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„Normale Krankheit“: Keine Isolation mehr in Rheinland-Pfalz

Coronavirus : „Normale Krankheit“: Keine Isolation mehr in Rheinland-Pfalz

Maske statt Absonderung. Nach einem positiven Test steht Infizierten die Haustür offen. Der DGB sorgt sich, dass jetzt der Druck zunimmt, trotz Infektion arbeiten zu gehen.

Wer mit dem Coronavirus infiziert ist, muss sich ab Samstag nicht länger von anderen Menschen fernhalten. Die Landesregierung hat die Aufhebung der bisherigen Isolationspflicht beschlossen, wie das Gesundheitsministerium nach der Kabinettssitzung am Dienstag mitteilte. Positiv getestete Menschen müssen in der Öffentlichkeit aber einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

„Es ist wichtig, dass wir lernen, Corona als normale Krankheit zu behandeln“, sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). Die Pandemie sei zwar noch nicht vorbei. Die Aufhebung der Absonderungspflicht sei aber derzeit vertretbar. „Wir haben gesehen, dass die Herbstwelle ohne tiefgreifende Maßnahmen abgeebbt ist.“ Dies zeige, dass die Bevölkerung verantwortungsvoll mit der Situation umgehe. „Darüber hinaus profitieren wir von einem breiten und sehr guten Impfschutz.“

Das Tragen der Maske sei weiterhin das geeignete Mittel zum Schutz für sich selbst wie für andere, „wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen“, erklärte der Minister. Deshalb sei nicht jeder Mensch als infiziert zu betrachten, der in der Öffentlichkeit mit Maske unterwegs sei. „Maske tragen ist Ausdruck eines hohen Verantwortungsbewusstseins.“ Mehr denn je gelte der Grundsatz: „Wer krank ist, bleibt bitte daheim.“

Beim DGB wurde die Entscheidung mit Skepsis aufgenommen. „Wir hoffen, dass die Aufhebung der Isolationspflicht nicht dazu führt, dass Beschäftigte denken, sie müssten auch wieder direkt am Arbeitsplatz erscheinen, sofern die Symptome nur schwach sind“, erklärte die Landesvorsitzende Susanne Wingertszahn. Vor allem in Branchen mit Personalmangel könnte der Druck entstehen, trotz Infektion zu arbeiten. Aber „Menschen mit Infektionskrankheiten haben am Arbeitsplatz nichts zu suchen“.

Wer bei einem Schnelltest oder PCR-Test positiv auf eine Corona-Infektion getestet wurde, ist nach der neuen Regelung verpflichtet, mindestens für fünf Tage außerhalb der eigenen Wohnung eine medizinische Maske oder eine FFP2-Maske zu tragen. Anders als bisher ist es damit auch infizierten Menschen möglich, Spaziergänge zu machen oder einzukaufen. Wegen der Maskenpflicht sei ein Besuch im Fitnessstudio oder in einem Restaurant „faktisch trotzdem nicht möglich“, erklärte das Ministerium. Kinder seien in der Kita weiterhin von der Maskenpflicht befreit.

Die oppositionellen Freien Wähler im Landtag begrüßten den Beschluss. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Helge Schwab sprach von einem „folgerichtigen Schritt“.

Zuvor hatten bereits Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein die Regelung einer mindestens fünftägigen Isolation bei einer Corona-Infektion aufgehoben. Hessen folgt voraussichtlich am Mittwoch.

© dpa-infocom, dpa:221121-99-607609/5

(dpa)