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Luxemburg
Lëtzebuergesch könnte offizielle EU-Amtsprache werden

Rund die Hälfte der Einwohner im Großherzogtum sprechen Luxemburgisch. Hier ein Blick auf die Staatssparkasse in Luxemburg-Stadt.
Rund die Hälfte der Einwohner im Großherzogtum sprechen Luxemburgisch. Hier ein Blick auf die Staatssparkasse in Luxemburg-Stadt. FOTO: dpa / Ronald Wittek
Luxemburg/Brüssel. Die luxemburgische Sprache wird nur als Minderheitssprache anerkannt. Das soll sich ändern.

Sie wird von weniger als 400 000 Menschen gesprochen und die Unesco stuft sie als „gefährdet“ ein: die luxemburgische Sprache. In Luxemburg erlebt der moselfränkische Dialekt des Hochdeutschen eine Renaissance – und könnte bald die 25. Amtssprache der EU werden. In dem Benelux-Staat mit 590 000 Einwohnern ist Lëtzebuergesch die dritte Amtssprache neben Französisch und Deutsch. Nicht jedoch in der EU. Die Europäischen Institutionen erkennen den Dialekt nur als Minderheitssprache an. Doch immer mehr Leute wollen ihn sprechen lernen und die Politik fördert den Gebrauch.


Ein gesteigertes Interesse am Luxemburgischen stellt der auf Sprachenkurse spezialisierte Verlag Assimil fest. 2012 brachte er ein Luxemburgisch-Wörterbuch auf den Markt – innerhalb eines Jahres verkaufte es sich 10 000 Mal. Angesichts der geringen Anzahl an Sprechern „waren wir sehr überrascht von den Verkäufen“, sagt Nicolas Ragonneau, Marketing-Chef des Verlags.

Das Nationale Sprachen-Institut (INL) hat von 2016 bis 2017 sein Kursangebot für Luxemburgisch um 30 Prozent aufgestockt. „Die Plätze in Luxemburgisch-Kursen, besonders in denen für Anfänger, sind zur Zeit heiß begehrt“, sagt Institutsleiterin Karin Pundel. Zu dieser Entwicklung beigetragen habe das neue Gesetz zur Staatsangehörigkeit, vermutet die Leiterin. Das Gesetz, das seit 2017 in Kraft ist, ermöglicht die Einbürgerung nach fünf Jahren, wenn Kenntnisse des Luxemburgischen vorgewiesen werden können.



Seit 1984 ist Luxemburgisch im Großherzogtum neben Deutsch und Französisch als offizielle Sprache bei Behörden und vor Gericht anerkannt. Im Alltag wird es von vielen gesprochen und gilt als wichtige Kompetenz auf dem Arbeitsmarkt. Allerdings wohnt fast jeder zweite Angestellte im Ausland und die Grenzpendler sprechen häufig kein Luxemburgisch. Dem Statistikamt des Landes zufolge ist Luxemburgisch Erstsprache von 55,8 Prozent der Einwohner, gefolgt von Portugiesisch (15,7 Prozent) und Französisch (12,1 Prozent). Neun von zehn Luxemburger sprechen es, aber nur jeder zwanzigste Bewohner mit ausländischem Pass. Letztere machen jedoch fast die Hälfte der Bevölkerung Luxemburg aus.

Das Luxemburgische Bildungsministerium habe sich dazu entschieden, Verhandlungen mit der EU aufzunehmen, um eine „administrative Einigung“ über den Gebrauch des Luxemburgischen zu finden, erklärte das Ministerium. Konkret hieße das, dass jeder Bürger das Recht hätte, sich auf Luxemburgisch an die europäischen Institutionen zu wenden und eine Antwort in derselben Sprache zu erhalten.