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Neues Institut gegen Missbrauch: „Herzensanliegen“

Neues Institut gegen Missbrauch: „Herzensanliegen“

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz hat die Gründung des Instituts für Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche (IPA) als ein „Herzensanliegen“ bezeichnet.

„Es ist unabhängig, aber kirchennah“, sagte der Trierer Bischof Stephan Ackermann am Dienstag im rheinland-pfälzischen Grafschaft-Lantershofen nahe der nordrhein-westfälischen Landesgrenze. Das seit 2019 bundesweit aktive Institut sollte anschließend mit der Gründung eines Trägervereins und der Berufung eines Kuratoriums auf unabhängige Füße gestellt werden. Zuvor war es eine Stabsstelle des Trierer Bischofs.

Nach Ackermanns Worten soll das eher kleine IPA das Thema Missbrauch übergeordnet beleuchten, regionale Aufklärungsansätze vernetzen und die Situation in anderen Ländern beobachten. Er hoffe, dass das Institut eine Lücke schließe und zur Qualitätssicherung bei der Aufklärungsarbeit beitrage. Finanziert werde das IPA von einer außerkirchlichen Familienstiftung, sagte Ackermann, ohne deren Namen zu nennen. Laut Institutsleiter Oliver Vogt fließen zwei Millionen Euro für die ersten fünf Jahre des IPA.

Auch mit externen Wissenschaftlern wolle das Institut eine Schriftenreihe zu Standards bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche erarbeiten. Der Vernetzung von Wissenschaft, Praxis, Politik und Kirche sollen sogenannte Kamingespräche dienen.

Im Kuratorium sollen zwei Betroffene, in der Mitgliederversammlung des Vereins soll ein Betroffener, Karl Haucke, sitzen. Dieser sagte, bei Aufarbeitung und Prävention sei wissenschaftliche Unterstützung nötig - diese erhoffe er sich vom IPA. Er wünsche sich, dass das Institut auch mit Rechtsgutachten von „teureren Kanzleien“ helfe. Die Einrichtung des IPA war eine der Konsequenzen aus der 2018 vorgelegten sogenannten MHG-Studie mit schockierenden Zahlen zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche.

Haucke sagte, in den 1960er-Jahren sei er als Kind in einem kirchlichen Internat fast vier Jahre lang wöchentlich einmal vergewaltigt worden, „in mehr Varianten, als sich ein aufgeklärter Mensch vorstellen kann“. Mit anderen Opfern habe er in der jüngeren Vergangenheit der heute ohne Internat fortgeführten Schule Unterstützung bei der Aufklärung angeboten. Die Schulleitung habe abgelehnt: „Wir sind eine Eliteschule. Bei uns passiert so was nicht.“

IPA