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Schmeckt Nutella aus Frankreich wirklich besser als in Deutschland?

Gerücht auf dem Prüfstand : Streichzarter und kakaohaltiger: Schmeckt französische Nutella besser als ihr deutsches Pendant?

Manche Gerüchte halten sich hartnäckig. Zum Beispiel das deutsch-französische Nutella-Gerücht. Es heißt, dass die Nuss-Nougat-Creme in Frankreich anders, gar besser schmeckt – bei den Franzosen streichzarter, bei den Deutschen fester und zuckerhaltiger. Was ist dran? Die Verbraucherzentrale des Saarlandes hat für die SZ den Marktcheck gemacht.

Es ist eine Diskussion, die am Frühstückstisch immer mal wieder aufkommt – wenn Franzosen und Deutsche Brot und Baguette auspacken und das Haselnuss-Creme-Glas eines internationalen Großkonzerns aufschrauben: Französische Nutella sei streichzarter und flüssiger, das deutsche Pendant fester und etwas dunkler.

Aus der Pressestelle von Ferrero Deutschland heißt es, „dass die Rezeptur von nutella überall auf der Welt gleich ist“. Für Ferrero stehe die einwandfreie Qualität der hochwertigen Rohstoffe und Zutaten für „ein unverwechselbares Geschmackserlebnis“ an erster Stelle. Produktrezepturen werden demnach auf zentraler Ebene „definiert“. Diese seien „sowohl in Bezug auf ihre Zusammensetzung als auch auf die für ihre Zubereitung verwendete Technologie vergleichbar“.

Der Zustand von Nutella dies- und jenseits des Rheins hat französische Medien mehrfach beschäftigt, so auch den deutsch-französischen öffentlich-rechtlichen Rundfunksender Arte. In einer „Karambolage“-Sendung aus dem Jahr 2018 sprechen die Frankreich-Deutschland-Versteher gar von „grundlegenden Unterschieden“ bezüglich der Nuss-Nougat-Creme. Damals, 2018, haben sie von Ferrero erfahren, dass die französische Nutella „etwas süßer und nussiger“, und die deutsche Nutella „etwas kakaohaltiger im Geschmack“ sei, berichtet die Sprecherin in dem Video.

Das Team von „Karambolage“ machte, mit dem für die Sendung typischen Humor, den ultimativen Vergleichs-Streich-Test. „Karambolage“-Schauer werden Zeuge, wie Messer in deutsche und in französische Nutella-Gläser getaucht werden: „Unser deutscher Freund muss einen gewissen Druck auf das Messer ausüben, auf französischer Seite verschwindet es im Nutella wie in Sahne.“ Bilanziert wird am Ende eine „grundsätzliche Unverträglichkeit zwischen dem französischen Brot und dem deutschen Nutella, dessen Konsistenz etwas fester ist.“ Und mehr noch: Die französische „weiche Weißbrotscheibe ist nur noch Auflösung und Verfall“, wenn es per Messerhieb fester, deutscher Nutella ausgesetzt wird.

Lag‘s vielleicht am Messer? Sollte deutsche Nutella vorher von Hand angewärmt werden? Oder lässt man beim nächsten Einkauf jenseits der Grenze Wein und Käse gleich links liegen und packt Nutella in den Kofferraum? Fragen über Fragen – für deren Auflösung sich bei der Verbraucherzentrale des Saarlandes schnell ein freiwilliges, dreiköpfiges Expertenteam für Nusscreme konstituiert hat. Das Team hat für die SZ die Probe aufs Exempel gemacht.

Im Marktcheck der Verbraucherzentrale Saarland traten französische Nutella, deutsche Nutella und eine Discounter-Sorte auf Brot gegeneinander an. Das einstimmige Urteil fällt noch in der Nusscreme-Sitzung: „Wie erwartet sind die französische und die deutsche Nutella absolut gleich im Geschmack und der Konsistenz“, berichtet Theresia Weimar-Ehl, Leiterin des Bereichs Lebensmittel und Ernährung, nach der Verkostung. „Der No-Name Aufstrich hat von allen dreien am ehesten nach Nuss geschmeckt, schmeckte nicht so süß und war von der Konsistenz etwas fester“, berichtete Weimar-Ehl noch.

Tatsächlich hatte die EU-Kommission in Brüssel unter anderem im Jahr 2017 davor gewarnt, dass es in Europa zum Teil deutliche Unterschiede bei einigen Markenprodukten von Lebensmittelkonzernen gibt. Stein des Anstoßes waren aber nicht deutsch-französische Nutella-Beziehungen, sondern ein offensichtliches, ernsteres Ost-West-Gefälle: In mehreren osteuropäischen Ländern gab es seit Jahren Klagen, dass Billigversionen von Markenprodukten vertrieben und die hochwertigeren Produkte an westliche EU-Länder verkauft wurden – der Vorwurf traf nicht nur Nutella von Ferrero.

Im Herbst 2017 kam eine neue Rezeptur für Nutella auf den Markt – mit weniger Kakao und dafür mehr Magermilchpulver. Die Verbraucherzentrale Hamburg ließ damals ein Labor prüfen: Es ermittelte in der Variante nach altem Rezept einen Kakaoanteil von etwa 8,4 Prozent, im neuen Nutella nur noch rund 7,4 Prozent. Daraus schlussfolgerten die Verbraucherschützer aus Hamburg: „Nutella bleibt eine Zucker-Fett-Creme.“ Als die Verbraucherschützer des Saarlandes für ihren Marktcheck die Zutatenlisten der aktuell erhältlichen deutschen und französischen Nutella vergleichen, stellen sie immerhin fest, dass Prozentangaben und Sortierung übereinstimmen – jeweils mit Zucker und Palmöl an erster und zweiter Stelle und Haselnüssen mit 13 Prozent als drittgewichteter Zutat (siehe Info).

Auch wenn es nicht mehr zutrifft, aber weil es so schön ist: Das „Karambolage“-Video „Nutella: Hart oder flüssig? Eine Frage der Herkunft“ ist auf dem Youtube-Kanal von Arte zu sehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schmeckt Nutella in Frankreich anders als in Deutschland?