Straßburg beschließt Fahrverbot für Dieselautos

Kostenpflichtiger Inhalt: Dieselverbot in Straßburg : Straßburg verbannt Diesel aus der Stadt

Spätestens 2025 dürfen keine Dieselfahrzeuge mehr durch die elsässische Hauptstadt fahren. Doch manche Autobesitzer werden sich schon früher Gedanken über Alternativen machen müssen.

Spätestens 2025 ist Schluss: Dann dürfen auch die neuesten Dieselmodelle nicht mehr durch Straßburg fahren. Das hat der Stadtrat mit großer Mehrheit (52 von 62 Stimmen) beschlossen. Zurzeit sind lediglich in einigen Straßen der Altstadt ältere Diesel-Lieferfahrzeuge Tabu. Die Fahrzeuge werden je nach Jahr der ersten Zulassung und nach Abgaswerten (laut europäischer Norm Euro 1 bis 6) in sechs Kategorien eingestuft. Nach diesen Kriterien wird auch die französische Umweltplakette Crit’air vergeben. Seit diesem September gilt das Fahrverbot für Lieferwagen mit den Crit’air Plaketten 4 und 5. Das entspricht den Fahrzeugen mit den schlechtesten Schadstoffklassen. Ab 2021 wird das Fahrverbot schrittweise für alle anderen Diesel-Fahrzeuge – also nicht mehr nur Lieferfahrzeuge, sondern auch Privatwagen – und auf die ganze Stadt ausgeweitet.

Ab dem 1. Januar 2021 dürfen keine Autos mehr ohne Crit’air-Plakette in Straßburg unterwegs sein. Ab 2022 gilt das gleiche für die Wagen mit einer 5er-Plakette. 2023 wird den Autos mit Crit’air 4-Plakette ebenfalls die Fahrt durch die Eurometropole verwehrt.  2024 folgt der Bann der 3er-Plakette, bis ab 2025 nur noch die Klasse 1 und 0 fahren dürfen. Das entspricht Elektro-Autos und Benzinern ab dem Baujahr 2011. Für Dieselfahrzeuge gibt es dann keine Ausnahmen, auch nicht für die neuesten Modelle, die offiziell weniger Stickoxid ausstoßen sollen. Laut dem Stadtratbeschluss soll damit eine Verbesserung der Luftqualität erreicht werden. Erwartet wird eine Verringerung von 20 Prozent der Stickoxide und von 40 Prozent des Feinstaubs.

Für Bewohner und Pendler, die erst vor kurzem ein Dieselauto gekauft haben, ist die Entscheidung ein schwerer Schlag. Bis 2021 will die Stadt dennoch weiter in Alternativen investieren, um den Umstieg zu erleichtern. So sollen unter anderem Mitfahrgelegenheiten und die Ausleihe von E-Bikes verstärkt angeboten werden. Auch eine direkte finanzielle Unterstützung für diejenigen, die vom Verbot am meisten betroffen werden, bringt der Stadtrat ins Spiel. Es soll aber seitens der Stadtverwaltung keine „Abwrackprämie“ für Dieselautos geben. Auch die 32 umliegenden Kommunen, die mit Straßburg den Gemeindeverband Eurométropole bilden, haben sich auf die gleichen Maßnahmen geeinigt. Dort werden Dieselautos dennoch erst fünf Jahre später ab 2030 verboten.

Beifall für die Entscheidung in Straßburg – nach Paris die zweite Stadt Frankreichs, die auf ein komplettes Dieselverbot setzt – gab es von der Umweltorganisation Greenpeace. Diese kritisierte aber den Bau einer neuen Autobahn, die als Westumfahrung von Straßburg dienen soll. Dies sei gerade in den Bestrebungen für eine bessere Luftqualität absolut kontraproduktiv. Kritik kam unter anderem von der elsässischen Gewerkschaft für Transport- und Speditionsunternehmen FNTR. Vor allem die Kurzfristigkeit der Entscheidung sei für die Betriebe problematisch. Wer jetzt bereits ein Diesel-Fahrzeug bestellt habe, könne es womöglich dann gar nicht mehr für Lieferungen in die Stadt einsetzen.

Auch Touristen, die nach Straßburg fahren, brauchen ab 2021 eine Umweltplakette. Sie kann online auf der deutschsprachigen Seite www.certificat-air.gouv.fr/de bestellt werden.

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