| 20:34 Uhr

Unternehmen für französische Praktikanten gesucht
Gelerntes im Nachbarland anwenden

In Saargemünd sprachen Vertreterinnen saarländischer Pflegeunternehmen mit Schülern und Lehrern aus der Berufsfachschule.
In Saargemünd sprachen Vertreterinnen saarländischer Pflegeunternehmen mit Schülern und Lehrern aus der Berufsfachschule. FOTO: Hélène Maillasson
Saargemünd. Die Fachstelle für grenzüberschreitende Ausbildung sucht Praktikumsplätze für junge Franzosen. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Sein Praktikum neigt sich dem Ende zu. Und der 16-jährige Anthony aus Nousseviler in Lothringen hat vor allem eine Befürchtung: alle Vokabeln zu vergessen, die er in den vergangenen Wochen bei der Firma Boesen in Perl gelernt hat. Sobald er wieder in der Berufsfachschule in Saargemünd ist, will er sich deshalb einen festen Austauschschüler im Saarland suchen.


Organisiert wurde Anthonys Pflichtpraktikum über die Fachstelle für grenzüberschreitende Ausbildung (FagA) in Dillingen. Und diese möchte mehr saarländische Betriebe dafür gewinnen. „Wir wissen, dass es für die Unternehmen einen gewissen Zeitaufwand bedeutet. Die Praktikanten müssen von Mitarbeitern betreut werden, weil die meisten nicht fließend Deutsch können“, sagt FagA-Mitarbeiterin Alexandra Schwarz.

Doch durch den Einsatz eines lothringischen Praktikanten könnten die Unternehmen die Inhalte von Ausbildungsgängen in Frankreich und die Kompetenzen von Absolventen kennenlernen. Vor allem in Mangelberufen ist die Möglichkeit interessant, auf französische Nachwuchskräfte zurückzugreifen.

An der Saargemünder Berufsfachschule Simon Lazard ist sich Leiter Daniel Bourgel schon lange der guten Job-Perspektive seiner Schüler im Nachbarland bewusst. In den acht Ausbildungszweigen lernen die Berufsschüler Deutsch – im regulären Sprachunterricht, aber eine Stunde Fachunterricht wird wöchentlich auf Deutsch gehalten. „Von den sechs Pflichtpraktika, die unsere Schüler innerhalb der dreijährigen Ausbildung absolvieren müssen, sollte mindestens eines im Saarland stattfinden“, sagt Bourgel.

Damit sich auch genug Betriebe finden, die diese Praktikanten aufnehmen, hat er einen Info-Abend organisiert. Dabei konnten sich Vertreter von Unternehmen über die genauen Ausbildungsinhalte bei den Fachlehrern erkundigen und sowohl Schüler als auch Betriebe, die schon seit ein paar Jahren mitmachen, aus ihrer Erfahrung berichten. Wie zum Beispiel Severine Reiser von den Barmherzigen Brüdern in Rilchingen. Sie hat damals selbst in Simon Lazard gelernt und arbeitet jetzt schon lange in Deutschland.



Seit zwei Jahren nimmt ihr Unternehmen französische Praktikanten aus der Saargemünder Berufsfachschule im Bereich Altenpflege auf. „Die meisten, die zu uns kommen, haben schon einen deutschen Wortschatz, können die Sprache aber nicht perfekt. Man lernt aber durch die Arbeit im Alltag eine Menge dazu“, berichtet sie.

Durch die Lage des Unternehmens direkt an der Grenze sei die Mobilität für die Jugendlichen, die meisten noch keinen Führerschein haben, kein Problem. Die Praktikanten würden gute theoretische Grundlagen mitbringen, hätten aber wenig Praxiserfahrung. „Wir führen sie ganz langsam an die Senioren heran. Zuerst sind sie bei der Essensausgabe dabei, dann machen sie die Betten fertig. Wenn der Kontakt zu den Bewohnern steht, können sie auch ihnen die Haare föhnen und sie abtrocknen – natürlich unter Aufsicht“, beschreibt sie die Aufgaben.

Ob man die Praktikanten aus Lothringen dadurch für eine Ausbildung in Deutschland gewinnen könnte, möchte von ihr eine Vertreterin der Knappschaftsklinikum Saar GmbH wissen. Ihr Unternehmen überlegt noch, sich an dem Projekt zu beteiligen. Auch Vertreterinnen vom Deutschen Roten Kreuz sind interessiert und deshalb zum Info-Abend nach Saargemünd gekommen.

Wenn der kurze Weg über die Grenze von Saargemünd nach Rilchingen für die Praktikanten von Severine Reise kein großes Hindernis darstellt, sah es für Anthony aus Nousseviler anders aus. Bis nach Perl sind es 80 Kilometer. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fühlt sich das wie eine halbe Weltreise an.

„Über ein Kontakt beim Schengen-Lyzeum haben wir für ihn eine Gastfamilie in Perl gefunden“, erklärt Alexandra Schwarz. Für die Fahrt- und Unterbringungskosten gibt es einen Zuschuss von der Fachstelle, die selbst unter anderem aus dem Förder-Fonds Interreg der Europäischen Union finanziert wird.

Diese stellt nicht nur den organisatorischen Rahmen für die Praktika, sondern bleibt auch Ansprechpartner für die Jugendlichen. Alexandra Schwarz weiß, die Hemmungen sind bei den Berufsfachschülern groß. Sie weiß aber auch: „Die meisten kommen zum Praktikum im Saarland mit einem flauen Gefühl im Magen. Am letzten Tag kehren sie aber mit einer Menge Selbstsicherheit nach Hause.“

Qualifiziertes Pflegepersonal ist gefragter denn je. Da sind natürlich auch gute Nachwuchskräfte aus Frankreich willkommen.
Qualifiziertes Pflegepersonal ist gefragter denn je. Da sind natürlich auch gute Nachwuchskräfte aus Frankreich willkommen. FOTO: Friso Gentsch / dpa