Zukunft von Saar-Lor-Lux noch offen

Der Präsident des Départements Moselle Patrick Weiten (62, UDI) wurde jetzt zur Nummer zwei der neue großen Region Elsass-Champagne-Ardenne-Lothringen (Acal) ernannt. Er ist auch für die grenzüberschreitende Kooperation zuständig. Wie er die weitere Zusammenarbeit mit dem Saarland sieht, erklärt er im Gespräch mit SZ-Redakteurin Hélène Maillasson.

Herr Weiten, Sie sind jetzt die Nummer zwei der großen Region Lothringen-Elsass-Champagne-Ardenne (Acal) und für die Entwicklung der grenzüberschreitenden Kooperationen zuständig. Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Weiten: Unsere neue Region Acal hat Grenzen zu vier EU-Ländern. Wir sind die europäischste Region Frankreichs. Unsere Schwerpunkte liegen beim Arbeitsmarkt und bei der Mobilität .

Bei der Mobilität hapert es ja tatsächlich immer wieder. Was wollen Sie konkret verbessern?

Weiten: Die länderübergreifenden Verbindungen müssen ausgebaut werden. Es gibt zwar bereits die Regionalzüge zwischen Forbach und Saarbrücken und die Tram (Saarbahn, die Red.), die nach Saargemünd fährt. Außerdem gibt es die beiden Buslinien Moselle-Saar für Pendler. Im Elsass sind solche Verkehrskooperationen schon weiterentwickelt.

In der Tat herrscht zwischen dem Elsass und der Oberrhein-Region bereits eine sehr intensive Zusammenarbeit. Ist es zu befürchten, dass diese weiter vorangetrieben wird zur Lasten der Kooperation zwischen Lothringen und dem Saarland?

Weiten: Was den grenzüberschreitenden Ausbildungs- und Arbeitsmarkt betrifft, ist das Elsass einen Schritt weiter als Lothringen. Mein Ziel ist es, den dort bereits erreichten Level in jedem Grenzgebiet der neuen Region zu ermöglichen. Für die lothringisch-saarländische Zusammenarbeit ist es von Vorteil. Wir können von den Erfahrungen der Elsässer profitieren, sehen was geklappt und was nicht funktioniert hat.

Im Osten des Départements Moselle sind wir übrigens Vorreiter mit Projekten wie dem Deutschunterricht in Kindergärten und Grundschulen und dem Haus Mosa in Forbach, das sich den Bedürfnissen von Grenzgängern widmet.

Was bedeutet dies für die saarländischen Partner, die ein Projekt mit Lothringen starten wollen? Heißt neue Region auch neue Ansprechpartner?

Weiten: Nein. Die Beziehungen zum Saarland werden weiter sowohl auf der Département- als auch auf der Regional-Ebene fortgesetzt. Mit meiner doppelten Rolle als Präsident des Départements Moselle und Vize-Präsident der Region Acal wird es sogar einfacher. Ich bin durch und durch Verfechter der engen Zusammenarbeit mit dem Saarland. In Straßburg werde ich die Interessen der ganzen Region vertreten, aber auch als Botschafter für die Kooperation mit dem Saarland werben. Außerdem haben wir als Grenzregion die Bewilligung des französischen Staates, auf unserer regionaler Ebene mit Maßnahmen zu experimentieren, die normalerweise sonst nur von Paris aus beschlossen werden. Das ermöglicht größere Freiheiten und daher stehen wir zum Beispiel im Bildungsbereich auf Augenhöhe mit unseren saarländischen Partnern, deren Landesregierung eigenständig Anstöße geben kann.

Kommt durch den Zusammenschluss mehr Geld nach Lothringen oder muss im Gegenteil das gleiche Geld zwischen mehr Akteuren geteilt werden?

Weiten: Die finanziellen Rahmenbedingungen werden noch in den kommenden Monaten geklärt. Wir wollen aber weiter wie gehabt arbeiten.

Was wird aus der Großregion Saar-Lor-Lux mit Luxemburg, Wallonien, dem Saarland und Rheinland-Pfalz? Gehört jetzt Acal dazu, obwohl das Elsass und Champagne-Ardenne bisher keine Teile davon waren?

Weiten: Auch das ist noch nicht entschieden. Doch sowohl unsere Partner aus Luxemburg als auch Wallonien wünschen sich eine Fortsetzung der jetzigen Arbeit. Persönlich kann ich mir eine Großregion vorstellen, die von Wallonien bis in die Schweiz reicht. Das Elsass und Champagne-Ardenne könnten somit integriert werden. Aus den Ardennen haben bereits viele Akteure ein großes Interesse an engerer Zusammenarbeit mit Belgien und Luxemburg signalisiert.