Schuljahr startet in Frankreich im Schatten des Terrors

Schuljahr startet in Frankreich im Schatten des Terrors

Zum ersten Mal haben in Frankreich das Bildungs- und das Innenministerium ein Sicherheitsprogramm mit Anti-Terrorübungen vorgestellt. Dabei übernehmen sie unter anderem eine umstrittene Forderung aus Straßburg.

Bisher haben französische Schüler regelmäßig die Evakuierung in einem Brandfall geübt. Ab diesem Schuljahr, das gestern begonnen hat, kommen weitere Übungen dazu - unter anderem wird das richtige Verhalten beim Eindringen von Terroristen in das Schulgebäude trainiert. Wann sollte man versuchen zu flüchten und wann sollte man sich eher im Klassenzimmer einsperren - auf solchen Situationen sollen Schüler und Lehrer in allen französischen Schulen mindestens drei Mal jährlich bei einer entsprechenden Simulation vorbereitet werden. Die erste Übung muss bis zu den Herbstferien abgehalten werden. Das sieht das neue gemeinsame Sicherheitsprogramm von Bildungsministerium und Innenministerium vor. Weitere Maßnahmen sind unter anderem verpflichtende Erste-Hilfe-Kurse sowie eine verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften im Umfeld aller 64 000 Kindergärten, Schulen und Universitäten. Am ersten Tag im neuen Schuljahr waren gestern 3000 Polizisten und Soldaten frankreichweit im Einsatz.

Doch die engere Zusammenarbeit zwischen polizeilichen Behörden und Schulen soll nicht auf den Auftakt des Schuljahres beschränkt werden. Das neue Sicherheitsprogramm beider Ministerien sieht vor, dass "in besonders heiklen Fällen" die jeweiligen Schulbehörden und Schulleiter in Kenntnis gesetzt werden, wenn radikalisierte Schüler ihre Bildungseinrichtungen besuchen. Damit sieht sich der konservative Präsident der Region Grand Est, Philippe Richert, in seiner Forderung bestätigt. Genau darum hatte Richert während der Sommerferien in einem Brief an Innenminister Bernard Cazeneuve gebeten (wir berichteten). Anders herum sollen Lehrer und Schulleiter auch Schüler melden, bei denen sie eine Radikalisierung vermuten.

Auch über radikalisiertes Personal sollen die Rektoren informiert werden. Vor dem Schulbeginn hatte die französische Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem bereits die Suspendierung von rund zehn Lehrern angekündigt, von denen die Geheimdienste eine sogenannte "fiche S", einen Vermerk wegen Radikalisierung, gemacht haben.

In vielen Städten wollen die Bürgermeister die Sicherheit an den Bildungseinrichtungen aber nicht allein dem Staat überlassen. In Straßburg hat Roland Ries (Parti Socialiste) bereits angekündigt, rund 500 000 Euro in zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen an den Schulen seiner Stadt zu investieren.