1. Saarland
  2. Blick zum Nachbarn

Prozess wegen Kriegsverbrechens gegen Syrer aus Saarbrücken begonnen

Mit abgetrenntem Kopf posiert : Ist Syrer aus Saarbrücken ein Kriegsverbrecher?

Ein 34 Jahre alter Syrer aus Saarbrücken ist in Koblenz angeklagt, weil er während des Bürgerkriegs in Syrien mit dem Kopf eines getöteten Gegners in verhöhnender und herabwürdigender Weise für ein Foto posiert haben soll.

Ein Mann, der mit dem abgetrennten Kopf eines Kriegsgegners posiert haben soll, will zu diesem Vorwurf vor dem Oberlandesgericht (OLG) Koblenz zunächst schweigen. Das sagte der 34-jährige Angeklagte zu Beginn seines Prozesses am Dienstag vor dem 1. Strafsenat als Staatsschutzsenat. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz wirft dem syrischen Flüchtling auf Basis des Völkerstrafgesetzbuchs ein Kriegsverbrechen vor.

Der Mann soll sich laut Anklage einst im Bürgerkrieg seiner Heimat dem bewaffneten Widerstand gegen die Regierung angeschlossen haben. Dann soll er mit dem Kopf eines vermutlich gegnerischen Kämpfers „in einer den Getöteten verhöhnenden und in seiner Totenehre herabwürdigenden Weise“ für einen Fotografen posiert haben. Er habe den Kopf an einem Ohr in die Höhe gehalten und dabei selbst „einen zufriedenen Gesichtsausdruck“ gezeigt. Ihm werde nicht vorgeworfen, den Kopf selbst abgetrennt zu haben.

Oberstaatsanwalt Christopher do Paco Quesado sagte am Rande des Prozesses, der Syrer habe nach seiner Flucht nach Deutschland Landsleuten in Saarbrücken vom abgetrennten Kopf eines syrischen Regime-Soldaten berichtet. Später im Polizeiverhör dagegen habe der 34-Jährige angegeben, er habe den Kopf unter Trümmern gefunden und wisse nicht, wem dieser gehört habe. Nach früheren Angaben des Koblenzer Generalstaatsanwalts Jürgen Brauer hatten Ermittler das Foto mit dem abgetrennten Kopf nach Hinweisen anderer syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge auf dem Handy des Angeklagten entdeckt.

Laut dem Verteidiger Marius Müller verurteilte 2018 das Amtsgericht Saarbrücken den 34-Jährigen unter anderem wegen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Er sitzt deshalb im Saarland in Haft. Für seinen neuen Prozess vor dem OLG Koblenz sind vorerst vier weitere Verhandlungstage bis zum 17. Februar terminiert.

(dpa)