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Prozess um übermalte Skulptur: Künstler gewinnt gegen rechen Bürgermeister

Streit in Hayange/Lothringen : Rechter Bürgermeister muss Künstler für verunstaltete Skulptur entschädigen

Der rechtspopulistische Bürgermeister von Hayange hatte eine Skulptur blau anstreichen lassen, ohne den Künstler zu informieren. Das wollte dieser nicht hinnehmen.

Es ist eine Posse, welche die lothringische Stadt Hayange seit fast sechs Jahren beschäftigt – und letztendlich auch die Justiz. Ein paar Monate nach seiner Wahl 2014 wollte Fabien Engelmann, der erste und bisher einzige Bürgermeister der rechtspopulistischen Partei „Rassemblement National“ (RN) in Lothringen, Fakten schaffen. Und zwar mit einem Eingriff in das Stadtbild. Eine granit-graue Skulptur des Bildhauers Alain Mila, die Hayanges Vergangenheit als Stahlstadt würdigte, ließ Engelmann kurzerhand hell- und dunkelblau übermalen. Der Grund: Er fand sie hässlich. Die neuen Farben ließ er allerdings ohne die Einwilligung des Künstlers auftragen.

Dieser staunte nicht schlecht, als er die „neue Version“ seines Werkes entdeckte, und sah sich in seinen Urheberrechten verletzt .Durch den blauen Anstrich sei sein Werk verunstaltet worden und sehe jetzt aus wie ein Kinderüberraschungsei, ärgerte sich Mila damals.

Das Rathaus in Hayange lenkte allerdings nicht ein. Die Polemik wurde größer, bis sich die damalige Kulturministerin Aurélie Filipetti einschaltete und die Aktion öffentlich als Angriff auf die Kunst kritisierte. Auch im Netz war die Häme groß: Unter dem Stichwort „Engelmann war hier“ begannen die Nutzer, Bildmontagen von bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Eiffelturm oder der Mona Lisa zu veröffentlichen – mit blauem Anstrich. Dem Bürgermeister wurde die Sache dann doch zu blöd und er versuchte, zurück zu rudern und die blaue Farbe an der Skulptur wieder entfernen zu lassen. Der Vorgang musste beim ersten Mal dennoch unterbrochen worden, da die Reinigungsaktion drohte, Schäden an dem Stein zu hinterlassen. Ein zweiter Versuch ein Jahr später war denn letztendlich erfolgreich.

Doch der Künstler Alain Mila wollte die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Er wollte ein Exempel statuieren, damit andere Rathauschefs im Land nicht auf die Idee kommen, Engelmann nachzueifern. Er klagte vor dem Gericht in Nancy, das ihm nun Recht gegeben hat. Die Kammer sah das Übermalen der Skulptur als eine Verletzung der Urheberrechte von Mila an. Für diesen immateriellen Schaden muss ihm die Stadt Hayange jetzt 4000 Euro zahlen. Zu sehen bekommen die Bürger in Hayange das Kunstwerk trotzdem nicht mehr. Dieses hat Fabien Engelmann vom Kirchenvorplatz in die Stadtwerke versetzen lassen.