1. Saarland
  2. Blick zum Nachbarn
  3. Rheinland-Pfalz

Beim Theatersport ist Spontaneität gefragt

Beim Theatersport ist Spontaneität gefragt

Seit zehn Jahren wird am Theater Trier „Theatersport“ gemacht – die Show ist die am längsten bestehende Produktion am Theater und regelmäßig ausverkauft. Am Samstag machen die Theatersportler einen Abstecher in die Lichtspiele Wadern. Was Theatersport eigentlich ist und wie er sich von einem gewöhnlichen Theaterabend unterscheidet, erklärt der Organisator Klaus-Michael Nix im Gespräch mit SZ-Redaktionsmitglied Lars Reusch.

 Klaus-Michael Nix
Klaus-Michael Nix

Theater und Sport sind ja eigentlich zwei unterschiedliche Dinge. Wie werden die beim Theatersport zusammengebracht?

Klaus-Michael Nix: Viele Leute denken, da werden sportliche Übungen auf der Bühne gemacht, aber das ist ein Missverständnis: In gewisser Weise ist es Gedankensport. Es ist Improvisationstheater, das heißt, auf der Bühne wird auf Zuruf aus dem Publikum improvisiert. Nichts ist abgesprochen, sondern alles passiert live, spontan, unwiederholbar.

Was ist der Unterschied zu anderem Improvisationstheater?

Nix: Beim Theatersport treten zwei Mannschaften mit je drei Spielern gegeneinander an und kämpfen im Wettstreit in mehreren Runden vor dem Publikum. Das Ganze wird auch ein bisschen sportlich inszeniert, das Publikum bekommt Lärminstrumente, die Spieler singen die obligatorische Theatersport-Hymne. Dann wird improvisiert, und das Publikum stimmt ab, welche Mannschaft jeweils den Punkt erhält. Und in der Pause können die Zuschauer im "Wettbüro” für 50 Cent Toto spielen und tippen, wer in der nächsten Runde die Punkte machen wird.

Die Stimmung im Saal unterscheidet sich wahrscheinlich von einem gewöhnlichen Theaterabend.

Nix: Ja, durch das Abstimmen und den vielen Applaus zwischendurch ist die Stimmung natürlich ganz anders. Aber das ist bitte nicht misszuverstehen: Die Zuschauer müssen nicht mitimprovisieren. Aus dem Publikum holen wir nur die Vorschläge für die zu spielenden Szenen ein.

Gibt es Themen oder Personen, die besonders gern gewünscht werden?

Nix: Die gibt es, Platz eins der meistgewünschten Orte ist das Klo, oder auch die Besenkammer. Aber das spielen wir gar nicht mehr. Wenn ich nach einem Küchengerät frage, kommt immer der Mixer, bei Werkzeugen immer erst der Hammer und dann der Schraubenzieher. Bei weiterem Nachfragen kommen aber auch andere Sachen. Sonst würden wir ja immer das Gleiche "improvisieren”.

Was ist Ihre Aufgabe als Spielleiter?

Nix: Ich moderiere den Abend und sorge mit für die Stimmung. Und ich bin natürlich Schiedsrichter. Manchmal werden von den Spielern gewisse Dinge nicht eingehalten, die ich von ihnen fordere, und dann muss ich gelbe oder rote Karten verteilen. Dann gibt es einen Strafkorb und der Spieler muss in der Ecke sitzen. Das ist alles mit sehr viel Spaß verbunden.

Was brauchen die Teams, um zu gewinnen?

Nix: Gute Ideen. Sie müssen eine Geschichte entwickeln können. Das liegt auch nicht jedem Schauspieler, manche arbeiten lieber mit gelerntem Text. Und dann gibt es aber auch Leute aus der freien Szene, denen liegt vielleicht das Schauspiel nicht so, aber die haben wahnsinnig tolle Ideen.

Hilft das Improvisieren auch beim normalen Schauspiel ?

Nix: Es hilft, als Schauspieler mit gewissen Dingen lockerer umzugehen. Und es hilft auch im Leben. Theatersport hat gewisse Grundregeln: Betrachte die Dinge positiv, sage Ja und nicht Nein, und spare dir dein Aber. Und damit funktioniert das Leben manchmal auch besser. Man muss aber natürlich aufpassen, dass man den Punkt findet, an dem man auch mal Nein sagen muss.

Gibt es Theatersport-Meisterschaften?

Nix: Es gibt tatsächlich Teams, die deutsche Meisterschaften und sogar Weltmeisterschaften spielen. Wir vom Theater Trier machen das aber mehr nebenher, wir sind eher Theatersport-Laien. Bei der Vorstellung in Wadern wird aber auch eine Saarländerin dabei sein, Tabea Herion, die eine professionellere Impro-Spielerin ist.

Theatersport Trier gastiert am Samstag, 18. Oktober um 20 Uhr in den Lichtspielen Wadern . Tickets für zwölf Euro beim Kulturamt Wadern . Weitere Infos: Tel. (0 68 71) 50 70, E-Mail: kultur@wadern.de.