Schulabbrecher nutzen zweite Chance

Zwei Jahre lang lief das Pilotprojekt Deutsch-Französische Schule der zweiten Chance. Nun trafen sich alle Beteiligten in Forbach, um erste Schlüsse zu ziehen und an die Zukunft zu denken.

Im Dezember 2012 kamen die ersten Saarländer und Lothringer in die Deutsch-Französische Schule der zweiten Chance in Völklingen und Forbach . Zwei Jahre nach dem vorläufigen Ende der Maßnahme haben 53 Deutsche und 76 Franzosen das gemeinsame Programm des Tüv Bildung Nord und der Bildungsgruppe CCI 54 aus Lothringen durchlaufen. Es handelte sich um Männer und Frauen zwischen 16 und 25, die entweder die Schule ohne Qualifikation verlassen haben oder länger arbeitlos waren. Im binationalen Austausch wurden sie durch Praktika für Berufe in zukunftsträchtigen Branchen wie im Handel oder in der Altenpflege sensibilisiert. Dazu lernten sie die Sprache des Nachbarn nicht nur im Unterricht, sondern auch bei praxisorientierten Workshops. "Dass rund 62 Prozent der französischen und 57 Prozent der deutschen Schüler nach ihrer Teilnahme eine Arbeitsstelle oder einen Ausbildungsplatz bekommen haben, zeugt vom Erfolg dieser Maßnahme", sagte Fabien Lo Pinto, stellvertretender Leiter von CCI 54.

Erstaunlich viele Arbeitgeber hätten bei dem Pilotprojekt mitgemacht und den jungen Erwachsenen Praktika ermöglicht. So auch Philippe Bizet, Leiter des Supermarkts Cora in Forbach . "Ich habe mich über das Interesse der Teilnehmer gefreut. Die deutschen Praktikanten waren im Hinblick auf die vielen saarländischen Kunden eine Bereicherung für uns", sagt Bizet. Ein Absolvent des Programms habe bereits bei Cora einen befristeten Vertrag bekommen - also eine zweite Chance. Auch die anwesenden Schüler waren zufrieden. Vor allem die schnelle Vermittlung von Praktika und der sehr praktische und weniger schulische Unterricht hätten ihnen geholfen. "Von meinem Chefkoch habe ich nicht nur die Küchenarbeit gelernt, sondern ich kenne jetzt die Zutaten und die Anweisungen auf Deutsch", berichtet eine junge Französin von ihrem vierwöchigen Praktikum im Saarbrücker Hotel Mercure.

Dass die Jugendlichen durch das Projekt wieder eine Perspektive bekommen, freute Jürgen Barke , Staatssekretär im Saar- Wirtschaftsministerium: "Die Gesellschaft ist immer nur so gut, wie sie mit den Schwächeren umgeht, in diesem Fall jungen Menschen auf Arbeitssuche."

In den zwei Jahren Laufzeit kostete die Deutsch-Französische Schule der zweiten Chance rund 441 000 Euro. Die Hälfte davon hat die EU finanziert. Für die nächste Förderperiode des Programms haben die Organisatoren bereits einen Antrag eingereicht. Wenn er bewilligt wird, können die nächsten Schüler ihre Chance ergreifen.