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Drogenbericht für Lothringen
Kokain in Lothringen auf dem Vormarsch

Immer mehr Kokain – vor allem aus Französisch-Guyana – gelangt unbemerkt vom Zoll nach Frankreich. Das drückt die Preise, doch der Drogenkonsum steigt.
Immer mehr Kokain – vor allem aus Französisch-Guyana – gelangt unbemerkt vom Zoll nach Frankreich. Das drückt die Preise, doch der Drogenkonsum steigt. FOTO: Axel Heimken / dpa
Metz. Der jüngste Drogenbericht zeigt, dass der sinkende Preis in unserer französischen Nachbarregion den Konsum harter Drogen nach oben treibt. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

In Lothringen ist das Kokain längst keine reine Party-Droge mehr. Sowohl im städtischen Umfeld von Metz, Nancy, Thionville und Epinal als auch in ländlichen Gebieten und im ehemaligen Kohlebecken gewinnt dieses Rauschmittel an Boden. Das zeigt der jüngste Bericht der französischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht. Demnach hat sich dieser Trend bereits im Jahr 2014 abgezeichnet und sich 2016 fortgesetzt.


Während Kokain früher unter den Betäubungsmitteln als etwas Besonderes galt, sei es „mittlerweile banaler geworden“, heißt es in dem Bericht. Ein Grund dafür ist das große Angebot, das die Preise drückt. Für ganz Frankreich gilt: Die Kokain-Versorgung aus Lateinamerika und Französisch-Guayana hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Neben dem Postweg gelangt das Kokain laut Beobachtungsstelle immer öfter durch den Einsatz von Schleppern auf das französische Festland, die pro Reise bis zu einem Kilogramm Kokain befördern.

„Die Polizei schätzt, dass es täglich rund zehn Schlepper durch die Sicherheitskontrolle schaffen. Das sind dann 3500 bis 4000 Menschen im Jahr“, berichten die Experten. Sie rechnen hoch, dass die Ware aus Guyana heute rund 20 Prozent des Kokainmarktes in Frankreich darstellt und überwiegend in mittelgroßen Städten vertrieben wird. So blüht diese Form des Handels auch in Metz. Erst im Herbst stand dort ein Mann aus Guyana vor Gericht. Der 35-Jährige war mit 1,2 Kilogramm Kokain vom Zoll erwischt worden. Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt – ohne Bewährung. 2017 wurde zum dritten Mal ein Drogenschlepper aus Guyana in Lothringen geschnappt. Und so pendeln sich auf diesem illegalen Markt Angebot und Nachfrage ein.

Während der durchschnittliche Preis bei rund 80 Euro pro Gramm liegt, berichtet die Beobachtungsstelle von Drogenkonsumenten, die in Metz schon Angebote von zehn Euro pro Gramm gefunden haben. Der lukrative Handel mit Kokain beschränkt sich nur auf Metz als größte Stadt Lothringens. Ende November zerschlug die Polizei dort einen Händlerring. 13 Menschen wurden in Saint-dié-des-Vosges verhaftet, kriminelles Vermögen im Wert von über einer halben Million Euro beschlagnahmt.

Auch wenn sich Kokain in Lothringen immer weiter ausbreitet, ist es dort nicht die einzige Droge, die im Umlauf ist. Auch mit Heroin lässt sich illegal immer mehr Geld verdienen. In Metz sind laut Bericht Preise zwischen 60 und 100 Euro pro Gramm üblich – gegenüber 40 Euro im Rest des Landes. Da die polizeilichen Maßnahmen immer stärker werden, verlagere sich der Handel auf ländliche Gebiete und Privatgrundstücke.



Ein weiterer beunruhigender Aspekt für die Fachleute der Beobachtungsstelle ist die Altersstruktur der Konsumenten. Zum Beispiel im Falle des bekannten Halluzinogens LSD. „Seit 2015 zeichnet sich eine Verjüngung der Konsumenten ab. Manche sind gerade mal 14, 15 Jahre alt“, so die Beobachtungen. Diese Droge sei weniger im städtischen Raum auffindbar und werde nicht unbedingt von professionellen Händlern vertrieben, sondern am meisten in der Party-Szene von Menschen verkauft, die den eigenen Verbrauch damit mitfinanzieren.