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Nutella-Krieg
Franzosen stürmen Supermärkte wegen Nutella-Rabatt

Mit einer Rabattaktion buhlte eine Supermarktkette um die Gunst der Franzosen.
Mit einer Rabattaktion buhlte eine Supermarktkette um die Gunst der Franzosen. FOTO: Marcus Brandt / dpa
Es war ein Angebot, das man nicht ablehnen konnte: 70 Prozent Rabatt auf Schokocreme. In Geschäften an der Grenze ist die Lage aber leicht eskaliert. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Dutzende ungeduldige Menschen, die schon lange vor der Eröffnung vor einem Geschäft ausharren. Diese Szene kennt man aus New-York oder London, am ersten Verkaufstag für das neueste Iphone. Eher weniger von Supermärkten aus Lothringen. Bis gestern. Mit einer krassen Rabattaktion buhlte eine Supermarktkette um die Gunst der Franzosen. Dass es aber so gut ankommt, hatte sie nicht erwartet und ist buchstäblich von dem Erfolg überrollt worden. Angeboten wurde ein 950-Gramm Glas Nutella-Schokocreme für 1,40 statt 4,50 Euro. Solange der Vorrat reicht, versteht sich. Das ließen sich tausende Franzosen nicht zwei Mal sagen und standen vielerorts schon lange vor Ladenöffnung Schlange. Kaum war der Vorhang hoch, stürmten sie die Geschäfte. Besonders bei unseren Nachbarn im Osten Frankreichs ist die Aktion aber gewaltig aus dem Ruder gelaufen. Die Verkäuferin einer Metzer Filiale berichtete im Radio, dass die Kunden besonders aggressiv aufgetreten seien. Sie hätten versucht sich gegenseitig die Nutella-Gläser weg zu reißen und hätten das Personal sogar bedroht. Auch in Forbach ist die Situation so eskaliert, dass die Filialleitung kurz davor war, die Polizei anzurufen, um das Chaos zu beenden. Auch in anderen französischen Städten haben sich ähnliche Szenen ereignet. Das Unternehmen Ferrero, das auch die Nutella-Creme herstellt, teilte mit, von der Rabattaktion nichts gewusst zu haben. Diese hätte die Supermarktkette im Alleingang beschlossen. Ferrero kritisierte das Vorgehen, das für die Verbraucher verwirrend und enttäuschend zugleich sei.



Die Reaktionen auf die ausufernde Aktion fielen im Land unterschiedlich aus. In den sozialen Netzwerken wurde das Verhalten der Kunden als dämlich und unwürdig kritisiert. Andere Stimmen erklären sich aber diesen Aufruhr durch die Armut, in der viele Familien leben. Dass so viele Menschen wegen eines drei-Euro-Rabatts auf Schokocreme ausrasten, sei ein schlagender Beweis für das Elend kommentierte der linke Politiker Jean-Luc Mélenchon‏ auf Twitter.

Wer heute noch vor hatte in Frankreich einzukaufen, braucht sich keine Sorgen zu machen. In den betroffenen Supermärkten ist wieder Ruhe eingekehrt und solche tumultartigen Szenen werden sich wahrscheinlich nicht so schnell wiederholen. Wer Nutella auf der Einkaufliste hat, könnte aber womöglich vor leeren Regalen stehen.