Angelo Kelly im Interview: Kurze Haare will er nie wieder haben

Interview mit Angelo Kelly : Ohne Flug geht’s für zwei Stunden nach Irland

Gemeinsam mit seiner Familie steht der Musiker am Freitag in Saarburg auf der Bühne und spielt Musik aus seiner Wahlheimat.

Auf eine Reise nach Irland will Angelo Kelly die Besucher bei einem Konzert in Saarburg mitnehmen. Auf der Bühne steht er aber nicht alleine, sondern zusammen mit seiner Frau Kira und seinen fünf Kindern Gabriel, Helen, Emma, Joseph und William. Mit der SZ sprach er vorab über seine Wahlheimat Irland, Reibereien in der Familie und den Grund, warum er sich nie wieder die Haare abschneiden möchte.

Am Freitag steht ein Konzert in Saarburg an – und da spielen Sie ja nicht zum ersten Mal. Was führt Sie wieder hierher?

KELLY Wir haben letztes Jahr da gespielt und mit einem örtlichen Veranstalter gearbeitet. Das war sehr gut – allerdings in der Stadthalle. Dieses Jahr wollten wir das mit denen nochmal machen, aber als Open-Air-Show.

Die Tour steht unter dem Titel „Irish Summer“. Wie kann man sich einen Sommer in Irland – musikalisch betrachtet – vorstellen?

KELLY Was wir damit meinen, ist, dass wir eine Art irischen Sommerabend gestalten. Es wird viel irische Musik gespielt und wir haben eine große Leinwand, auf der Landschaften und irische Bilder gezeigt werden. Wir versuchen, die Leute für zwei Stunden nach Irland zu bringen, ohne dass sie einen Flug nehmen müssen.

Sie sind ja selbst vor einigen Jahren mit Ihrer Familie nach Irland gezogen. Würden Sie Irland als Ihre Heimat bezeichnen?

KELLY Auf jeden Fall. Wir fühlen uns hier ganz zu Hause – das war für mich immer schon so. Ich habe in vielen Ländern gelebt, aber immer, wenn ich in Irland war, wusste ich: Hier gehöre ich hin. Das ist so ein Bauchgefühl, das kann man schwer beschreiben.

Angelo Kelly tritt mit seiner Familie auf. Foto: Angelo Kelly/Chris Bućanac

Sie stehen nicht allein auf der Bühne, sondern mit Frau und Kindern – im Vergleich zu Ihren Auftritten mit der Kelly Family ein Rollentausch vom Jüngsten zum Familienoberhaupt. Wie fühlt sich das an?

KELLY Es ist auf jeden Fall anders. Als Kind habe ich mich einfach entfaltet, ich hatte keine Verantwortung. Heute bin ich in der Position, dass ich mich um vieles kümmere. Ich bin auch derjenige, der beobachten kann, wie meine Kinder sich entfalten und was sie sich zutrauen. Das ist wunderschön.

Wie verteilen sich bei Ihren Kindern die Talente, was Instrumente und Sprachen angeht?

KELLY Das ist unterschiedlich. Sprachen gibt es bei uns zwei – Englisch und Deutsch. Alle singen und sie spielen unterschiedliche Instrumente. Sie haben mal eine Phase, wo sie mehr Gitarre spielen oder mehr Klavier. Manchmal dauert es, bis man für sich das richtige Instrument findet. Gabriel hat sich irgendwann für Klavier entschieden, die Mädels tanzen gern Irish Dance. Die Älteren schreiben Songs und die Jüngeren fangen damit an. Alle sind auf ihre Art und Weise kreativ.

Ihr ältester Sohn ist gerade 18 geworden, der jüngste ist vier. Ist der Alltag einfach oder gibt es da auch mal Reibereien?

KELLY Es gibt wie in jeder Familie Reibereien. Aber ich glaube, dass es im Rahmen bleibt, weil wir als Familie viel Zeit zusammen verbringen. Es ist nicht so, dass die Großen nur darauf warten, dass Sie ausziehen – das gibt es bei uns nicht. Gabriel ist jetzt 18 und ich glaube, er will noch eine Weile bleiben, bis er für sich weiß, was er genau macht.

Gibt es bei den Älteren schon Tendenzen, dass es vielleicht in Zukunft nicht in Richtung Musik geht?

KELLY Das müssen sie selbst wissen. Gabriel will weiter Musik machen und arbeitet parallel an seiner eigenen Musik. Ich finde es schön, dass es ihm so gefällt – aber wer weiß, was er in zehn Jahren macht. Bei Helen ist es so, dass sie auf jeden Fall im Kreativbereich bleibt. Sie interessiert sich sehr für Mode. Sie designt und schneidert schon seit Jahren sehr viel und macht aus Gardinen die unfassbarsten Ballkleider. Sie hat das Ziel, dass sie ein Studium in diesem Bereich machen will.

Gerade in den letzten Jahren sind Sie sowohl im Fernsehen als auch in den sozialen Medien sehr präsent. Wie kam es zu der Entscheidung, so viel nach außen zu kommunizieren?

KELLY Man muss sich irgendwann entscheiden, ob man Musik aktiv nach draußen macht. Irgendwann gab es einen Punkt, an dem wir gemerkt haben, dass das nicht nur ein Hobby ist. Dann war die Entscheidung: Wir gehen an die Öffentlichkeit, und das hat sich von Jahr zu Jahr erweitert. Es war gut, dass das langsam ging. So konnten wir uns daran gewöhnen und schauen, wie wir das machen.

Bei dem Konzert in Saarburg gibt es spezielle Familienkarten. Kommen denn viele Familien zu Ihren Auftritten?

KELLY Total – das Publikum geht von ganz, ganz klein bis zur 95-jährigen Oma. Das ist etwas sehr Besonderes, das haben wenige Bands.

Themawechsel: In einem Interview haben Sie kürzlich gesagt, dass Sie sich ein Kelly-Family-Musical vorstellen könnten. Was könnte da die Story sein?

KELLY Bei Bands hat man normalerweise mit Leuten zu tun, die zusammen arbeiten – aber bei der Kelly Family hat man mit einer Familie zu tun. Die Geschichte dieser Familie ist gleichzeitig die Geschichte der Band und andersherum. Das macht es so faszinierend. Es gibt die Schicksale, wie den Tod unserer Mutter und danach weiterzumachen. Man hätte die Qual der Wahl, was die Story angeht.

Wer würde Ihrer Meinung nach in einem Musical oder Film über die Kelly Family den jungen Angelo Kelly am besten spielen?

KELLY Keine Ahnung – ich weiß es nicht. Darüber denke ich gar nicht nach und das ist auch nicht wichtig. Die Kelly Family ist für mich wichtig, es geht nicht um Einzelpersonen. Es geht um die Gesamtgeschichte, die Lebensart, die uns immer ausgemacht hat. Wir haben so viel anders gemacht auf allen Ebenen – das hat auch die Faszination Kelly Family ausgemacht.

Es gibt ja auch einen rein optischen Aspekt, der die Kelly Family ausgemacht hat: die langen Haare. Die tragen Sie ja immer noch…

KELLY Ich hatte zwischendurch die Haare mal kürzer gehabt, etwas über die Ohren. Das sah ganz schlimm aus. Meine Frau hat mich dann ein Jahr lang nicht „Honey“ genannt, sondern Hansi – wie Hansi Hinterseer. Ich hab die Haare dann ganz schnell wieder wachsen lassen. Das mache ich nicht nochmal.

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