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Bundeswehr-Einsatz
Warum sich Deutschland in Mali engagiert

Saarbrücken. Der UN-Militäreinsatz ändert nach Ansicht von Experten nichts an den Ursachen der Dauerkrise in Mali, einem der ärmsten Länder der Welt. Von Daniel Kirch und dpa
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Mali galt in den 90er Jahren einmal als afrikanische Vorzeigedemokratie, doch diese Zeiten sind längst vorüber. 2012 übernahmen mit Al-Kaida verbundene Islamisten in Folge eines Tuareg-Aufstands die Macht im Norden des Landes. Erst durch eine Militärintervention der früheren Kolonialmacht Frankreich 2013 wurden die Islamisten zurückgedrängt.


Auf Bitten Frankreichs schickte auch die Bundesrepublik Soldaten in den Wüstenstaat. Mittlerweile ist die Bundeswehr an zwei Einsätzen beteiligt: an einer EU-Ausbildungsmission (maximal 350 deutsche Soldaten) und der Blauhelm-Mission Minusma (maximal 1100).

Aufgabe der Blauhelme ist es, die Durchsetzung eines Friedensabkommens zwischen der Regierung in Bamako und den Rebellengruppen zu unterstützen. Der Norden Malis, in dem staatliche Strukturen fehlen, ist das Rückzugsgebiet islamistischer Terrororganisationen. Die Fundamentalisten gewinnen zunehmend aber auch im Zentrum Malis Einfluss.



Trotz eines 2015 geschlossenen Friedensabkommens gibt es im Norden bis heute Anschläge. „Trotz des immensen militärischen Aufwands der internationalen Gemeinschaft hat sich die Sicherheitslage in Mali bislang nicht nachhaltig verbessert“, resümierte Tinko Weibezahl, der für die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung in Westafrika arbeitet, in einer Analyse vom Juli.

Dabei wäre Stabilität in Mali auch für Deutschland wichtig: Zum einen ist der Staat ein Transitland für Migranten, zum anderen wäre der Norden bei einem Staatszerfall das perfekte Rückzugsgebiet für radikale Islamisten – und das nur eine Landesgrenze vom Mittelmeer entfernt. Deshalb wird von der Bundesregierung immer wieder betont, dass die Stabilisierung der Region im deutschen Sicherheitsinteresse ist.

Allerdings, darauf weist auch Weibezahl hin, wird die militärische Unterstützung nichts an den Ursachen der Dauerkrise in Mali ändern. Dies sei eine Lehre aus Afghanistan. Die Ursachen in Mali bestünden im Fehlen rechtsstaatlicher Strukturen, in mangelhafter Infrastruktur und hoher Arbeitslosigkeit. Die Islamisten können nach Meinung vieler Experten daher nur dann nachhaltig besiegt werden, wenn der malische Staat die Lebensbedingungen seiner Bürger verbessern kann. Denn Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt. Fast die Hälfte der Kinder im Grundschulalter gehen laut UN-Kinderhilfswerk nicht zur Schule. Jedes neunte Kind stirbt demnach noch vor dem fünften Geburtstag.