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Wahlbeteiligung im Elsass wegen Corona auf Rekord-Tief

Kommunalwahl Frankreich : Wahlbeteiligung im Elsass wegen Corona auf Rekord-Tief

Im Département Haut-Rhin, das derzeit besonders stark vom Coronavirus betroffen ist, lag die Wahlbeteiligung lediglich bei 36,8 Prozent, in Mulhouse gingen sogar nur 26 Prozent zur Wahl.

Im Departement Bas-Rhin waren es 40,7 Prozent, in Straßburg blieben zwei Drittel zuhause. Wie im restlichen Frankreich haben auch im Elsass die Grünen vor allem in den Großstädten Mulhouse und Straßburg deutlich zugelegt, obgleich die Region weiterhin mehrheitlich für konservative Bürgermeisterkandidaten und -kandidatinnen stimmte. Die Grünen profitierten offensichtlich von dem Wunsch der Franzosen nach mehr Umwelt- und Klimaschutz und sauberer Luft in den Städten.

Die Regierungspartei „La République en Marche“ (LREM) von Präsident Emmanuel Macron wurde auch wie im restlichen Frankreich wohl wegen dessen Reformpolitik abgestraft und konnte im Elsass nicht Fuß fassen. Nur in Straßburg und Mulhouse schafften es die LREM-Kandidaten in die Stichwahl, die für kommenden Sonntag geplant ist. Anders als im restlichen Frankreich schnitt im Elsass dagegen die rechtspopulistische „Rassemblement National“ (RN) schlechter ab.

Für einen regelrechten Donnerschlag sorgte in Straßburg die grüne Spitzenkandidatin Jeanne Barseghain. Mit 27,8 Prozent der Stimmen lag sie fast sechs Prozent vor dem ersten Beigeordneten Alain Fontanel vom LREM (19,8 Prozent) und der Sozialistin und ehemaligen Straßburger Oberbürgermeisterin Catherine Trautmann (19,7 Prozent) und Jean-Pierre Vetter von den konservativen Republikanern (LR, 18,3 Prozent). Damit hat sich das Kräfteverhältnis zwischen Grünen und Sozialisten in Straßburg seit der vergangenen Kommunalwahl 2014 völlig umgekehrt, Straßburg könnte bei der Stichwahl erstmals eine grüne OB bekommen. In einer Umfrage von Ende Februar lagen Fontanel und Barseghian noch fast gleichauf, Trautmann kam auf Platz 3. „Mit diesem Ergebnis hatte ich nicht gerechnet“, sagte Fontanel am Wahlabend. Der erste Beigeordnete unter dem scheidenden OB Ries muss nun nicht als Favorit, sondern als Herausforderer in die mögliche Stichwahl gehen.

Eine faustdicke Überraschung gab es am Sonntag in Colmar: Hier kam Amtsinhaber Gilbert Meyer vom konservativen LR, seit 25 Jahren OB, mit 32,5 Prozent bei einer Kommunalwahl das erste Mal nur auf Platz 2 hinter dem konservativen Eric Strautmann (37,5 Prozent). Dritter in der Stichwahl ist der Grüne Frédéric Hilbert (15,2 Prozent).

Alain Fontanel (LREM) musste bei der Kommunalwahl schwere Verluste hinnehmen. Foto: Jürgen Lorey

Der Stichwahl im Elsass wird, wie am Montagabend bekannt wurde, verschoben, weil wegen des Coronavirus’ eine Ausgangssperre verhängt wurde. Der mutmaßliche Termin ist nun der 21. Juni.