Reifeprüfung hinter der Grenze

Heute ist der offizielle Tag der deutsch-französischen Freundschaft. Durch Schulaustausche und Auslandssemester haben junge Saarländer viele Möglichkeiten, Frankreichs Luft zu schnuppern. Eine davon bietet das Rote Kreuz und spricht junge Erwachsene mit einer sozialen Ader an.

Noch gewinnt Daria Frank eher selten bei der Scrabble-Runde mit den Bewohnern. Es ist auch kein Wunder, sie spielen auf Französisch. Seit August arbeitet die 18-Jährige aus Merzig im Altenheim "Les lilas blancs" im lothringischen Boulay . Vermittelt wurde ihr die Stelle vom saarländischen Landesverband des Roten Kreuzes im Rahmen eines Internationalen Jugendfreiwilligendienstes (IFJD). Das Programm gibt es schon länger, aber nur die wenigsten kennen es. Mit dem DRK Saar können sich Menschen zwischen 18 und 26 Jahren für ein Jahr im Bildungs-, Sozial- und Kulturbereich im Ausland engagieren.

Nach dem Abi entschied sich Daria bewusst für den Dienst in der Altenpflege. "Meine Oma wohnt weit weg und mir gefällt der Austausch zwischen den Generationen." Später möchte sie Medizin studieren. Nicht nur im Umgang mit Patienten käme ihr dann die Erfahrung als Freiwillige im Altenheim zugute. "Werde ich eines Tages Ärztin, ist es gut, auch als unterstes Glied in der Hierarchie gearbeitet zu haben", meint Daria. Sie arbeitet sieben Stunden täglich, los geht's morgens um 8 Uhr. Abends und am Wochenende hat sie frei. Das lässt genug Zeit, um außerhalb der Arbeit junge Franzosen kennenzulernen. Im beschaulichen Boulay ist zwar nicht so viel los, doch im Basketball-Verein hat Daria bereits Freundschaften geknüpft. Ihr Französisch ist viel besser geworden. "Am Anfang ging es für mich oft zu schnell, aber ich verstehe immer mehr. Und wenn es hakt, frage ich eine Oma. Viele Bewohner sprechen gut Deutsch."

"Zwei Jahre Schulfranzösisch sollten Bewerber schon mitbringen. Die Motivation und die Bereitschaft, sich für andere einzusetzen, sind aber die wichtigsten Voraussetzungen", sagt Anna-Maria Michael, die beim DRK für das Programm zuständig ist. Im "Les lilas blancs" erwartet man von Daria auch Kreativität. "Letztens haben wir mit Salzteig gearbeitet, den wir dann angemalt haben. Die Bewohner fanden die Aktivität toll und haben mich gefragt, wann wir es wieder machen können. Das gibt einen großen Motivationsschub." In sechs Monaten ist Daria - "die kleine Deutsche" - den Senioren ans Herz gewachsen. Und umgekehrt. "Das Schwierigste am Job ist es zu merken, wie die Leute abbauen. Dass sie nach und nach Fähigkeiten verlieren."

Mit 18 zum ersten Mal alleine zu wohnen und dazu noch im Ausland, ist keine Selbstverständlichkeit. Ganz alleine ist sie nicht. Sie wohnt in einer WG mit Laura, die auch als Freiwillige im Altenheim arbeitet und aus Niedersachsen kommt. Die Wohnung wurde den beiden vom DRK gestellt, das ihnen auch Taschengeld bezahlt, Seminare anbietet und Ansprechpartner für alle Belange bleibt. "Das ist eine Superlösung, man lernt Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, wird aber nicht ins kalte Wasser geworfen", findet Daria. Infos und Bewerbung im Internet unter freiwilligendienste.drk-saarland.de/freiwilligendienste/internationaler-jugendfreiwilligendienst-ijfd

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Am RandeDer deutsche Botschafter in Frankreich, Nikolaus Meyer-Landrut, war gestern zu Gast in Saarbrücken. Auf Einladung von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) besuchte er mehrere binationale Bildungsinstitutionen. "Nichts ist wichtiger, als die neue Generation über verschiedene Ausbildungsformen an das Deutsch-Französische heranzuführen", so Meyer-Landrut, der die Rolle des Saarlandes als Modellregion betonte. Auch Europaminister Stephan Toscani (CDU ) sieht die Frankreich-Strategie auf einem guten Weg: "Die Bilanz nach einem Jahr ist sehr positiv. Sie zeigt, dass wir innerhalb kurzer Zeit bereits erste Maßnahmen umgesetzt haben." hem

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