Klingbeil in Kaiserslautern: Tempo bei KI-Förderung verlangt

Klingbeil in Kaiserslautern: Tempo bei KI-Förderung verlangt

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat das Wirtschafts- und das Forschungsministerium in Berlin zu mehr Engagement für Zukunftsprojekte mit Künstlicher Intelligenz (KI) aufgerufen. Vor einem Besuch des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) am Freitag in Kaiserslautern sagte Klingbeil der Deutschen Presse-Agentur: „Die zuständigen CDU-Minister Peter Altmaier und Anja Karliczek müssen das mit Hochdruck vorantreiben.“ Die in der KI-Strategie der Bundesregierung angestrebte Verankerung dieser Forschung an den Hochschulen mit zusätzlichen Professuren komme nur schleppend voran.

„Hier wird über die Arbeitsplätze der Zukunft entschieden, das muss von der politischen Führung getrieben werden“, forderte Klingbeil. Die Frage, wer künftig bei Künstlicher Intelligenz vorne liege, entscheide mit über die Sicherung von Wachstum, neuen Jobs und Wohlstand. „Deshalb müssen wir in Deutschland und Europa bei diesem Thema vorankommen und ambitionierter werden. Wir dürfen dieses große Thema nicht nur den USA und China überlassen.“

Vor dem Besuch Klingbeils forderte der Wissenschaftliche Direktor und DFKI-Standortleiter, Andreas Dengel, dass die KI-Strategie der Bundesregierung „ohne Umschweife, konsequent und mit Kreativität“ umgesetzt werden sollte. „Deutschland darf den internationalen Anschluss auf dem wichtigen Feld der Künstlichen Intelligenz, welches unsere Zukunft prägen wird, nicht verlieren“, sagte Dengel der Deutschen Presse-Agentur. DFKI-Leiterin Jana Koehler unterstrich, die Politik habe KI als „Megathema“ aufgegriffen - jetzt müsse auch die Gesellschaft mitgenommen werden.

Für Forschungseinrichtungen sei wichtig, dass sie im Rennen um Talente mit der Industrie mithalten könnten, erklärte Koehler. „Gesetze wie das Besserstellungsverbot machen dies nicht einfach“, kritisierte die Informatikerin. Mittel zur Projektförderung dürfen demnach nur mit der Auflage bewilligt werden, dass der Empfänger seine Beschäftigten nicht besser stellt als vergleichbare Arbeitnehmer des Bundes - sofern der Empfänger der Mittel sich bei den Gesamtausgaben überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Klingbeil sagte, er wolle sich in Kaiserslautern auch anhören, welche konkreten Probleme es in Forschungsprojekten gebe. Wenn man in den Wettkampf um die besten Köpfe einsteige, müsse man genau solche Probleme lösen. „Es ist eigentlich Aufgabe der Bildungs- und Wissenschaftsministerin Anja Karliczek, an solchen Stellen zu Lösungen zu kommen.“

Künstliche Intelligenz werde häufig noch als Bedrohung wahrgenommen, sagte der SPD-Generalsekretär - „in dem Sinne: Die Roboter nehmen uns die Arbeit weg.“ Über einzelne Positiv-Beispiele lasse sich am besten zeigen, wo Künstliche Intelligenz das Leben der Menschen verbessern könne. Klingbeil plädierte dafür, „dass wir diese Veränderungen als Chance sehen“. Einige Arbeitsplätze würden zwar wegfallen, aber auch eine ganze Reihe neuer Arbeitsplätze entstehen. „Eine große Chance liegt darin, dass körperlich schwere Tätigkeiten von Maschinen und Robotern übernommen werden können. So entstehen mehr Spielräume für kreative Tätigkeiten und mehr zeitliche Freiräume.“

Die Arbeitswelt müsse sich frühzeitig auf neue Jobs einstellen. Dazu gehöre ein Recht auf Weiterbildung. „In Zeiten, in denen der Markt flexibler wird, müssen Arbeitnehmerrechte besonders geschützt werden“, sagte Klingbeil. „Wir brauchen ein Recht auf Nichterreichbarkeit und Räume, in denen wir uns herausnehmen können aus stressigen Arbeitsbelastungen.“ Flexibilität dürfe nicht zu permanenter Überforderung von Menschen führen.

KI-Strategie der Bundesregierung

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