Senioren aus Lothringen und dem Saarland vernetzen sich

Senioren aus Lothringen und dem Saarland vernetzen sich

Fehlende Anerkennung und die Angst davor, pflegebedürftig zu werden: Darüber machen sich Senioren Gedanken. Betroffene aus dem Saarland und aus Lothringen suchen jetzt gemeinsam nach Lösungen für ihre Probleme.

Wie können Senioren in der Grenzregion besser leben - darüber haben sich die Teilnehmer des jüngsten grenzüberschreitenden Themen-Frühstücks in Forbach unterhalten. Viele Senioren nutzen heute Smartphone und Tablet, dennoch "haben Menschen ab 70 oft Probleme, einen Kredit für ein neues Auto zu bekommen", gab Esther Ribic, Vize-Präsidentin des Vereins Europ'age Saar-Lor-Lux, ein Beispiel der Diskrepanz zwischen Realität und Vorurteilen. Auch die Wirtschaft habe ein zwiespältiges Verhältnis zu Senioren . "Man erkennt ihre Kompetenz und freut sich, wenn sie ihr Know-how weitergeben. Allerdings wird zu oft erwartet, dass dies auf ehrenamtlicher Basis geschieht", sagte Ribic. Vom Elsass über das Saarland bis zu Wallonien seien die Probleme, mit denen Senioren konfrontiert werden, oft die gleichen. Deshalb organisiert Europ'age im Mai den ersten Seniorenkongress der Großregion in Otzenhausen. "Eine gute Möglichkeit für die Akteure sich grenzüberschreitend zu vernetzen", sagte Ribic.

Wie beim Frühstück in Forbach wird dort das selbstbestimmte und unabhängige Leben wahrscheinlich zum herrschenden Thema. "60 Prozent der Senioren möchten zu Hause bleiben. Nur fünf Prozent ziehen lieber in eine Senioren-WG und zwei Prozent in ein Pflegeheim", berichtete Wolfgang Langguth, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Saar und Gründer des so genannten "Ambient Assisted Living"-Netzwerks Saar. 2012 habe eine Untersuchung ergeben, dass ein Drittel der Pflegefälle zu Hause hätte weiterleben können, wäre die Wohnung barrierefrei gewesen. Dadurch würden sich die Lebensbedingungen der Senioren stark verbessern und die Sozialkassen könnten Geld sparen.

2015 wurde von Lothringen und dem Saarland das Netzwerk "Silver Economy" (Senioren-Wirtschaft) geschaffen. Es beschäftigt sich auch mit neuen Aspekten der Versorgung wie zum Beispiel der Telemedizin. "Dennoch wird der Einsatz der Technologie nur sinnvoll, wenn er auf das Menschliche aufbaut", sagte Langguth.

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