BASF will Sicherheit verstärken

Noch immer liegen Schwerverletzte auf der Intensivstation, noch immer ist der Unglücksort gesperrt: Eineinhalb Wochen nach der Explosion bei der BASF hat die Firma im Landtag Rede und Antwort gestanden.

Der Chemiekonzern BASF will nach dem Explosionsunglück mit drei Toten die Sicherheit in Ludwigshafen verstärken. "Völlig unabhängig davon, was wir jetzt als Ursache des Unglücks am Ende herausfinden werden, werden wir unsere Anstrengungen beim Thema Sicherheit, die schon gut waren in der Vergangenheit, trotzdem nochmal steigern", sagte BASF-Werksleiter Uwe Liebelt gestern nach einer Sondersitzung dreier Ausschüsse im rheinland-pfälzischen Landtag in Mainz . BASF sei bereit, dies "mit dem entsprechenden Geld und Nachdruck durchzusetzen".

Der BASF-Werksleiter sieht jedoch keine Mängel. "Unsere Anlagen sind in einem zuverlässigen Zustand", sagte Liebelt vor den Abgeordneten. "Dieser Standort hat in den letzten zehn Jahren eine Investitionswelle erlebt." Mehr als ein Drittel des Anlagevermögens sei erneuert worden, zehn Milliarden Euro seien in die Instandhaltung geflossen. Er räumte ein, dass die BASF in diesem Jahr 16 Umweltvorfälle der Öffentlichkeit gemeldet habe - das sei mehr als in den Vorjahren. Der Hauptgrund dafür sei eine hohe Zahl turnusmäßiger Abstellungen von Anlagen für Inspektionen und das Anfahren neuer Anlagen, sagte Liebelt.

Am Montag vergangener Woche waren bei einer Explosion und Bränden zwei Werksfeuerwehrleute und der Matrose eines Tankschiffes ums Leben gekommen, 30 Menschen wurden verletzt. Das Unglück geht nach vorläufiger Einschätzung von BASF auf einen Schnitt in einer Leitung neben einer leeren Propylenleitung zurück, die repariert wurde. Eine Trennscheibe habe beim Schnitt Funken erzeugt, sagte Liebelt. Nach Angaben der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) ist noch unklar, wohin 30 Tonnen Löschmittel gelangten, 17,4 Tonnen gingen in die Kanalisation und den Landeshafen Nord, den Unglücksort. In Wasserproben seien zu keiner Zeit auffällige Messwerte schädlicher Substanzen gefunden worden, sagte Liebelt. Aber: "Eine Belastung des Bodens halten wir für wahrscheinlich." Dies müsse jedoch noch geprüft werden.

Das Land gab ein Expertengutachten zum Unglück in Auftrag, ebenso BASF. Als mutmaßlicher Verursacher des Unglücks gilt ein Mitarbeiter einer Fremdfirma. "Bei der Auswahl dieser Firmen gelten sehr hohe Standards", sagte der Werksleiter. Rund 8000 Mitarbeiter von etwa 400 fremden Firmen seien in Ludwigshafen im Einsatz. Einige Anlagen sind noch immer heruntergefahren.

Konzern bekräftigt Jahresprognose nach Explosionsunglück


Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat seine Prognose für das Geschäftsjahr 2016 trotz der tödlichen Explosion vom 17. Oktober und der damit verbundenen Produktionsausfälle bestätigt. Zwar belasteten die Einschränkungen bei Logistik und Versorgung in Ludwigshafen das Ergebnis des Geschäftsjahres, sagte Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel gestern in Ludwigshafen. "Sie führen jedoch nicht zu einer Änderung des Ausblicks für das Jahr 2016." Im dritten Quartal brachen Umsatz und Gewinn wie erwartet vor allem wegen der Abgabe des Gashandels- und -speichergeschäfts ein.

"Die BASF trauert", sagte Vorstandschef Kurt Bock bei einer eigens wegen des Unglücks anberaumten Quartals-Pressekonferenz. Zusammen mit Standortleiterin Margret Suckale wies er Spekulationen zurück, der Chemieriese habe zu Lasten der Sicherheit gespart. "Wirtschaftliche Überlegungen haben keinen Vorrang, wenn es um Sicherheit geht." Zugleich betonte er die Absicht der BASF, die Hintergründe des Unglücks aufzuklären. "Niemand hat ein größeres Interesse daran, zu verstehen, was genau passiert ist", sagte Bock. "Sollten Fehler gemacht worden sein, so werden wir daraus Konsequenzen ziehen."

Suckale sagte, die Investitionen in Instandhaltung überstiegen die Abschreibungen. Zusätzlich seien in den vergangenen zehn Jahren zehn Milliarden Euro in die Instandhaltung geflossen.

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