1. Saarland
  2. Blick zum Nachbarn
  3. Rheinland-Pfalz

Amokfahrt in Trier: 77-Jähriger stirbt fast ein Jahr nach der Tat im Krankenhaus

77-Jähriger stirbt im Krankenhaus : Amokfahrt von Trier fordert ein sechstes Todesopfer

Die tödliche Amokfahrt vom 1. Dezember in der Trierer Innenstadt hat ein sechstes Opfer gefordert. Ein 77-jähriger Mann starb am Freitag im Krankenhaus.

Rund einen Monat vor dem Jahrestag der schrecklichen Amokfahrt vom 1. Dezember 2020 in Trier gibt es erneut eine traurige Nachricht: Ein damals schwer verletzter Mann ist am Freitag im Zusammenhang mit den Folgen gestorben. Das teilt die Stadt Trier in enger Abstimmung mit den Hinterbliebenen mit.

„Ich spreche den Angehörigen im Namen der Stadt Trier unser aufrichtiges Beileid aus. Wir trauern mit der Familie nach diesem weiteren schweren Schicksalsschlag und wünschen den Angehörigen viel Kraft“, sagt Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Er kündigt an, die Stadtratssitzung am Montag, 25. Oktober, mit einer Schweigeminute für den Verstorbenen zu beginnen.

Amokfahrt Trier fordert sechstes Opfer

Der Verstorbene war der Ehemann der unmittelbar bei der Amokfahrt getöteten 73-jährigen Frau. Der 77-Jährige hatte die Amokfahrt schwer verletzt überlebt, lange Zeit in Kliniken verbracht und war erst vor wenigen Wochen aus der Reha heimgekehrt. Wenige Tage nach dem Begräbnis seiner Gattin, das er noch miterleben konnte, erlitt er laut Informationen der Stadt Trier einen Rückfall und kam erneut ins Krankenhaus. Von den Folgen erholte er sich nicht mehr und starb am Freitag, 22. Oktober.

Damit hat die Amokfahrt des 52-jährigen Mannes aus Trier-Zewen ein sechstes Todesopfer gefordert. Bei der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 durch die Trierer Fußgängerzone wurden fünf Menschen getötet, darunter ein 45-jähriger Mann und seine neun Wochen alte Tochter. Dutzende weitere Passanten wurden teils schwer verletzt.

Gedenkveranstaltung zum Amokfahrt in Trier am 1. Dezember

Am Jahrestag der schrecklichen Tat wird in Trier am Mittwoch, 1. Dezember, den Opfern der Amokfahrt vom 1. Dezember 2020 gedacht. Um 13.46 Uhr sollen dann die Trierer Kirchenglocken läuten. Das ist die Uhrzeit, zu der der mutmaßliche Amokfahrer am 1. Dezember vorigen Jahres sein Auto in die Fußgängerzone lenkte, absichtlich fünf Menschen totfuhr und etliche verletzte.

Ein ökumenischer Gottesdienst in der Hohen Domkirche schließt sich an, gestaltet von Bischof Ackermann und Vertretern der evangelischen, der neuapostolischen und der griechisch-orthodoxen Kirche. „Denn die Opfer stammten aus allen diesen Religionen“, sagte Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe.

Nach aktueller Lage der Corona-Pandemie können jeweils 650 Menschen bei den Veranstaltungen im Dom dabei sein. Ein großer Teil der Plätze wird an die Familien und Angehörige der Opfer gehen. Auch für Delegationen der Rettungsdienste, die im Einsatz waren, werden Plätze reserviert. Die weiteren Plätze werden nach Anmeldung an Bürgerinnen und Bürger vergeben. Der Südwestrundfunk überträgt den Gottesdienst live im Fernsehen. Je nach Lage der Pandemie, Zahl der möglichen Plätze und Nachfrage, wird die Gedenkveranstaltung möglicherweise auch an anderen zentralen Orten übertragen, an denen Menschen zusammenkommen können.

Amokfahrer muss sich in Mordprozess vor dem Trierer Landgericht verantworten

Derzeit muss sich der damals alkoholisierte Amokfahrer vor Gericht für seine Tat verantworten. Im Prozess selbst hat sich der zuletzt arbeits- und wohnsitzlose Mann aus Zewen bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der mutmaßliche Täter wurde kurz nach der Tat in der Nähe der Porta Nigra festgenommen. Ein Gutachter hat bei dem Tatverdächtigen eine Psychose festgestellt.

Im Prozess am Trierer Landgericht wird es auch darum gehen, ob und inwiefern der Angeklagte schuldfähig ist. Bei einer Verurteilung könnte der 52-Jährige auch in eine geschlossene Klinik eingewiesen werden.

Für den Mordprozess sind insgesamt 25 Verhandlungstage bis Ende Januar terminiert. Ob das langt, ist unklar. Am Mittwoch, 27. Oktober, geht die Verhandlung weiter. Dann sind mehrere Polizisten als Zeugen geladen.