Tram zwischen Straßburg und Kehl übertrifft alle Erwartungen

Verbindung zwischen Straßburg und Kehl : Tram über den Rhein ist ein Riesenerfolg

Seit die Verbindung zwischen Straßburg und Kehl verlängert wurde, ist die Anzahl der Fahrgäste deutlich gestiegen. Eine Erfolgsgeschichte.

Nach der Verlängerung der grenzüberschreitenden Straßburger Straßenbahnlinie D vom Kehler Bahnhof zum Rathaus ist deren Erfolg noch deutlich größer als erwartet. Darauf wies Straßburgs Oberbürgermeister Roland Ries (PS) bei der gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte aus Straßburg und Kehl im Straßburger Verwaltungszentrum an der Place de l’Étoile hin.

Aus der ersten Bilanz, die den Räten vorgestellt wurde, geht hervor, dass mehr als die 2,5 Millionen Fahrten pro Jahr stattfinden, von der die Kooperationsvereinbarung zwischen Straßburg und Kehl zum Bau und Betrieb der Tram ausgegangen war. Die Tramlinie D über den Rhein bis zum Kehler Bahnhof war am 28. April 2017 gestartet. Seit die beiden weiteren Haltestellen Hochschule/Läger und Kehl Rathaus am 23. November vergangenen Jahres in Betrieb gingen, habe die Zahl der Fahrgäste um 15 bis 20 Prozent zugelegt.

Die Zahlen sind aber nach Angaben von Ries mit Vorsicht zu genießen, da die Prozentzahlen auf den Entwertungen der Tickets an den Haltestellen basieren und es sich nicht um Ergebnisse von Fahrgastzählungen handelt. Diese sind für den Herbst vorgesehen. Die Zahl der über 2,5 Millionen Tramfahrten ergibt sich aus der Fahrgastzählung vom Oktober vergangenen Jahres, als die Tram nur bis zum Kehler Bahnhof fuhr, plus mathematischen Berechnungen der Straßburger Verkehrsbetriebe CTS aus den Ergebnissen der Ticketentwertungen an den drei Haltestellen in Kehl. „Die Zahlen zeigen, dass die Erweiterung notwendig war“, sagte Oberbürgermeister Ries.

Samstag ist und bleibt der Wochentag mit der höchsten Fahrgastzahl, die Haltestelle Kehler Bahnhof ist außerhalb des Straßburger Stadtzentrums die am stärksten genutzte im gesamten Netz. Unter der Woche nutzten die meisten Fahrgäste die Tram am Freitag. Die Straßenbahnzüge, die von Kehl nach Straßburg fahren, sind, wenn sie in der Innenstadt ankommen, zu 35 Prozent stärker ausgelastet als die Tramzüge, die im Rheinhafen-Viertel (Port-du-Rhin) starten. Die Tramzüge, die aus Kehl kommen, sind vor allem in der Zeit zwischen 16 und 19 Uhr besonders stark ausgelastet.

Kehls Oberbürgermeister Toni Vetrano (CDU) nahm die vorgelegten Zahlen „wohlwollend zur Kenntnis“. Die Tram sei jetzt schon eine Erfolgsgeschichte, man könne sich kaum mehr vorstellen, wie die Situation in Kehl ohne Tram war. Die Tram erweise sich als Anker für die Stadtentwicklung beider Städte.

Straßburgs erster Beigeordneter und Präsident der CTS, Alain Fontanel, wies auf einen negativen Aspekt der Erfolgsbilanz der grenzüberschreitenden Tramlinie D hin: die Sicherheit nachts am Wochenende an den Haltestellen, vor allem am Kehler Bahnhof. Viele Jugendliche aus Straßburg würden am Freitag und Samstag Abend mit der Tram nach Kehl in die Disko fahren. Da die Tram zwischen 1 Uhr und 4.30 Uhr nicht fährt, warten die teilweise stark alkoholisierten Jugendlichen ziemlich lange auf die Tram, wenn sie die Diskotheken in den frühen Morgenstunden verlassen. In letzter Zeit sei es an den Haltestellen in Kehl und in der Tram zu „riskantem Verhalten mit ernsthaften Verletzungen gekommen“, Tramfahrer seien angegriffen worden. Fontanel regte daher an, ob man nicht über die Einrichtung einer Nachtbuslinie zwischen 0.30 Uhr und 6 Uhr zwischen Kehl und Straßburg nachdenken sollte. Diese würde aber zusätzliche Kosten für beide Städte bedeuten.

Wegen dieses Problems hat Kehls Oberbürgermeister Vetrano nach eigenen Angaben eine Sicherheitskonferenz einberufen, an der Vertreter der Polizei Baden-Württembergs, der Straßburger Police Municipale, der Technischen Dienste Kehl und des kommunalen Ordnungsdienstes aus Kehl teilnahmen. Erstes Ergebnis war, dass am vergangenen Wochenende in der Nacht mehrere Mitglieder einer Sicherheitsfirma an der Haltestelle Kehl Bahnhof größere Ausschreitungen unter den rund 80 auf die Tram wartenden Jugendlichen verhindern konnten. „Wir sollten uns überlegen, wie wir hier noch besser etwa mit dem kommunalen Ordnungsdienst und der Police Municipale zusammenarbeiten können, ähnlich wie wir es bereits in den Kehler Freibädern mit französischen Streitschlichtern machen.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung