kirche habe sich in der Zeit allerdings auch verändert. Er habe „in viele Abgründe“ schauen müssen und gesehen, was Menschen in der Kirche, darunter vor allem Priester, Kindern und Jugendlichen angetan hätten. „Das ist ein Erschrecken, das nicht nachlässt.“