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Verein Amifort sammelt Spenden für Restaurierung im Fort Hackenberg

Crowdfunding für Bunkeranlage : „Wir verraten sonst einen Teil der Geschichte“

Geschichts-Experten und Sanierer: Ehrenamtliche vom Verein Amifort pflegen mit dem Fort Hackenberg das größte Artillerie-Werk der Maginotlinie – doch nun brauchen sie Hilfe.

Eine Kleinstadt aus Beton, klamm, verwaist und sonnenlos. Statt auf offenen Straßen und Wegen bewegt man sich durch geschlossene Tunnel und Gänge. Alles hier war mal auf Krieg eingestellt. Munitionslager, Großküche, Operationssaal mit Röntgengerät, Panzerdrehturm, Kapelle, gar ein Tunnel mit einem improvisierten Kinosaal sind auf dem Technik- und Designstand der 1930er Jahre. Enge, Militärfunktionalität und Kampfbedrohlichkeit sind gegenwärtig. Bei zwölf Grad Celsius, sommers wie winters, ist es immer frisch und ein gelb-harter Schein elektrischen Lichts begleitet die Besucher ständig. In die Kaserne, ins Lazarett, in die 15 Kampfblöcke. In einer fensterlosen Küche steht über einen riesigen Kochtopf gebeugt eine Schaufensterpuppe. Sie trägt eine alte Uniform, die Besucher kommen und schauen herein. Sie machen sich in gut zwei Stunden daran, diese unterirdische Welt zu entdecken. Schließlich gibt es hier in der Bunkeranlage Fort Hackenberg aus den 1930er Jahren noch mehr zu sehen. Das mehrstöckige Verteidigungswerk mit mehr als zehn Kilometer langem Tunnelsystem nahe des mosellanischen Veckring ist eines der größten der Maginotlinie und konnte während des Zweiten Weltkriegs mehr als 1000 Soldaten aufnehmen und fast autark versorgen.

Die Besucher lauschen in die Stille, die den einsamen Koch und seinen blankgeputzten Großküchentopf umgibt. Lauschen und ziehen weiter zum Munitionslager. Hier allerdings könnte es bald laut und lebendig zugehen, mit Stimmengewirr und Werkzeuglärm. Denn die Einschienenbahn, die damals den Munitionsnachschub transportierte, soll in Stand gesetzt werden. Wenn genug Spenden zusammenkommen und der Originalkonstrukteur mithilft. „Teilstücke der Tunnel haben wir mit den Ehrenamtlichen restauriert“, sagt Claude Poesy und ergänzt, „aber nun ist Eisenbahntechnik dran, jetzt wird es komplizierter“. Poesy ist der Präsident des Vereins Amifort, der sich um die Pflege des militärhistorischen Bauwerks kümmert und Besichtigungen in drei Sprachen ermöglicht. „Als die Deutschen das Fort zwischen 1942 und 1944 besetzt haben, richteten sie im Munitionslager eine Fabrik ein, bei ihrem Abzug 1945 sprengten sie hier die restliche Munition.“

Heute läuft man mit einer ungleichen Mischung aus begeistertem Technikstaunen und mulmiger Beklemmung durch die unterirdischen Anlagen. Es ist mehr als 80 Jahre her, dass hier unten gedrillter, rationalisierter Alltag herrschte, dass der Geruch von Aufregung und Angst vor sich ankündigenden Kämpfen in den Gängen stand, als sich 1939/40 erst Franzosen und Deutsche und ab 1944 Amerikaner und Deutsche gegenüberstanden. Wie die französischen Soldaten hier unten lebten, wirkte damals aus der Zeit gefallen: Hier trat man in eine Welt unter Tage ein, die mit der allerneusten Kriegstechnik und Logistik ausgestattet war. „Eine unterirdische Metro gibt es bis heute nicht in Moselle“, sagt Poesy. Aber heute scheinen die jungen Gesichter auf den Schwarz-Weiß-Fotos und der Rost der Jahrzehnte fremd und lassen alles in eine immer schwerer zu greifende Vergangenheit entrücken.

Poesy will das Vergessen verhindern. Er bemüht sich seit seiner Jugend, Menschen mit der Geschichte vertraut zu machen und die Erinnerung an die regionalen Dramen dieser großen Katastrophe zu bewahren. „Das ist die Geschichte unserer Eltern und Großeltern, wenn wir das Fort nicht bewahren, verraten wir einen Teil unserer Geschichte.“

Mit mehr als 30 Freiwilligen setzt er Zeit, Kraft und Aufwand daran, das Fort nicht nur zu erhalten. „Von der Region und vom Département erhalten wir nur Unterstützung, wenn es die Wahrung der Sicherheit betrifft“, erklärt er. Die Anlage gehört nach wie vor der französischen Armee, doch für den Unterhalt ihres Erbes habe diese schlicht keine Mittel. Deshalb organisiert der Verein selbst eine Spendenaktion zur Restaurierung der Einschienenbahn des Munitionslagers, 22 000 Euro braucht es insgesamt. Das erste Ziel liegt bei 5000 Euro, bis Freitag kann gespendet werden. „Wenn wir die Restaurierung nicht anstoßen, können wir nachfolgenden Generationen nicht mehr zeigen, wie ein Munitionsdepot funktioniert“, sagt Poesy.

Die ersten 5000 Euro sind für die Installation der Stahlträger an der Decke eingeplant, eine Tranche von 10 000 Euro für Reinigung und Galvanisierung von Trägern und Schienen, für 15 000 Euro sollen alle Elemente im Munitionsdepot installiert werden. Bisher hat der Verein knapp die Hälfte der ersten Tranche gesammelt, mehr als 2300 Euro aus vier Ländern.

Amifort setzt nicht nur auf Spenden, sondern hofft auch auf die Hilfe der Firma, die einst das Transport-System angefertigt hatte. Den Zuschlag für die Einschienenbahn erhielt die 1866 in Mulhouse gegründete Société Tourtellier für elektro-mechanische Halte- und Hebesysteme, die später zur Gruppe ATS Palette Tourtellier Système wurde. Tourtellier besorgte damals die Technik für den Munitionstransport in allen Artilleriewerken der Maginotlinie. Poesy will auf den Konstrukteur zugehen: „Wir klären, ob sie uns finanzielle und logistische Hilfe zukommen lassen.“ 

Das Einschienenbahnsystem, auf dem Kettenzüge zirkulierten, war in den Entladehallen der Munitionseingänge installiert. Das Laufkran-System an der Decke der Tunnel ermöglichte das Entladen und den Transport zum Lager im Fort. Da das Munitionsdepot im Krieg völlig entkernt wurde, greift der Verein auf Tourtellier-Anlagen aus dem nahen Artilleriewerk Metrich bei Kœnigsmacker zurück. „Das Material liegt dort seit 15 Jahren, aber aufgrund mangelnder Mittel ist bisher nichts passiert“, sagt Poesy. Das Fort ist zu einem Drittel restauriert, darunter vier der zehn Kilometer Tunnel und vier von insgesamt 19 Blöcken. Seit 1975 steht es Besuchern offen, ein Viertel von jährlich bis zu 36 000 Gästen kommt aus Deutschland.

Mit dieser „offenen Metro“ geht es in die Tiefe des Fort Hackenberg und damit zurück in Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Foto: Verein Amifort

Spendenaktion für das Fort Hackenberg bis Freitag unter https://dartagnans.fr/fr/projects/mise-en-place-d-un-reseau-monorail-tourtelier/campaign