19-Jährige hat Freundin vor einen Zug geschubst - lange Jugendstrafe

Freundin vor Zug gestoßen : Zweibrücker Gericht verurteilt 19-Jährige wegen versuchten Totschlags

Erst sollen sie zusammen „gechillt“ haben, dann hagelte es von beiden Seiten wüste Beleidigungen per Handy. Am Ende stieß eine heute 19-jährige ihre Freundin in ein Gleisbett, bevor ein Zug kam. Dafür wurde sie am Montag verurteilt.

Zweimal soll eine heute 19-Jährige eine Freundin am Bahnhof Zweibrücken nach einem Streit in ein Gleisbett gestoßen haben. Zumindest das zweite Mal mit einem bedingten Tötungsvorsatz, erklärt das Landgericht am Montag. Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilte es die junge Frau am Montag zu zwei Jahren und zehn Monaten Jugendstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nur mit Hilfe einer Zeugin konnte sich das Opfer beim zweiten Mal aus dem Gleisbett retten, als sich der Zug näherte. Zuvor war die Geschädigte von der Angeklagten mehrfach geschlagen und auch noch getreten worden, als sie bereits am Boden lag. Der Tat waren gegenseitige Beleidigungen und Bedrohungen in Handy-Nachrichten vorausgegangen, nachdem die Frauen Stunden zuvor noch gemeinsam gefeiert und getrunken hatten.

Das Gericht folgte in weiten Teilen der Staatsanwaltschaft, die eine Schwere der Schuld gesehen und eine Jugendstrafe von drei Jahren beantragt hatte. Der Verteidiger hatte zwei Jahre auf Bewährung gefordert.

Die Angeklagte selbst hatte nach der Tat von einem „Kindergarten“ gesprochen, für den sie nun offenbar festgenommen werde. „Was Sie gemacht haben, war alles andere als ein Kindergarten“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Schubert in seiner Urteilsbegründung. „Das Motiv, der Krach ja - aber was dann passiert ist, war alles andere als das.“ Zwar sei die Steuerungsfähigkeit der jungen Frau aufgrund von Alkohol, Schlafmangel und emotionaler Erregung eingeschränkt gewesen, nicht jedoch ihre kognitive Fähigkeit, den Ernst der Lage zu erkennen.

Das hatte zuvor auch Oberstaatsanwältin Kristine Goldmann so eingeschätzt. Die Angeklagte sei sich der Situation voll bewusst gewesen. „Es war ja gerade der Plan, dass der Zug kommt. Und sie wusste auch, dass Personen auf dem Gleis lebensgefährlich sind - das hat man gerade in Frankfurt wieder gesehen“, sagte Goldmann.

Ihrer Ansicht nach sei die Angeklagte äußerst brutal vorgegangen. Ihre Tat sei „aus nichtigstem Anlass“ erfolgt, das Motiv „nachgerade lächerlich“ gewesen. Den Tod der Freundin habe sie zwar nicht gewollt, aber in Kauf genommen. Dass das Opfer nicht überrollt worden sei, sei nur der Zeugin und dem Lokführer, der gebremst habe, zu verdanken.

Verteidiger Max Kampschulte hingegen hatte erhebliche Bedenken daran geäußert, ob seine Mandantin tatsächlich in der Lage gewesen sei, eine kognitive Verknüpfung herzustellen zwischen dem Herannahen des Zuges und der damit verbundenen Gefahr. Er hatte für sie eine Bewährungsstrafe mit der Auflage beantragt, wieder zur Schule zu gehen und dadurch letztlich eine neue Perspektive in ihrem Leben zu finden.

Richter Schubert appellierte an die verzweifelt wirkende Angeklagte, das Urteil nicht nur als Strafe zu sehen, sondern als „echte Chance“, etwas aus ihrem Leben zu machen und einen Hauptschulabschluss nachholen zu können. Außerhalb der Haft sei die Gefahr zu groß, „wieder alles schleifen zu lassen und nachts um die Häuser zu ziehen“.

Die Angeklagte hatte am letzten der sechs Sitzungstage immer wieder geweint. In ihrem letzten Wort hatte sie schluchzend gesagt, dass es ihr leid tue. Den Gerichtssaal verließ sie unter Tränen in Handschellen.

(dpa)
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