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Pläne für „grenzenlose“ medizinische Versorgung nehmen Gestalt an

Regionalverband. Einwohner des Regionalverbandes sollen mit ihrer deutschen Krankenkassenkarte in Frankreich zum Arzt gehen können – und für Franzosen soll es die umgekehrte Möglichkeit im Regionalverband Saarbrücken geben. Alexander Stallmann

Über ihre Pläne zur Schaffung einer grenzüberschreitenden Gesundheitszone (Zoast) informierten gestern im Saarbrücker Schloss Regionalverbandsdirektor Peter Gillo , der Bürgermeister von Sarreguemines, Céleste Lett, der Bürgermeister von Forbach , Laurent Kalinowski, der Präsident des Gemeindeverbandes Forbach , Paul Fellinger, der Präsident des Gemeindeverbandes Sarreguemines, Roland Roth, sowie die beiden Experten Henri Lewalle und Karin Mertens.

Zoast sieht vor, dass den Einwohnern der Arrondissements Forbach und Sarreguemines sowie des Regionalverbandes Saarbrücken ohne bürokratische und finanzielle Hürden der Zugang zu Leistungen in Krankenhäusern auf der jeweils anderen Seite der Grenze ermöglicht wird.

Die Krankenhäuser von Forbach , Sarreguemines, Freyming-Merlebach und Saint-Avold auf französischer Seite sowie von Völklingen und Saarbrücken auf deutscher Seite wären an dem Vorhaben beteiligt. Leute aus dem Regionalverband könnten dann mit ihrer hiesigen Krankenkarte ohne zusätzliche Kosten oder Aufwand einen Mediziner auf französischer Seite aufsuchen. Bereits in der Vergangenheit gab es verschiedene Projekte der Zusammenarbeit im gesundheitlichen Bereich zwischen dem Saarland und dem Département Moselle. Seit 2008 gibt es eine Kooperation beim grenzüberschreitenden Rettungswesen: Der Beschluss ermöglicht den Rettungsdiensten Einsätze im Nachbarland in Grenznähe. Aber auch hinsichtlich bestimmter medizinischer Spezialisierungen würde die grenzüberschreitende Zusammenarbeit für die Bürger Vorteile bringen. Peter Gillo erklärt: "Besondere Leistungen sollten für alle Bürger grenzüberschreitend zugänglich sein."

Auch hier gibt es bereits Vorläufer: Seit 2013 können sich französische Herzinfarktpatienten im Zuständigkeitsbereich Forbach auch im HerzZentrum Saar der SHG-Kliniken Völklingen behandeln lassen.

Die Umsetzung der grenzüberschreitenden Gesundheitszone soll in zwei Schritten erfolgen. In einem Zeitraum von zwei Jahren sollen die Patienten in der Grenzregion freien Zugang zu bestimmten Leistungen wie der Augenheilkunde im Klinikum Saarbrücken oder der Suchtbehandlung und Nuklearmedizin in den Krankenhäusern in Sarreguemines haben. Nach Ablauf der zwei Jahre sollen die Patienten der Grenzregion dann alle Leistungen der Krankenhäuser im Grenzraum, die in der Vereinbarung zur Gesundheitszone zusammengeschlossen sind, nutzen können. Ob und wann eine grenzüberschreitene Gesundheitszone zustande kommt, hängt von der Zustimmung vieler Gruppen ab. Auf deutscher Seite müssen sowohl die Krankenhäuser und Krankenkassen als auch die saarländische Landesregierung zustimmen. In Frankreich hängt es in erster Linie von dem Ja-Wort der französischen Regierung, genauer des Gesundheitsministeriums, ab.

Karin Mertens, Projektbetreuerin der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bei den SHG-Kliniken Völklingen , sagt: "Da das Vorhaben schon länger in Bearbeitung ist, wäre es theoretisch möglich, dass Zoast bereits am 1. Juli startet."