Wohin steuert die Großregion?

Während auf dem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt kleine Fortschritte zu verzeichnen sind, sieht es etwa bei der gemeinsamen Verkehrspolitik der Großregion düster aus. Zu diesem Fazit kamen Experten auf einer Tagung.

"Das Zukunftsbild 2020 ist das kreativste Papier zur Situation der Großregion der letzten 20 Jahre", schwärmte Franz-Peter Basten, ehemaliger Staatsekretär von Rheinland-Pfalz, der 2003 daran mitgewirkt hat. Doch leider, so das Fazit einer Tagung in der Europäischen Akademie Otzenhausen am Montag zur "Halbzeitbilanz", hat die Politik bisher kaum eines der damals gesteckten Ziele erreicht. Auch Basten, der als einer von rund einem Dutzend Referenten über die "Arbeitsmarktregion" sprach, verhehlte das nicht. Man habe weder eine gemeinsame Arbeitsmarkt-, noch Wirtschaftspolitik oder Wirtschaftsförderung, und die Sprachkompetenz leide Not, befand er. All das führe dazu, dass die Großregion "weder ein Gesicht noch ein Gewicht" habe.

Dabei konnte Heidrun Schulz von der Bundesagentur für Arbeit Rheinland-Pfalz-Saarland gerade für diesen Bereich noch zarte Fortschritte vermelden. Bei der grenzüberschreitenden Arbeitsvermittlung habe man im Vorjahr 1000 Kunden zu deren Zufriedenheit betreut und etliche auch vermitteln können, berichtete sie. Auf der Plus-Seite ist für sie auch die Rahmenvereinbarung für die grenzüberschreitende Berufsausbildung zu vermerken. Allerdings gebe er gerade mal zehn junge Lothringer, die das Angebot zur Berufsausbildung im Saarland nutzen und insgesamt sei die Zahl der lothringischen Arbeitspendler um über 2000 geschrumpft. Für Jung-Unternehmer im Saarland wiederum ist die Großregion offenbar überhaupt kein Begriff: weil sie sich mit ihren begrenzten Ressourcen heimatnah orientieren, wie Matthias Tinnemeier von den Wirtschaftsjunioren erklärte. Die Jugend kam übrigens im "Zukunftsbild" gar nicht vor.

Auf ganzer Linie gescheitert ist die gemeinsame Verkehrspolitik , wie Ex-Ministerpräsident Reinhard Klimmt (SPD ) im Detail aufzeigen konnte. Weder die europäische Anbindung der Wasserstraßen, noch die per Schiene an die Großflughäfen sei erreicht oder nur erreichbar; ein "Desaster", dass man bald sogar umsteigen müsse, um von Saarbrücken nach Metz oder Straßburg zu kommen. Bescheiden wirkt da die Erfolgsmeldung von Gilbert Schuh über die grenzüberschreitende Buslinie Saarbrücken-St. Avold. Der Morsbacher Bürgermeister hält denn auch gerade die bilateralen Kooperationen auf Kommunen-Ebene für besonders zukunftsträchtig, wenn 2016 die französische "Hyperregion" ALCA kommt, die Lothringen mit Elsass und Champagne-Ardenne verbindet. Bevor die Gebietsreform in Kraft tritt, wird Lothringen sich mit einer Deutschland-Strategie positioniert haben, ist sich Generalkonsul Frédéric Joureau sicher und hält es für kein übergroßes Problem, wenn sich das Saarland künftig für einige Kooperationsprojekte an Straßburg wenden muss.

Die Großregion sei zu groß, um handhabbar zu sein, hörte man an diesem Tag öfter. Wie bei Europa müsse man sich manchmal auf die Gründung besinnen, meinte auch Joureau zur SZ: "Und das war Saar-Lor-Lux."