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Francofolies-Festival in Esch
Kult-Festival kommt nach Luxemburg

Über eine Million Zuschauer kamen zu ihrer jüngsten Tour: Die Rockband Shaka Ponk tritt Anfang September bei den ersten „Francofolies du Luxembourg“ auf.
Über eine Million Zuschauer kamen zu ihrer jüngsten Tour: Die Rockband Shaka Ponk tritt Anfang September bei den ersten „Francofolies du Luxembourg“ auf. FOTO: Francofolies du Luxembourg / Denis Rouvre
Esch/Alzette. Esch bekommt einen Ableger der „Francofolies“. Die erste Ausgabe mit Julien Clerc und Shaka Ponk findet Anfang September statt. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Ein Musikfestival, bei dem sowohl junge Leute als auch ihre Eltern und womöglich auch noch ihre Großeltern auf ihre Kosten kommen: Das ist das Konzept des Festivals „Francofolies“, das seit 1985 jährlich im französischen La Rochelle stattfindet. Mit Erfolg. Im vergangenen Jahr kamen 155 000 Besucher, um dort französischsprachigen Bands zuzuhören. Von Rap und Hip-Hop über Chanson bis Variété gelingt in La Rochelle über mehrere Tage und Bühnen der Branchenmix. So ähnlich soll es auch in Esch/Alzette ab September zugehen. Nach Québec (Kanada), Spa (Belgien) und Blagoevgrad (Bulgarien) bekommt die luxemburgische Stadt einen Ableger des Kult-Festivals.


Fünf Jahre läuft erstmal der Vertrag zwischen der großen französischen Produktionsfirma Morgane Production und der Stadt. Bis zum Jahr 2022, wenn Esch europäische Kulturhauptstadt wird, soll es sich als Selbstläufer etabliert haben und eine sichere Bank mit rund 100 Konzerten über eine Woche werden – wie in La Rochelle. Eine Kostprobe davon gibt es jetzt schon Anfang September mit der sogenannten „warm up“-Ausgabe. Zehn Konzerte finden an drei Tagen und mehreren Orten in Esch statt. Gegensätzlicher könnten die Headliners nicht sein. Das Theater empfängt Julien Clerc – mit 50 Jahren Bühnenerfahrung und knapp 17 Millionen verkauften Tonträgern einer der bekanntesten französischen Chansonniers.

Lauter, härter und rockiger geht es in der Rockhal mit Shaka Ponk zu. In Frankreich ist die sechsköpfige Band schon eine eigene Marke und könnte durch die Francofolies in Esch durchaus ein paar Fans aus dem deutschsprachigen Raum hinzugewinnen. Denn im Gegensatz zu Julien Clerc wird bei Shaka Ponk auch auf Englisch gerockt. „Natürlich ist das oberste Ziel der Francofolies, die DNA der französischsprachigen Musik auszustrahlen, doch wir vergessen nicht, dass wir in Esch in Luxemburg sind“, erklärt der Organisator Jean-Serge Kuhn. Man könne hier nicht ein rein französischsprachiges Festival machen. Außerdem wolle sich das Festival in die multikulturelle Realität der Stadt Esch einfügen. Dort leben Menschen mit 122 Nationalitäten. „Wir waren sofort von der Idee begeistert, die Francofolies bei uns zu machen“, freut sich Eschs Bürgermeister Georges Mischo. „Esch ist die französischste Stadt Luxemburgs. Wir sind zum Beispiel die Einzigen, die den französischen Feiertag am 14. Juli feiern.“ 200 000 Euro investiert die Stadt in die „warm up“-Ausgabe. Zielpublikum sind natürlich die Luxemburger, aber auch die französischen, belgischen und deutschen Nachbarn.



Neben der Verbreitung französischsprachiger Musik ist der zweite Pfeiler der „Francofolies-Charta“, zu der sich alle Standorte verpflichten, die Nachwuchsförderung. Auch bei der allerersten Ausgabe in Esch bekommen ein paar regionale Bands die Gelegenheit, ihr Repertoire vor breitem Publikum zu spielen – als Vorprogramm für die Großen und auf einer offenen Open-Air-Bühne vor dem Escher Rathaus. Einen Auftritt konnte sich die Saarbrücker Rockgruppe Southern Caravan Breath sichern. Sie spielen am Samstag, 8. September. Im kommenden Jahr könnten bei der ersten erweiterten Ausgabe noch mehr dazu kommen.

Die „Francofolies du Luxembourg“ findet in Esch/Alzette vom 6. bis 8. September statt. Alle Infos im Internet unter www.francofolies.lu.

Seit 50 Jahren singt Julien Clerc auf den Bühnen der Welt. Bald auch im Escher Theater.
Seit 50 Jahren singt Julien Clerc auf den Bühnen der Welt. Bald auch im Escher Theater. FOTO: Francofolies du Luxembourg / Boby