Warum kauft Betreiber neue Grundstücke um AKW Cattenom?

Kostenpflichtiger Inhalt: AKW Cattenom : Saarland in Sorge um neue Blöcke in Cattenom

Saarländische Politiker fordern vom Betreiber genauere Angaben über die Nutzung neu gekaufter Grundstücke um das Atomkraftwerk.

Das Atomkraftwerk Cattenom in Lothringen könnte durch den Bau neuer Reaktoren noch mehrere Jahrzehnte über das bisher erwartete Enddatum 2048 hinaus laufen. Diese Befürchtung der grünen Bundestagsfraktion hat im Saarland gestern für Wirbel gesorgt. Zuvor war öffentlich geworden, dass der Betreiber EdF (Électricité de France) rund um das AKW weitere Grundstücke erworben hat. „Wir brauchen schnellstmöglich volle Transparenz darüber, was der Atomkraftwerksbetreiber mit den Grundstücken konkret vorhat“, forderte der Bundestagabgeordnete Markus Tressel (Grüne). Auch die CDU im Saarland vermisst Details über die Nutzung der neuen Flächen: „Im Sinne eines guten grenzüberschreitenden Austauschs wünschen wir uns nähere Angaben von EdF darüber, zu welchem Zweck diese Grundstücke gekauft wurden“, so Petra Fretter, Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz im Landtag. Eine Erweiterung des AKW würde die Sicherheit der Menschen im Saarland und der gesamten Großregion weiterhin gefährden, sorgt sich Pia Döring, umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.

Die von EdF bisher aufgekaufte Fläche beträgt bis heute sechs Hektar, bestätigte ein Sprecher auf SZ-Anfrage. Auch in Zukunft plane das Unternehmen, weitere Grundstücke zu erwerben. Was mit den Flächen passieren soll, stehe noch nicht fest. „Es geht darum, die Zukunft vorzubereiten, und potenziell aufkommende Projekte zu unterstützen. Bis dato wurde aber keine spezielle Nutzung festgelegt“, so der Sprecher weiter. Dem Vorwurf, man habe die Käufe klammheimlich durchgeführt, widerspricht das Unternehmen. Die Pläne seien unter anderem im vergangenen April bei der lokalen Informationskommission des Kernkraftwerks vorgestellt worden.

Auch im saarländischen Umweltministerium war die Sache bekannt. „Als wir vor etwa einem Jahr erstmals von Grundstückskäufen der EdF hörten, haben wir uns beim Betreiber erkundigt. Die Rückmeldung: Der Bau neuer Meiler sei nicht vorgesehen. Bisher gab es für uns keine Veranlassung, an den Aussagen des Betreibers zu zweifeln“, sagt Minister Reinhold Jost (SPD). Sein Ministerium hätte aber mit Blick auf die neuen Meldungen gerne mehr Klarheit über die Pläne von EdF in Cattenom. „Wir werden das Thema anlässlich einer Besprechung mit der französischen Generalkonsulin Catherin Robinet vorbringen. Außerdem suchen wir Anfang des kommenden Jahres erneut das Gespräch mit Kraftwerksdirektor Thierry Rosso“, so Jost weiter.

Umweltminister Reinhold Jost (SPD) fordert mehr Klarheit über die Pläne von EDF. Foto: Ministerium/ Bauer/S. Bauer

Das AKW wurde 1986 in Betrieb genommen. Ursprünglich sollte es maximal 40 Jahre am Netz bleiben. Doch der Betreiber plant schon mit einer Laufzeit bis 2048. Die vier Blöcke mit jeweils 1300 Megawatt Leistung produzieren allein fast zehn Prozent des französischen Atomstroms.